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Die Thyssenkrupp-Tochter Schulte hat einen Stellenabbau und die Schließung mehrerer Werke angekündigt. Sind davon auch die Standorte in Baden-Württemberg betroffen?
Stuttgart/Essen - Die deutsche Industrie kämpft auf der einen Seite nach wie vor mit großen Herausforderungen und muss sich auf der anderen zukunftsfähig aufstellen. Der schwäbische Technologiekonzern Voith will deutschlandweit 150 Stellen im Geschäftsbereich Turbo abbauen, um sich für die Zukunft zu rüsten. Am Mittwoch (24. April) verkündete zudem der Werkstoffkonzern Thyssenkrupp Schulte, das Geschäft für mehr Profitabilität und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit umbauen zu wollen. Neben einem Stellenabbau ist dabei die Schließung mehrerer Werke vorgesehen.
Während der Mutterkonzern Thyssenkrupp, Deutschlands größter Stahlhersteller, weltweit tätig ist, fokussiert sich die Werkstofftochter Schulte hauptsächlich auf den deutschen Markt. An über 40 Standorten in der Bundesrepublik sind derzeit 2.300 Mitarbeiter tätig, von diesen sollen nach Angaben des Unternehmens aber mehrere geschlossen werden. „Im Zuge des Umbaus sind Stellenstreichungen und die Schließung mehrerer Standorte unvermeidlich“, hieß es der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge am Mittwoch in Essen. Thyssenkrupp selbst hat jüngst den Abbau von tausenden Stellen angekündigt.
Thyssenkrupp Schulte kündigt Abbau von 450 Arbeitsplätzen und Werkschließungen an
Im Gegensatz zum stahlherstellenden Mutterkonzern ist Thyssenkrupp Schulte ein produzentenunabhängiger Händler mit einem deutschlandweiten Netzverbund, der nach eigenen Angaben rund 70.000 Kunden aus den Bereichen Industrie, Maschinenbau, Handwerk und Bauwirtschaft bedient. Die nun verkündeten Maßnahmen sollen das Geschäftsmodell noch deutlicher auf die Kundenbedürfnisse ausrichten. Deshalb seien grundlegende strukturelle Anpassungen erforderlich, erklärte das Essener Unternehmen. Von den mehr als 40 Standorten von Thyssenkrupp Schulte befinden sich mehrere in Baden-Württemberg, die demnach im schlimmsten Fall von den Schließungsplänen des Konzerns betroffen sein könnten:
| Standort | Adresse |
|---|---|
| Thyssenkrupp Schulte GmbH, Fellbach | Sailerstraße 38, Fellbach, Rems-Murr-Kreis |
| Thyssenkrupp Schulte GmbH, Freiburg | Auerstraße 3, Freiburg im Breisgau |
| Thyssenkrupp Schulte GmbH, Heilbronn | Benzstraße 2, Heilbronn |
| Thyssenkrupp Schulte GmbH, Mannheim | Dortmunder Straße 2, Mannheim |
| Thyssenkrupp Schulte GmbH, Weingarten | Weltestraße 8, Weingarten, Kreis Ravensburg |
| Sägezentrum Mannheim | Dortmunder Straße 2, Mannheim |
| Zweigniederlassung Das Armaturenzentrum Standort Fellbach | Sailerstraße 38, Fellbach |
| Zweigniederlassung Eisenmetall Standort Stuttgart | Am Ostkai 15-17, Stuttgart |
(Quelle: thyssenkrupp-schulte.de/unternehmen/standorte)
Welche Standorte von Thyssenkrupp Schulte konkret von den Schließungsabsichten betroffen sein werden und wo die angekündigten rund 450 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, steht bislang noch nicht fest. Das Unternehmen kündigte jedoch an, die Maßnahmen möglichst sozialverträglich gestalten und den Umbau bis Ende September 2025 abschließen zu wollen. Zum Jahreswechsel 2022/2023 hatte auch der Aufzughersteller TK Elevator am Standort im Kreis Esslingen einen Stellenabbau vollzogen. Das Unternehmen gehört seit Februar 2020 aber nicht mehr zum Thyssenkrupp-Konzern.
Thyssenkrupp-Tochter will mit Umbau Dienstleistungsgeschäft stärken
Aktuell haben viele Unternehmen mit einer nachlassenden Kundennachfrage zu kämpfen, bei Thyssenkrupp Schulte kommt zusätzlich noch ein weiteres Element hinzu. „Während die Nachfrage nach reinen Werkstoffen seit Jahren rückläufig ist, setzt sich ein anderer Trend fort: die steigende Kundennachfrage nach werkstoffnahen Dienstleistungen“, hieß es. Dieser Trend, den man in Deutschland bemerkt habe, mache die angekündigte Transformation notwendig. „Damit will sich das Unternehmen auf die Stärkung und den Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts fokussieren.“ Für Details zu den Umbaumaßnahmen wolle man in Kürze Gespräche mit den zuständigen Mitbestimmungsgremien aufnehmen.
BW24 hatte zuletzt auch darüber berichtet, dass der finnische Stahlkonzern Outokumpu seinen Standort in Baden-Württemberg endgültig schließen wird.
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