Düstere Prognose

LBBW-Experte erwartet 2024 mehr Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg

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Die Inflation und hohe Energiepreise haben bereits 2023 viele Unternehmen in Baden-Württemberg in die Knie gezwungen. Ein Experte erwartet im aktuellen Jahr keine Besserung.

Stuttgart - Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hatte im vergangenen Jahr mit hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal zu kämpfen, die einige Unternehmen in die Knie gezwungen haben. Das Statistische Landesamt meldete bereits im ersten Halbjahr über 900 Unternehmensinsolvenzen, einschließlich des Monats Juli waren mehr als 8.000 Mitarbeiter von der Zahlungsunfähigkeit ihrer Unternehmen betroffen. Die Inflation in Deutschland hat sich inzwischen zwar etwas abgeschwächt, die Herausforderungen für die Wirtschaft bleiben aber hoch.

Der IHK-Präsident in Reutlingen erklärte etwa, dass der große Stellenabbau in Baden-Württemberg erst noch bevorstehe. LBBW Research, das sich als „Denkfabrik“ der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bezeichnet und sich zur Aufgabe gemacht hat, auf die Entwicklungen wichtiger Volkswirtschaften, internationaler Finanzmärkte und aktuelle Branchentrends zu schauen, zeichnet auch ein eher düsteres Bild für die Wirtschaft in Baden-Württemberg und ganz Deutschland im Jahr 2024.

Analysten der LBBW zeichnen ein eher düsteres Bild für die Wirtschaft in Baden-Württemberg im Jahr 2024. (Symbolfoto)

Unternehmen in Baden-Württemberg werden laut Prognose unter Konjunkturschwäche leiden

Bei den vielen Unternehmensinsolvenzen in Baden-Württemberg im Jahr 2023 gab es sowohl positive als auch negative Entwicklungen. Das Pforzheimer Traditionsversandhaus Klingel musste den Geschäftsbetrieb beispielsweise ganz einstellen. Der bekannte Felgenhersteller BBS wurde durch einen Investor dagegen aus der Insolvenz gerettet. Nach Einschätzung des LBBW Research wird die weltweite Konjunkturschwäche den exportorientierten Unternehmen in Baden-Württemberg 2024 aber erneut „überdurchschnittlich stark zu schaffen machen“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Baden-Württemberg gilt mit mehreren Weltkonzernen und zahlreichen starken Mittelständlern als eine der wirtschaftsstärksten Regionen Europas. Mit einem Rückgang um 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts trug der Südwesten im vergangenen Jahr aber die sogenannte Rote Laterne. Laut Analysten kann er diese mit einer Steigerung um 0,1 Prozent in 2024 jedoch wieder abgeben. Positive Signale für das Jahr bedeutet das aber dennoch nicht. „Deutschland und Baden-Württemberg befinden sich 2024 in einer Stagnationsphase, die sich bei einer mangelhaften Standortpolitik in eine Dauerstagnation wandeln könnte“, sagt LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer.

LBBW-Chefvolkswirt erwartet deutliche Auswirkung „auf die Zahl der Unternehmensinsolvenzen“

Laut LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer wird sich die Wirtschaftslage „auch deutlich auf die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Südwesten auswirken“.

Laut dem Experten werde sich die weiterhin schwierige Wirtschaftslage im Jahresverlauf „auch deutlich auf die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Südwesten auswirken“, wie es in der Mitteilung heißt. „Wir brauchen in Baden-Württemberg und ganz Deutschland massive Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung und die Transformation der Wirtschaft“, so Kraemer. Als größte Probleme identifiziert er die überbordende Bürokratie, den Fachkräftemangel sowie ungünstige Entscheidungen in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Gesamtmetall-Chef Stefan Wolf rechnet für 2024 mit weiterem Stellenabbau und Auslandsverlagerungen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/onemorepicture/Thorsten Wagner

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