Schwieriges Marktumfeld

Hersteller setzt in Baden-Württemberg auf Kurzarbeit und moderaten Stellenabbau

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Der Hersteller Viscofan setzt in Baden-Württemberg auf Kurzarbeit und will währenddessen neue Aufträge an Land ziehen. Eine leichte Reduzierung der Belegschaft ist aber ebenfalls geplant.

Weinheim - Die Maßnahme der Kurzarbeit ist ein Mittel, um in schwierigen Lagen einen Beschäftigungsabbau zu vermeiden und dennoch Personalkosten einsparen zu können. Der Kunstdarmhersteller Viscofan mit Sitz in Weinheim (Baden-Württemberg) setzt aufgrund der schwierigen Lage bereits seit Ende Februar phasenweise auf Kurzarbeit und hat laut einem Medienbericht auch für Ende April/Anfang Mai eine solche Maßnahme angemeldet. Während der verringerten Produktion will das Unternehmen, das auf die Herstellung von künstlichen Wursthüllen spezialisiert ist, neue Aufträge an Land ziehen. Ein moderater Stellenabbau ist aber ebenfalls geplant.

Das Unternehmen wurde im Jahr 1933 unter Beteiligung von Carl Freudenberg, dem Gründer der Freudenberg-Gruppe, einem der größten Familienunternehmen Baden-Württembergs, als Naturin GmbH gegründet und gehört durch eine Übernahme seit 1990 zum Viscofan-Konzern mit Sitz in Cáseda, Spanien. Dem Bericht des Portals wnoz.de zufolge war ein Großteil der rund 500 Mitarbeiter in Weinheim bereits Ende Februar/Anfang März in Kurzarbeit, für Ende April/Anfang Mai und für eine Woche im Juni ist erneut Kurzarbeit angemeldet. Ende März hatte auch der Maschinenbauer Knoll Teile der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt.

Viscofan setzt in Weinheim auf Kurzarbeit und Stellenabbau – aber ohne Kündigungen

Andrej Filip, seit Januar 2024 Geschäftsführer von Viscofan in Deutschland, erklärte auf Anfrage von wnoz.de, dass bei der Kurzarbeit ab Ende Februar die Vertriebsabteilung von der 14-tägigen Maßnahme ausgenommen war. Das hat den Hintergrund, dass besagte Abteilung neue Aufträge an Land ziehen soll. Der Mangel an Aufträgen belastet die Industrie derzeit bundesweit gewaltig, ein Möbelhersteller aus Baden-Württemberg muss deshalb sogar ein ganzes Werk schließen. In Weinheim ist man aber offenbar guter Dinge, dass man dem Trend mit der Maßnahme entgegenwirken kann. „Ich sehe, dass wir schon jetzt unsere Produktivität gesteigert haben“, erklärte der Geschäftsführer.

Der Hersteller Viscofan in Weinheim setzt aufgrund des schwierigen Marktumfeldes auf Kurzarbeit und einen moderaten Stellenabbau. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.
Name Viscofan S.A.
Gründung 1975
Sitz Cáseda, Spanien
Deutschland-SitzWeinheim, Baden-Württemberg
BrancheNahrungsmittelindustrie
Mitarbeiter weltweit mehr als 4.000
Mitarbeiter in Weinheimrund 500
Konzernumsatz 1,2 Milliarden Euro (2023)

Die nicht ausgelastete Produktion beim Kunstdarmhersteller im Rhein-Neckar-Kreis bereitet allerdings bereits seit Ende vergangenen Jahres Probleme, weshalb Viscofan einen moderaten Stellenabbau für 2024 angekündigt hat. Betriebsbedingte Kündigungen sind laut Filip nicht geplant, stattdessen setze man auf natürliche Fluktuation. Durch die Maßnahmen, die in Absprache mit dem Betriebsrat getroffen wurden, will sich das Unternehmen Zeit verschaffen, um neue Aufträge an Land zu ziehen und in der zweiten Jahreshälfte somit auf Kurzarbeit verzichten zu können.

Schwierige Lage der Lebensmittelindustrie belastet Viscofan in Weinheim

Viscofan produziert künstliche Därme für die Fleischindustrie und hat auch vegetarische Produkte im Angebot.

Viscofan produziert in Weinheim künstliche Därme, Collagenfolien und viele weitere Produkte für die fleischverarbeitende Industrie und das Handwerk. Unter der Marke Viscofan Veggie bietet das Unternehmen zudem essbare vegetarische Alternativen an. Neben der Auftragsflaute im Maschinenbau und vielen anderen Branchen, hat derzeit auch die Lebensmittelindustrie zu kämpfen. Ein Traditionsbetrieb schließt deshalb zwei Werke in Baden-Württemberg. „Wir wissen alle, dass wir durch eine schwierige Zeit gehen“, erklärte Andrej Filip. „Aber ich bin stolz darauf, wie wir uns als Team dieser Herausforderung stellen.“ Das werde auch in der spanischen Konzernzentrale so gesehen.

Bei den Maschinenbauern Groz-Beckert in Albstadt und Liebherr in Biberach dauert die Kurzarbeit derweil weiterhin an, wie die beiden Unternehmen vor wenigen Wochen auf BW24-Anfrage bestätigten.

Rubriklistenbild: © Ronald Wittek/dpa

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