VonJulian Baumannschließen
Der Outdoor-Spezialist Vaude kämpft mit einer Konsumflaute und hat am Hauptsitz für einen Teil der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet.
Tettnang - Die hohen Kosten in vielen Bereichen haben das Konsumverhalten der Kunden stark ausgebremst. Das wirkt sich unter anderem auf das Familienunternehmen Vaude mit Sitz in Obereisenbach bei Tettnang (Bodenseekreis), der kleinsten Mittelstadt Deutschlands, aus. Beim Outdoor-Spezialisten vom Bodensee kriselt es vor allem im Radsektor, wie der SWR auf Anfrage erfuhr, weshalb Vaude einen Teil der Belegschaft am Stammsitz in die Kurzarbeit schickt. Auch der Hersteller Viscofan setzt an seinem Standort in Baden-Württemberg auf Kurzarbeit.
Vaude ist auf die Herstellung von Outdoor-Bekleidung für den Berg- und Radsport sowie fürs Wandern spezialisiert und produziert außerdem noch Zelte, Schlafsäcke und Taschen. In den vergangenen Jahren konnte das von Antje von Dewitz geleitete Familienunternehmen den Umsatz stets steigern, aktuell läuft das Geschäft aber deutlich schlechter. Von der Kurzarbeit betroffen sind rund 70 Mitarbeiter in der Produktion, die Maßnahme wurde vorerst für drei Monate beantragt.
Vaude zahlt betroffenen Mitarbeitern weiter volles Gehalt – trotz verringerter Arbeitszeit
Die Maßnahme der Kurzarbeit ist für Unternehmen eine – im Vergleich zum Stellenabbau – sozialverträglichere Möglichkeit, um auf eine niedrigere Produktionskapazität zu reagieren. Für die Mitarbeiter bedeutet das im Regelfall, dass sie basierend auf der verkürzten Arbeitszeit Kurzarbeitergeld ausbezahlt bekommen. Vaude, das insgesamt für die hohe soziale Verantwortung in der gesamten Produktionskette bekannt ist, zahlt dem SWR zufolge aber weiterhin das volle Gehalt für die betroffenen Angestellten, obwohl ihre Arbeitszeit um 20 Prozent verringert wird.
Bedingt durch die hohe Ansteckungsgefahr, die beispielsweise Teamsportarten über längere Zeit nahezu unmöglich machte, boomte der Radsport in den Corona-Jahren besonders. Davon profitierte auch der Ausrüster Vaude, bei dem das Geschäft mit Fahrradkleidung und -ausrüstung rund die Hälfte des Firmenumsatzes ausmacht. Da das Umsatzwachstum aber bereits im vergangenen Jahr einen deutlichen Dämpfer erhalten hatte, kündigte Vaude einen Stellenabbau für 2024 mit ungewissem Umfang an.
Viele Unternehmen aus Baden-Württemberg setzen auf Kurzarbeit
In den vergangenen Monaten mussten einige Unternehmen aus Baden-Württemberg aufgrund der steigenden Kosten und einer sinkenden Nachfrage auf Kurzarbeit zurückgreifen. Bei den Maschinenbauern Groz-Beckert und Liebherr Biberach dauert die Maßnahme weiterhin an. Das Stuttgarter Familienunternehmen Lapp hatte dagegen vorsorglich Kurzarbeit angemeldet, trotz Umsatzrekord im vergangenen Geschäftsjahr.
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