Sorge um Zukunft des Standorts

Stellenabbau bei Autozulieferer: Hunderte Mitarbeiter im Südwesten kämpfen um ihre Arbeitsplätze

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Ein Unternehmen des ThyssenKrupp-Konzerns hat einen empfindlichen Stellenabbau angekündigt. An einem Standort im Südwesten solidarisierten sich hunderte Mitarbeiter.

Heilbronn/Saarbrücken - Dass sich die großen Automobilzulieferer in einer schwierigen Lage befinden, ist kein Geheimnis. Technologiekonzern Bosch hat einen Stellenabbau in mehreren Bereichen angekündigt und auch die ZF Friedrichshafen will bis 2028 bis zu 14.000 Arbeitsplätze allein in Deutschland abbauen. Der Autozulieferer Thyssenkrupp Automotive Body Solutions, der seinen Sitz in Heilbronn (Baden-Württemberg) hat und zur ThyssenKrupp AG gehört, hat vor wenigen Tagen angekündigt, deutschlandweit rund 400 Stellen streichen zu wollen.

Thyssenkrupp Automotive Body Solutions hat in Deutschland insgesamt sechs Standorte, von denen mit Heilbronn, Weinsberg, Mühlacker und Leingarten vier in Baden-Württemberg liegen. Die IG Metall Saarbrücken befürchtet jedoch, dass der angekündigte Stellenabbau vor allem das Werk im saarländischen Wadern-Lockweiler treffen und dass der Standort dadurch sogar vor dem Aus stehen könnte. Deshalb rief die Gewerkschaft am Freitag (9. August) zu einer großen Demonstration gegen den Personalabbau auf, dem laut übereinstimmenden Medienberichten hunderte Mitarbeiter folgten.

Thyssenkrupp Automotive will 400 Stellen in Deutschland abbauen - Verteilung noch nicht bekannt

In der Mitteilung zum geplanten Stellenabbau bei Thyssenkrupp Automotive Body Solutions von Ende Juli nannte das Unternehmen keine konkrete Verteilung über die sechs deutschen Standorte. Bislang ist demnach nicht bekannt, ob und wie stark auch die Werke in Baden-Württemberg betroffen sein werden. Allerdings wird in besagter Mitteilung der Standort Wadern-Lockweiler als „Hauptstandort für das Projektgeschäft“ als einziger explizit aufgeführt, was bei den Arbeitnehmervertretern offenbar die Alarmglocken zum Schrillen brachte. Diese kritisieren zudem auch eine angekündigte Kapazitätsverlagerung an Standorte außerhalb Deutschlands deutlich.

Name Thyssenkrupp Automotive Body Solutions
Gründung 1. März 2021 aus der Teilung der thyssenkrupp System Engineering GmbH
SitzHeilbronn, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer
Mutterkonzern Thyssenkrupp AG
Mitarbeiter 2.200 weltweit

„Außer der Flucht in Billiglohnländer beinhaltet der Plan nichts“, erklärte Thorsten Dellmann, der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken, in einer Mitteilung von Anfang August. Es sei nicht klar, ob der Standort Wadern-Lockweiler einen solchen Stellenabbau überstehen werde, oder ob die verbleibenden Arbeitsplätze ebenfalls ins Ausland verlagert werden. Am Freitag fand am Standort im Saarland eine Betriebsversammlung statt, in deren Vorfeld hunderte Mitarbeiter des Unternehmens im Rahmen einer Aktion um ihre Arbeitsplätze und die Zukunft des Werkes kämpften.

600 Mitarbeiter protestieren im Saarland gegen geplanten Stellenabbau von ThyssenKrupp-Tochter

Wie unter anderem der Saarländische Rundfunk (SR) berichtet, sind dem Aufruf der IG Metall rund 600 Mitarbeiter von Thyssenkrupp Automotive Body Solutions in Wadern-Lockweiler gefolgt. Obwohl eine genaue Verteilung des Stellenabbaus wie bereits erwähnt noch nicht bekannt ist, betonte der Betriebsratsvorsitzende Thorsten Koch bei der Protestveranstaltung am Freitag, dass das Werk im Saarland am meisten betroffen sein werde. Am Standort Wadern-Lockweiler von Thyssenkrupp Automotive Body Solutions arbeiten rund 1.000 Mitarbeiter.

Ein Unternehmen des Automotive-Segments von Thyssenkrupp will in Deutschland 400 Stellen abbauen. Ein Standort im Südwesten könnte besonders stark betroffen sein (Symbolfoto).

Der Autozulieferer mit Sitz in Heilbronn hatte in der Mitteilung von Ende Juli angekündigt, die geplante Personalanpassung bis zum Jahreswechsel 2024/2025 abschließen zu wollen. „In einem gemeinsamen Prozess mit den zuständigen Gremien der Arbeitnehmervertretungen soll nun das weitere Vorgehen besprochen und detailliert festgelegt werden“, hieß es zudem vom Unternehmen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte mit ThyssenKrupp Schulte ein weiteres Tochterunternehmen des Stahl-Konzerns angekündigt, mehrere Standorte schließen zu wollen. Davon könnten auch Werke in Baden-Württemberg betroffen sein.

Rubriklistenbild: © Thyssenkrupp Automotive Technology

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