VonJulian Baumannschließen
Die ZF hat die Kurzarbeit für rund 1.500 Mitarbeiter am Stammsitz in Friedrichshafen vorübergehend ausgesetzt, hält sich aufgrund der weiterhin starken Schwankungen aber eine Rückkehr offen.
Update vom 11. September, 15:10 Uhr: Aufgrund von deutlich reduzierten Abrufzahlen in der Produktion der Traxon-Getriebe für Kran- und Sonderfahrzeuge hatte der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen Ende Juni rund 1.500 Mitarbeiter am Stammsitz in Kurzarbeit geschickt. Wie ein ZF-Sprecher nun auf BW24-Anfrage mitteilte, wurde die Maßnahme im September „vorübergehend“ ausgesetzt. „Die Produktabrufe unserer Kunden zeigen weiterhin starke Schwankungen bei den georderten Volumina“, führte er aus. „Insofern ist es ungewiss und von den Kundenbestellungen abhängig, ob in den kommenden Monaten erneut Kurzarbeit benötigt wird.“ Der Konzern werde die Marktentwicklung genau beobachten und entsprechend handeln.
ZF Friedrichshafen schickt 1.500 Mitarbeiter am Stammsitz in Kurzarbeit
Erstmeldung vom 21. Juni: Friedrichshafen - Erst vor wenigen Tagen hatte der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen für den Betrieb Z eine Einigung erzielt, die Auswirkungen auf rund 4.900 Mitarbeiter in der Bodenseestadt hat. Damit gibt es sowohl für den Betrieb N, der die Divisionen Commercial Vehicle Solutions, Industrietechnik und ZF Aftermarket umfasst, als auch für den Betrieb Z (Konzernzentrale mit den Zentralfunktionen sowie den Forschungs- und Entwicklungsbereichen) ein sogenanntes Zielbild. Am Stammsitz des zweitgrößten deutschen Automobilzulieferers scheint aber dennoch keine Ruhe einzukehren.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




Wie die ZF Friedrichshafen am 20. Juni in einer Pressemitteilung schrieb, gibt es bei der Produktion der Traxon-Getriebe für Kran- und Sonderfahrzeuge bereits seit Ende Mai deutlich reduzierte Abrufzahlen. Nachdem bereits Maßnahmen wie der Abbau von Arbeitszeitkonten oder eine Reduzierung der Ferienkräfte zur Debatte gestanden waren, haben sich Betriebsrat und Konzern auf Kurzarbeit für rund 1.500 Mitarbeiter über die Sommermonate geeinigt. Auch EBM-Papst kämpft mit Kurzarbeit gegen die Konjunkturschwäche.
ZF Friedrichshafen schickt rund 1.500 Mitarbeiter ab Juli in Kurzarbeit – 4-Tage-Woche
Laut der Konzernmitteilung geht die ZF derzeit nicht von einem langanhaltenden Problem bei der Traxon-Produktion aus. „Wir gehen weiter davon aus, dass wir nach überstandener Markteintrübung auch in unserem Erfolgsprodukt TraXon wieder an die positiven Verkaufszahlen der vergangenen Jahre anknüpfen können“, erklärte Jochen Witzig, Standortleiter für den Produktionsstandort (Betrieb N) in Friedrichshafen. „Aktuell zeigt die Nachfrage ein Sommerloch – der September sieht schon wieder besser aus, mit Kundenaufträgen nur noch knapp unter der Normalauslastung unserer TraXon-Produktlinie.“
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 168.738 (Stand: 2023) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 46,6 Milliarden Euro (2023) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Einen konkreten Starttermin für die Kurzarbeit nennt der schwäbische Weltkonzern in der Mitteilung selbst nicht; nach Angaben der Schwäbischen Zeitung wird die Maßnahme für die rund 1.500 Mitarbeiter aber ab dem 1. Juli umgesetzt werden. In den Sommermonaten soll die Arbeitszeit konkret um 20 Prozent reduziert werden, was demnach Arbeit an vier von fünf Wochentagen bedeutet. Dementsprechend reduziert sich auch das Gehalt, das durch das Kurzarbeitergeld aufgestockt wird. Die betroffenen Angestellten in der Zeppelinstadt am Bodensee wurden am Donnerstag (20. Juni) über die Maßnahme informiert.
„Sommerloch“ bei ZF Friedrichshafen hat aktuell nur Auswirkungen auf Traxon-Produktion
Die sinkenden Abrufzahlen bei den so wichtigen Traxon-Getrieben sind keine neue Entwicklung. Wie die Schwäbische Zeitung in Bezug auf ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich berichtet, wurden in den vergangenen Monaten bereits die Wochenendschichten gestrichen und Überstunden abgebaut. Nun wird die Arbeitszeit für die rund 1.500 Mitarbeiter temporär noch weiter reduziert. Laut Konzernangaben betrifft das „Sommerloch“ aktuell aber ausschließlich die Traxon-Produktion, nicht aber das Automatikgetriebe Powerline für Pick-ups und mittelschwere Lkw sowie das Busgetriebe Ecolife. Dort sei die Nachfrage weitgehend stabil.
Die ZF Friedrichshafen ist nach Bosch nicht nur der zweitgrößte Autozulieferer aus Baden-Württemberg, sondern inzwischen auch in ganz Deutschland. Aufgrund von milliardenschweren Übernahmen in den vergangenen Jahren hat der Konzern aktuell mit hohen Schulden zu kämpfen und zu Beginn des Jahres angekündigt, in den nächsten zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro einsparen zu müssen. Dafür werden ganze Sparten und Standorte auf den Prüfstand gestellt; für ein ZF-Werk in NRW gibt es keine Alternative, der Standort schließt Ende des Jahres.
Rubriklistenbild: © ZF FRIEDRICHSHAFEN AG

