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Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen hat eine Vereinbarung für seinen Stammsitz getroffen, die besondere Auswirkungen auf die Belegschaft hat.
Friedrichshafen - Die Verhandlungen um sogenannte Zielbilder für den Hauptsitz der ZF in Friedrichshafen waren im April 2023 ins Stocken geraten, weswegen es bislang keine Jobgarantie für einen großen Teil der Belegschaft gab. In einer aktuellen Pressemitteilung vom 11. Juni 2024 erklärt der Konzern aber, nun ein konkretes Zielbild für die Zentralbereiche sowie die Forschung und Entwicklung in der Zeppelinstadt am Bodensee vereinbart zu haben. Diese Vereinbarung hat Auswirkungen auf tausende Mitarbeiter des Technologiekonzerns aus Baden-Württemberg.
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Die mit den Arbeitnehmervertretern geschlossene Vereinbarung der ZF Friedrichshafen betrifft konkret die Konzernzentrale mit den Zentralfunktionen sowie den Forschungs- und Entwicklungsbereichen (Betrieb Z) und die ebenfalls in Friedrichshafen angesiedelten Geschäftsbereich Mobility Solutions. In Friedrichshafen arbeiten nach Angaben des Konzerns rund 10.300 Menschen für ZF, 4.900 davon bei Betrieb Z und Mobility Solutions. ZF hatte sich bereits zum Hauptsitz bekannt, bislang aber ohne Jobgarantie.
ZF Friedrichshafen gibt 4.900 Angestellten am Stammsitz Beschäftigungsgarantie
Die Einigung hat den Hintergedanken, die genannten Bereiche des schwäbischen Weltkonzerns zu stärken und dauerhaft zu sichern. „Der tiefgreifende Wandel unserer Branche erfordert die Bereitschaft und den Mut zur Veränderung“, erklärt ZF-Personalchefin Lea Corzilius. „Mit der neuen Vereinbarung haben wir gemeinsam Voraussetzungen geschaffen, um mehr Wirtschaftlichkeit und Flexibilität zu erhalten, den Standort weiterzuentwickeln und ihn an aktuelle Entwicklungen anzupassen.“ Für die Mitarbeiter bedeutet die Vereinbarung konkret, dass betriebsbedingte Kündigungen bis zum 30. Juni 2028 ausgeschlossen sind, was de facto eine Beschäftigungsgarantie für die 4.900 Angestellten der ZF bedeutet.
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Für die anderen Bereiche am Standort Friedrichshafen, die Divisionen Commercial Vehicle Solutions, Industrietechnik und ZF Aftermarket (Betrieb N) wurde bereits im November 2023 ein Zielbild vereinbart. In der aktuellen Mitteilung betont der Konzern auch, dass künftige Schwankungen beim Personalbedarf über interne Lösungen abgedeckt werden sollen. Das Zielbild sieht konkret die Etablierung einer sogenannten Personaldrehscheibe vor, mit der auf Änderungen im Bedarf reagiert werden soll. Zudem soll den Mitarbeitern über Weiterqualifizierungen der Umstieg in andere Positionen erleichtert werden. Die ZF hatte bereits 2022 eine Qualifizierungsoffensive für die Transformation gestartet.
Proteste gegen Stellenabbau und Werkschließung bei ZF haben Verhandlung wieder ins Rollen gebracht
Dass die Verhandlungen für ein Zielbild für den Betrieb Z der ZF Friedrichshafen wieder aufgenommen wurden, ist dem Konzern zufolge unter anderem der Kundgebung vom Januar zu verdanken, bei der tausende ZF-Mitarbeiter verschiedener Standorte vor die Konzernzentrale zogen. „Die Verhandlungen haben lange gedauert, aber wir haben nicht lockergelassen“, erläuterte Z-Betriebsratschef Franz-Josef Müller. „Die Beschäftigungssicherung bis Mitte 2028 gibt den Kolleginnen und Kollegen Sicherheit – das war uns immens wichtig.“ Gerade jetzt brauche der Konzern die Innovationskraft, die Friedrichshafen schon immer stark gemacht habe.
Beim inzwischen zweitgrößten deutschen Autozulieferer ist aktuell einiges im Umbruch. Aufgrund von hohen Schulden hat ZF angekündigt, in den kommenden zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen zu wollen und prüft zudem den Verkauf ganzer Geschäftssparten. Für 4.000 Mitarbeiter einer ZF-Sparte gab es jüngst Grund zum Aufatmen; für Unmut in der Belegschaft sorgte in den vergangenen Monaten aber auch die Schließung zweier Standorte in Nordrhein-Westfalen. Das Werk in Gelsenkirchen soll Ende des Jahres, der Standort Eitorf spätestens Ende 2027 geschlossen werden.
Rubriklistenbild: © Felix Kaestle/ZF Friedrichshafen AG


