Protest zeigte Wirkung

ZF schließt Vereinbarung – Auswirkung auf 4.900 Mitarbeiter am Stammsitz

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Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen hat eine Vereinbarung für seinen Stammsitz getroffen, die besondere Auswirkungen auf die Belegschaft hat.

Friedrichshafen - Die Verhandlungen um sogenannte Zielbilder für den Hauptsitz der ZF in Friedrichshafen waren im April 2023 ins Stocken geraten, weswegen es bislang keine Jobgarantie für einen großen Teil der Belegschaft gab. In einer aktuellen Pressemitteilung vom 11. Juni 2024 erklärt der Konzern aber, nun ein konkretes Zielbild für die Zentralbereiche sowie die Forschung und Entwicklung in der Zeppelinstadt am Bodensee vereinbart zu haben. Diese Vereinbarung hat Auswirkungen auf tausende Mitarbeiter des Technologiekonzerns aus Baden-Württemberg.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Die mit den Arbeitnehmervertretern geschlossene Vereinbarung der ZF Friedrichshafen betrifft konkret die Konzernzentrale mit den Zentralfunktionen sowie den Forschungs- und Entwicklungsbereichen (Betrieb Z) und die ebenfalls in Friedrichshafen angesiedelten Geschäftsbereich Mobility Solutions. In Friedrichshafen arbeiten nach Angaben des Konzerns rund 10.300 Menschen für ZF, 4.900 davon bei Betrieb Z und Mobility Solutions. ZF hatte sich bereits zum Hauptsitz bekannt, bislang aber ohne Jobgarantie.

ZF Friedrichshafen gibt 4.900 Angestellten am Stammsitz Beschäftigungsgarantie

Die Einigung hat den Hintergedanken, die genannten Bereiche des schwäbischen Weltkonzerns zu stärken und dauerhaft zu sichern. „Der tiefgreifende Wandel unserer Branche erfordert die Bereitschaft und den Mut zur Veränderung“, erklärt ZF-Personalchefin Lea Corzilius. „Mit der neuen Vereinbarung haben wir gemeinsam Voraussetzungen geschaffen, um mehr Wirtschaftlichkeit und Flexibilität zu erhalten, den Standort weiterzuentwickeln und ihn an aktuelle Entwicklungen anzupassen.“ Für die Mitarbeiter bedeutet die Vereinbarung konkret, dass betriebsbedingte Kündigungen bis zum 30. Juni 2028 ausgeschlossen sind, was de facto eine Beschäftigungsgarantie für die 4.900 Angestellten der ZF bedeutet.

Mit der aktuellen Einigung gibt es nun Zielbilder für die Betriebe N und Z am Stammsitz der ZF in Friedrichshafen.
Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr 1915
Hauptsitz Friedrichshafen, Baden-Württemberg
Branche Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme
Geschäftsbereiche Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl 168.738 (Stand: 2023)
Produktionsstandorte 168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte 19 in neun Ländern
Umsatz 46,6 Milliarden Euro (2023)
Geschäftsführung Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Für die anderen Bereiche am Standort Friedrichshafen, die Divisionen Commercial Vehicle Solutions, Industrietechnik und ZF Aftermarket (Betrieb N) wurde bereits im November 2023 ein Zielbild vereinbart. In der aktuellen Mitteilung betont der Konzern auch, dass künftige Schwankungen beim Personalbedarf über interne Lösungen abgedeckt werden sollen. Das Zielbild sieht konkret die Etablierung einer sogenannten Personaldrehscheibe vor, mit der auf Änderungen im Bedarf reagiert werden soll. Zudem soll den Mitarbeitern über Weiterqualifizierungen der Umstieg in andere Positionen erleichtert werden. Die ZF hatte bereits 2022 eine Qualifizierungsoffensive für die Transformation gestartet.

Proteste gegen Stellenabbau und Werkschließung bei ZF haben Verhandlung wieder ins Rollen gebracht

Dass die Verhandlungen für ein Zielbild für den Betrieb Z der ZF Friedrichshafen wieder aufgenommen wurden, ist dem Konzern zufolge unter anderem der Kundgebung vom Januar zu verdanken, bei der tausende ZF-Mitarbeiter verschiedener Standorte vor die Konzernzentrale zogen. „Die Verhandlungen haben lange gedauert, aber wir haben nicht lockergelassen“, erläuterte Z-Betriebsratschef Franz-Josef Müller. „Die Beschäftigungssicherung bis Mitte 2028 gibt den Kolleginnen und Kollegen Sicherheit – das war uns immens wichtig.“ Gerade jetzt brauche der Konzern die Innovationskraft, die Friedrichshafen schon immer stark gemacht habe.

Am Hauptsitz der ZF Friedrichshafen in Friedrichshafen sind betriebsbedingte Kündigungen bis Mitte 2028 ausgeschlossen.

Beim inzwischen zweitgrößten deutschen Autozulieferer ist aktuell einiges im Umbruch. Aufgrund von hohen Schulden hat ZF angekündigt, in den kommenden zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen zu wollen und prüft zudem den Verkauf ganzer Geschäftssparten. Für 4.000 Mitarbeiter einer ZF-Sparte gab es jüngst Grund zum Aufatmen; für Unmut in der Belegschaft sorgte in den vergangenen Monaten aber auch die Schließung zweier Standorte in Nordrhein-Westfalen. Das Werk in Gelsenkirchen soll Ende des Jahres, der Standort Eitorf spätestens Ende 2027 geschlossen werden.

Rubriklistenbild: © Felix Kaestle/ZF Friedrichshafen AG

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