Kliniken Ostalb

Warum die Virngrundklinik ein Minus erwirtschaftet

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Berthold Vaas blickt auf veränderte Kostenstrukturen, Krankheitsausfälle und dringend nötige technische Ausstattung und sagt, wie es auch anders laufen könnte.

Ellwangen. In der Debatte um die Zukunft der Kliniken Ostalb veröffentlichte das Landratsamt die Verteilung der Defizite. In Summe geht man mittlerweile davon aus, dass der Betrieb der Kliniken Ostalb 2024 rund 60 Mio Euro Defizit macht. Für die St.-Anna-Virngrundklinik wird ein Minus von knapp 15 Mio Euro errechnet. Die Zahlen, die nicht weiter aufgeschlüsselt wurde, hat in Ellwangen viele überrascht.

Rudolf Wiedmann (CDU) zweifelte sie im Gemeinderat offen an und verwies darauf, dass die Virngrundklinik bis zur Fusion 2018 stets schwarze Zahlen geschrieben habe. Dass daraus in vier Jahren ein fettes Minus wird, erschien ihm äußerst dubios.

Berthold Vaas.

Auch Berthold Vaas, letzter kaufmännischer Standortleiter in Ellwangen, kann sich das Defizit in der genannten Höhe auch nicht erklären. „Ein Defizit hat viele Ursachen und ist auch den Kostenmechanismen geschuldet wie Gehaltstarifsteigerung, notwendige Personalsteigerung wegen neuer Arbeitszeitvorgaben, fehlender Inflationsausgleich, keine Anpassung der Pauschalentgelte.“ 

Für das Defizit in Ellwangen spielten folgende Gründe eine wichtige Rolle, denen man frühzeitig hätte begegnen können: Ein starker Rückgang bei den Geburten in Ellwangen.

Die Behandlung„ambulant vor stationär“: durch Vorgaben eines ambulanten Kataloges mussten stationäre Eingriffe in ambulante Operationen umgewandelt werden, das heißt, dass die operative Behandlung zwar die gleiche bleibt, jedoch der Patient nach der OP nicht mehr in der Klinik bleiben darf.

Die technische Ausstattung: Das ständige „hin und her“ bezüglich der Beschaffung eines Operationsroboters für die Urologie habe zu Abwanderungen von Patienten in andere Kliniken geführt. Bis heute hat Ellwangen keinen Operationsroboter.

Chefarzt Innere: Das Ausscheiden beziehungsweise die Kündigung des Chefarztes der Inneren Abteilung führte zu Einschränkungen im gastroenterologischen Fachgebiet. Erst jetzt wurde Stelle mit Dr. Heiko Bablich neu besetzt.

Vaas ging nach dem Kreistagsbeschluss im Juli 2023 davon aus, dass in der Übergangsphase bis zur Inbetriebnahme des Regionalversorgers in Essingen, die Ausstattung am Virngrundklinikum genutzt wird, um diese Phase ökonomisch gut zu überstehen und den Versorgungsauftrag auch des Virngrunds zu berücksichtigen. „Die St.Anna-Virngrund-Klinik könnte in der Übergangsphase gut unterstützen, ohne hohe zusätzliche Investitionen. Wenn sich schon Engpässe im Operationsbetrieb in Aalen abzeichnen, könnten OP’s auch nach Ellwangen verlagert werden. (z.B. Endoprothetik). An der St. Anna-Virngrund-Klinik werden noch mit die meisten Endoprothesen an Knie und Hüfte in der Region operiert. Ellwangen ist zertifiziertes Endoprothetikzentrum, Aalen hingegen nicht.“

Vaas sieht durchaus noch Gestaltungsspielräume bis das Regionalkrankenhaus gebaut ist, auch in der Zusammenarbeit mit den äußerst erfolgreich operierenden Ärzten der Kooperationspraxen. Dass der Landkreis stattdessen die Virngrundklinik um die operierenden Einheiten beschneiden, Intensivbetten abbauen und die zentrale Notaufnahme 24/7 durch eine Notfallpraxis ersetzen will, beeinträchtige die gesundheitliche Versorgung des Virngrunds massiv und gleiche den hohen Defizitbetrag in den nächsten Jahren nicht annähernd aus.

Weitere Artikel dazu finden Sie auf unserer Themenseite Kliniken Ostalb. 

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