Kampagne für Vielfalt

AfD-Höcke wünscht Familienunternehmen aus Baden-Württemberg „schwere wirtschaftliche Turbulenzen“

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In der Vergangenheit haben sich bereits mehrere Unternehmen aus Baden-Württemberg gegen die AfD positioniert. Björn Höcke griff eines davon nun direkt an.

Waiblingen - Dass Politik und Wirtschaft nicht voneinander zu trennen sind, zeigt sich unter anderem bei den öffentlichen Positionierungen von einflussreichen Unternehmen. Mercedes-Chef Ola Källenius hatte die Belegschaft des Stuttgarter Weltkonzerns vor der Europawahl dazu aufgerufen, gegen Extremismus zu stimmen und Unternehmer Reinhold Würth sprach sich bereits mehrfach deutlich gegen die Alternative für Deutschland (AfD) aus. Der thüringische Spitzenkandidat der AfD für die bevorstehende Wahl, Björn Höcke, griff ein bekanntes Familienunternehmen aus Baden-Württemberg nun direkt an.

Unter dem Motto „Made in Germany – Made by Vielfalt“ haben sich bereits vor einigen Jahren 50 deutsche Familienunternehmen zusammengeschlossen, um gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen. Nach Anfeindungen wächst die Initiative derzeit immer weiter an und umfasst inzwischen bereits rund 80 Unternehmen. Björn Höcke hatte die Kampagne am Samstag (24. August) bei einer Wahlkampfveranstaltung als „pure Heuchelei“ bezeichnet und unter anderem das Waiblinger Traditionsunternehmen Stihl direkt angegriffen.

Björn Höcke fühlt sich von Kampagne für Vielfalt angegriffen und schießt unter anderem gegen Stihl

Unter den an der Kampagne teilnehmenden Familienunternehmen sind eine ganze Reihe an Firmen aus Baden-Württemberg, die sich bereits mehrfach gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Strömungen stark gemacht haben. Dazu gehören beispielsweise der Stuttgarter Kabelkonzern Lapp und das Burladinger Textilunternehmen Trigema. Obwohl sich die Kampagne zwar nicht direkt auf die AfD bezieht, hatte Höcke am Samstag in Sömmerda gesagt, er wünsche den Unternehmen „schwere, schwere wirtschaftliche Turbulenzen“ und empfehle ihnen, „einfach mal die Klappe zu halten, wenn es um Politik geht.“

Später konkretisierte der öffentlich rechtsextreme Politiker, dass er damit die Gründungsunternehmen der Kampagne – den Haushaltsgerätehersteller Miele, den Elektronikkonzern Vorwerk sowie den Motorsägen-Weltmarktführer Stihl – gemeint habe. Bei der Wahlkampfveranstaltung hatte Höcke mit einem Beispiel direkt auf Stihl verwiesen. „Ich habe vor kurzem noch eine Kettensäge von Stihl gekauft“, erklärte er. „Das würde ich heute nicht mehr tun.“ Das Waiblinger Traditionsunternehmen ist allerdings nicht nur Gründungsmitglied der Kampagne, sondern hat sich in der Vergangenheit auch deutlich gegen die AfD positioniert.

Bei einer Wahlveranstaltung hatte Björn Höcke unter anderem gegen das Waiblinger Traditionsunternehmen Stihl gewettert.

Aussagen von AfD-Politiker werden Kampagne gegen Fremdenfeindlichkeit eher noch anfeuern

Stihl und die anderen Familienunternehmen werden sich von den Anfeindungen Höckes aber wohl eher noch bestärken lassen. Auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung (StZ) erklärten die Waiblinger erneut, dass man „jegliche Formen von politischem Extremismus, Rassismus und Antisemitismus“ aufs Schärfte verurteile. Zudem begrüße Stihl ausdrücklich, „dass sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger sowie Organisationen gegen diese Form der Politik und Demagogie aussprechen“. Im vergangenen Jahr hatte auch Daimler Truck-Chef Martin Daum vor einem „Aufschwung des Nationalismus“ und den Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft gewarnt.

Rubriklistenbild: © Hannes P Albert/dpa

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