Geschäftsjahr 2023/2024

Familienunternehmen aus Baden-Württemberg kämpft mit Stellenabbau und Kurzarbeit gegen Konjunkturschwäche

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Die anhaltende Konjunkturschwäche hat auch das Familienunternehmen EBM-Papst zum Handeln gezwungen. Mit Folgen für die Mitarbeiterzahl.

Mulfingen - Die vielfältigen Herausforderungen für die Wirtschaft haben im ersten Halbjahr 2024 einige Unternehmen aus Baden-Württemberg zu bestimmten Maßnahmen gezwungen. Mehrere Maschinenbauer schickten Teile der Belegschaft in Kurzarbeit, der Hersteller Viscofan setzte in Baden-Württemberg zusätzlich auf einen moderaten Stellenabbau. Wie das Familienunternehmen EBM-Papst mit Sitz in Mulfingen (Hohenlohekreis) am 19. Juni in einer Pressemitteilung erklärte, konnte der Ventilatorenspezialist aus Baden-Württemberg zwar durch die europäische Konjunkturschwäche navigieren, allerdings nicht ohne Verluste.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Die EBM-Papst-Gruppe musste der Mitteilung zufolge im vergangenen Geschäftsjahr, das traditionell am 31. März endet, einen Umsatzrückgang von 5,2 Prozent verkraften; richtet seine Strategie aber weiterhin auf umfassende Investitionen in die Zukunft aus. Die Herausforderungen hatten beim Elektrogeräte-Hersteller allerdings auch Folgen für die Mitarbeiterzahl, die im Vergleich zum Vorjahr um 7,6 Prozent zurückging. EBM-Papst hatte vor einiger Zeit erklärt, aufgrund des Fachkräftemangels starker auf Nachwuchskräfte aus dem Ausland setzen zu wollen.

EBM-Papst reagiert mit Stellenabbau und Kurzarbeit auf niedrigere Auslastung

Laut der Mitteilung hatte das global agierende Familienunternehmen im vergangenen Geschäftsjahr vor allem auf dem deutschen Markt massive Probleme, was von EBM-Papst auch auf das umstrittene Gebäudeenergiegesetz und die damit einhergehende Unsicherheit zurückgeführt wird. Die Konjunkturschwäche und die stockende Nachfrage im Bereich der Heizungstechnik haben demnach zu einer geringeren Kapazitätsauslastung an den Standorten in Osteuropa sowie am Hauptsitz in Mulfingen und im bayerischen Landshut geführt. Als Reaktion hat der Weltmarktführer seinen Fokus auf die Stammbelegschaft gelegt.

EBM-Papst mit Hauptsitz in Mulfingen (Hohenlohekreis) ist Weltmarktführer bei der Herstellung von Ventilatoren.
Name Elektrobau Mulfingen GmbH (EBM-Papst-Gruppe)
Gründung 1963
Hauptsitz Mulfingen, Baden-Württemberg
Branche Elektrogeräte
Produkte Elektromotoren, Ventilatoren, Lüfter, Gebläse
Mitarbeiter 13.800 (2023/2024)
Umsatz 2,4 Milliarden Euro (2023/2024)

Konkret bedeutet das allerdings auch, dass EBM-Papst mit bestimmten Instrumenten auf die geringe Auslastung an mehreren Standorten reagieren musste. Zum einen wurden Stellen in der Leiharbeit und durch befristete Arbeitsverhältnisse abgebaut, zum anderen setzte der Elektrogerätehersteller auch auf Kurzarbeit. Im März hatte das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg die Kurzarbeit für rund 400 Mitarbeiter in Landshut verlängert, aktuell ist die Maßnahme bis September vorgesehen. Auch am Stammsitz im baden-württembergischen Mulfingen setzt EBM-Papst temporär auf Kurzarbeit.

Trotz Umsatzrückgang: EBM-Papst setzt weiterhin auf weltweites Wachstum

Mit der Kurzarbeit an bestimmten Standorten und in bestimmten Bereichen will der Elektrogerätehersteller die Beschäftigung langfristig sichern. „Unsere Stammbelegschaft hat für uns oberste Priorität“, betonte EBM-Papst-Personalchefin Sonja Fleischer. „Mit flexiblen und vom Unternehmen bezuschussten Kurzarbeitsmodellen in ausgewählten Bereichen, deren Verlängerung wir monatlich überprüfen, sichern wir nicht nur die Beschäftigung, sondern auch das wertvolle Know-how, das für unser zukünftiges Wachstum entscheidend ist.“ Zudem setzt das Unternehmen auf Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, sowie auf die professionelle Ausbildung von Studierenden und Auszubildenden.

EBM-Papst reagiert auf die niedrigere Kapazitätsauslastung und setzt den Fokus auf die Stammbelegschaft.

Trotz des Umsatzrückgangs von 2,541 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2022/2022 auf 2,408 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2023/2024 und dem Rückgang der Mitarbeiterzahl von 14.938 auf 13.800, setzt die EBM-Papst-Gruppe weiterhin auf ein weltweites Wachstum. Unter anderem plant das Unternehmen aus dem Hohenlohekreis ein neues Lufttechnik-Werk im rumänischen Oradea; die Bauarbeiten sollen Ende des Jahres beginnen. In der Gemeinde baut auch Weltmarktführer Stihl derzeit ein neues Werk und schafft Arbeitsplätze.

Rubriklistenbild: © EBM-Papst GmbH

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