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Der Stahlkonzern Outokumpu schließt seinen Standort in Baden-Württemberg Ende Juni. BW24 erklärt, welche Möglichkeiten die Mitarbeiter nun haben.
Hockenheim - Endes des vergangenen Jahres hatte der finnische Stahlkonzern Outokumpu angekündigt, seinen Standort im baden-württembergischen Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis) schließen zu wollen. Als Grund für die Entscheidung gab das Unternehmen mit Hauptsitz in Helsinki, zu dem seit 2012 auch der Edelstahlhersteller Nirosta mit Sitz im deutschen Krefeld (Nordrhein-Westfalen) gehört, die „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Marktführerschaft bei modernen Werkstoffen“ an. IG Metall und Betriebsrat hatten ein Alternativkonzept zu den Schließungsplänen vorgelegt, das der Konzern aber Anfang März ablehnte.
Der finnische Industriekonzern hält demnach an der Schließung des Werks in Hockenheim fest. „Insgesamt beseitigen die Vorschläge damit nicht das Risiko von weiteren, womöglich tiefgreifenderen Restrukturierungen in der Zukunft“, hieß es in einem Statement des Unternehmens. „Outokumpu verfolgt weiterhin das Ziel, die angekündigten Restrukturierungspläne zügig umzusetzen.“ Die IG Metall Mannheim bezeichnet die Entscheidung in einer aktuellen Mitteilung als „bitter“, hat für die verbleibenden Mitarbeiter in Hockenheim aber nicht ausschließlich negative Nachrichten.
Outokumpu-Werk in Hockenheim wird Ende Juni geschlossen – diese Möglichkeiten haben die Mitarbeiter
Die endgültige Entscheidung von Outokumpu, das Werk im Hockenheimer Industriegebiet Ende Juni dieses Jahres zu schließen, bedeutet demnach zunächst, dass die verbleibenden 50 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Wie die IG Metall Geschäftsstelle Mannheim mitteilt, konnten in Verhandlungen zwischen dem finnischen Industriekonzern und den Arbeitnehmervertretern aber zumindest Eckpunkte für einen Sozialplan ausgehandelt werden, der den Mitarbeitern gewisse Perspektiven bietet. Auch für das ZF-Werk in Gelsenkirchen, das geschlossen wird, konnten Möglichkeiten für die Mitarbeiter ausgehandelt werden.
Folgende Möglichkeiten gibt es für die Mitarbeiter des Stahlservice-Centers von Outokumpu in Hockenheim:
- Wechsel an einen anderen Standort innerhalb des Konzerns
- Wechsel in eine Transfergesellschaft
- Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes
- Ausstiegsmöglichkeiten für ältere Beschäftigte
- Abfindungszahlungen
Die ausgehandelten Möglichkeiten wurden der Mitteilung zufolge am Mittwoch (17. April) der Belegschaft in Hockenheim vorgestellt. Neben dem Standort im nordwestlichen Baden-Württemberg sind das Outokumpu-Werk in Schalksmühle-Dahlerbrück (Nordrhein-Westfalen) sowie Teile der Belegschaft am Standort im hessischen Dillenburg von den Sparmaßnahmen betroffen. Zum 30. Juni 2024 soll im Übrigen auch das Magna-Werk im baden-württembergischen Tuttlingen geschlossen werden. Im Falle des Outokumpu-Standorts in Hockenheim hatten die Arbeitnehmervertreter bislang aber noch Hoffnungen.
„Betrübt“ und „traurig“: IG Metall konnte Schließung des Standorts nicht verhindern
„Wir sind sehr betrübt über die Entscheidung, den Standort Hockenheim zu schließen“, erklärt Thomas Hahl, Geschäftsführer der IG Metall Mannheim. „Es ist leider nicht gelungen, mit dem sehr guten und fundierten Alternativkonzept die Arbeitgeberseite zu überzeugen.“ Das deutsche Betriebsverfassungsgesetz sehe aber keine Möglichkeit vor, wie eine solche Entscheidung seitens des Unternehmens noch verhindert werden könnte. „Der Verlust der Arbeitsplätze und des industriellen Know-hows im Rhein-Neckar-Kreis ist bitter“, so Hahl. Die Vereinbarungen für einen Sozialplan seien aber zu begrüßen.
„Die Vereinbarungen zeigen das Bemühen und die Kraftanstrengung von beiden Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die Standortschließung in der aktuellen Situation so verträglich und sozial wie möglich zu gestalten“, erklärte der Geschäftsführer der IG Metall Mannheim. Der Gewerkschaftssekretär Benedikt Hummel gab aber zu bedenken, dass die Vereinbarung kein Ersatz für einen tariflich abgesicherten Arbeitsplatz darstellen würde. „Dass hier im Juli die Lichter ausgehen, ist und bleibt eine traurige Entscheidung.“ Durch die Einigung gibt es für die Mitarbeiter aber immerhin gewisse Zukunftsperspektiven.
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