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Technologiekonzern ZF Friedrichshafen will in Deutschland tausende Stellen abbauen. Der Betriebsrat kündigt erbitterten Widerstand an.
Friedrichshafen - Bereits zu Jahresbeginn hatten sich tausende Mitarbeiter der ZF am Hauptsitz in Friedrichshafen (Bodenseekreis) versammelt, um gegen die Schließung der Werke Gelsenkirchen und Eitorf sowie einen befürchteten Stellenabbau zu demonstrieren. Inzwischen ist nicht nur die Schließung der Werke – Gelsenkirchen Ende des Jahres und Eitorf bis Ende 2027 – beschlossen; die ZF Friedrichshafen hatte am Freitag (26. Juli) auch den Wegfall von 11.000 bis 14.000 Stellen in Deutschland bis 2028 angekündigt. Der Betriebsrat des schwäbischen Weltkonzerns nimmt das aber nicht ohne weiteres hin.
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ZF-Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich hatte bereits in der Vergangenheit deutliche Kritik am Vorstand geäußert und vor einem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen gewarnt. „Der Vorstand will 12.000 Stellen in Deutschland in den nächsten sechs Jahren streichen“, hatte er im Januar erklärt. Mit bis zu 14.000 Mitarbeitern, die die ZF nach eigenen Angaben bis 2028 an den deutschen Standorten weniger beschäftigen könnte, liegt die Zahl im schlimmsten Fall sogar noch höher. „Wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen“, kündigte Dietrich am Freitag in Friedrichshafen an.
ZF-Betriebsratschef kündigt „erbitterten Widerstand“ gegen geplanten Stellenabbau an
Die ursprünglich aus dem Friedrichshafener Zeppelin-Konzern hervorgegangene ZF ist inzwischen der zweitgrößte deutsche und einer der größten Autozulieferer der Welt. Das starke Wachstum – konkret die milliardenschwere Übernahme zweier Konkurrenten – hat den Stiftungskonzern vom Bodensee aber stark verschuldet. Dass der Vorstand deshalb die Zukunft von ganzen Standorten und tausenden Mitarbeitern aufs Spiel setzt, trifft im Betriebsrat wie zu erwarten auf Unmut. „Der ZF-Vorstand hat sich gegen die Zukunft von Standorten und Tausenden von Mitarbeitern in Deutschland entschieden und wird dafür erbitterten Widerstand erhalten“, machte Achim Dietrich laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Freitag deutlich.
Dem Betriebsratschef zufolge würde die Ankündigung der ZF Friedrichshafen lediglich Ängste in der Belegschaft schüren, „wo wir eigentlich den vollen Einsatz für die Belieferung der Kunden, der Bewältigung der Rezession und der Transformation brauchen“. Zusätzlich zu den hohen Schulden macht dem Konzern nämlich auch die große Transformation zur E-Mobilität zu schaffen, weswegen ZF bereits angekündigt hat, in den kommenden zwei Jahren rund sechs Milliarden Euro an Kosten einsparen zu wollen.
Wie stark die einzelnen ZF-Standorte in Deutschland betroffen sein werden, steht noch nicht fest
Für diese Kosteneinsparung ist offenbar auch die Verkleinerung der deutschen Belegschaft – die laut Konzernangaben derzeit aus 54.000 Mitarbeitern besteht – notwendig. „Uns ist bewusst, dass wir dazu auch schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen müssen“, hatte ZF-Chef Holger Klein betont. „Dabei wollen wir bestmögliche Lösungen für alle Beteiligten finden.“ Konkret soll der Personalabbau sozialverträglich abgewickelt werden; in welchem Umfang die einzelnen Standorte betroffen sein werden, müsse nun konkretisiert werden.
In der Mitteilung von Freitag hatte die ZF Friedrichshafen angekündigt, die deutschen Standorte effizienter machen und zu größeren Standortverbünden zusammenlegen zu wollen. Damit soll zwar vorrangig die Zukunft der deutschen Werke gesichert werden; die bereits angekündigte Überprüfung der einzelnen Standorte dauert aber an. Im schlimmsten Fall schließt der Stiftungskonzern auch Neustrukturierungen oder sogar weitere Schließungen nicht aus, wenn für die Standorte keine langfristige Lösung gefunden werden kann. Für die von der Schließung betroffenen Mitarbeiter der ZF in Gelsenkirchen haben sich die Parteien auf einen Interessenausgleich geeinigt.
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