Nicht selbstverschuldet

Weiteres Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg meldet Insolvenz an

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Ein weiteres traditionsreiches Unternehmen aus dem Schwarzwald hat Insolvenz angemeldet. Die Gehälter der Mitarbeiter sind für drei Monate gedeckt.

Blumberg - Ein Experte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatte bereits zu Jahresbeginn eine große Zahl an Unternehmensinsolvenzen im Südwesten prognostiziert. Diese Befürchtung scheint sich zu bewahrheiten; mit der REWA TimeCheck GmbH aus Blumberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) ist ein weiteres traditionsreiches Unternehmen aus Baden-Württemberg in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Wie aus einer Mitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters hervorgeht, hat der Uhren- und Schmuckspezialist aus dem Schwarzwald in der letzten Februarwoche beim Amtsgericht in Villingen-Schwenningen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt

Die REWA TimeCheck GmbH gehört zur REWA-Unternehmensgruppe, die nicht mit der gleichnamigen REWA Gruppe aus Gladbeck zu verwechseln ist, die im Bereich Entwässerungstechnik tätig ist. Das Unternehmen aus dem Schwarzwald geht auf das Jahr 1932 zurück und hat sich auf die Reparatur und die Pflege von Uhren und Schmuck spezialisiert und stellt inzwischen auch selbst Schmuck und Uhren her. Die Krise, die letztendlich zur Insolvenz führte, ist offenbar nicht selbstgemacht. Kürzlich hatte auch ein anderes Traditionsunternehmen aus dem Schwarzwald Insolvenz angemeldet.

Ein auf die Reparatur und die Pflege von Uhren und Schmuck spezialisiertes Unternehmen hat Insolvenz angemeldet (Symbolfoto).

Schieflage bei Uhrenspezialist aus dem Schwarzwald liegt offenbar auch an der Galeria-Insolvenz

Wie aus der Mitteilung hervorgeht, hat das Amtsgericht Villingen-Schwenningen den Insolvenzexperten Thorben Schmidt von der Stuttgarter Anwaltskanzlei Winkler & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter für REWA berufen. Dieser hat nach eigenen Angaben bereits begonnen, sich vor Ort einen Überblick über die finanzielle Lage des Unternehmens zu machen. „Wir werden jetzt alle notwendigen Schritte unternehmen, den Geschäftsbetrieb zusammen mit der Geschäftsleitung um den Geschäftsführer Michael Westphal zu stabilisieren und fortzuführen“, erklärt er. Die Mitarbeiter wurden bereits über die Situation und darüber informiert, dass ihre Gehälter für drei Monate vom Insolvenzgeld gedeckt sind.

Anhand der jüngsten Einträge auf der Unternehmensseite der REWA-Gruppe, die ihre zentrale Verwaltung im idyllischen Blumberg hat, ist zu sehen, dass das Unternehmen bereits seit einiger Zeit zu kämpfen hat. Grund dafür ist unter anderem auch die Signa-Insolvenz, in deren Zug deutschlandweit – auch in Baden-Württemberg – viele Filialen des Kaufhausriesen Galeria Kaufhof schließen mussten. REWA hatte zuvor In-Store-Filialen in den Kaufhäusern betrieben, aus denen das Unternehmen Mitte Februar deutschlandweit auszog. In diesem Zuge musste der Uhrenspezialist allerdings einige Filialen dauerhaft schließen, darunter auch im baden-württembergischen Lörrach und im französischen Mülhausen.

REWA meldet vorläufig Insolvenz an - deutschlandweit rund 70 Mitarbeiter betroffen

Die REWA-Gruppe beschäftigt nach den Angaben auf der Unternehmensseite mehr als 125 Mitarbeiter, von der Insolvenz betroffen ist allerdings die zentrale Gesellschaft REWA TimeCheck GmbH; bei der laut Mitteilung 67 Angestellte beschäftigt sind. Insolvenzverwalter Thorben Schmidt betont das Ziel, „im Sinne von Belegschaft, Kunden, Lieferanten und Gläubigern“ eine tragfähige Lösung zu finden, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. In den kommenden Wochen will er Gespräche mit allen wesentlichen Verfahrensbeteiligten aufnehmen. Der Geschäftsbetrieb soll derweil weiterlaufen.

Der Uhrenspezialist REWA mit Sitz im idyllischen Blumberg im Schwarzwald hat einen Antrag auf Insolvenz gestellt.

Eine Insolvenzanmeldung, die in den ersten drei Monaten üblicherweise als vorläufiges Verfahren genehmigt wird, ist für die Unternehmen im besten Fall eine Möglichkeit, um aus einer schwierigen finanziellen Lage herauszukommen. Ein Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg hatte jüngst entschieden, den Mitarbeitern den langwierigen und unsicheren Prozess zu ersparen und den Betrieb nach 133 Jahren vollständig einzustellen. In den vergangenen Monaten wurden allerdings auch mehrere Unternehmen im Südwesten durch Investoren aus der Zahlungsunfähigkeit gerettet.

Rubriklistenbild: © IMAGO / allOver-MEV

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