Die Parkplätze am Tölzer Taubenloch an der Isar kommen wohl weg. Mittels Freistaat-Förderung sollen dort Fahrradboxen gebaut werden. Das stößt auf Kritik.
Bad Tölz – Der Wegfall von Parkplätzen ist ein „heißes Eisen“, zumal wenn sie zentrumsnah sind. Das zeigte sich jetzt wieder bei einer Diskussion im Tölzer Bauausschuss, in der es um die Neugestaltung des Taubenlochs ging. Die Stadt will bis auf zwei Behinderten-Parkplätze alle Stellplätze am Taubenloch entfernen, um den Eingangsbereich zu der kleinen Parkanlage aufzuwerten.
Auch spannend: Das sagen die Redakteure Andreas Steppan und Christoph Schnitzer zu dieser Debatte. Sie veröffentlichten hier ein „Pro“ und „Kontra“ zu den Parkplätzen am Taubenloch.
Der designierte Stadtbaumeister Florian Ernst hatte eine Skizze vorbereitet und die Situation erläutert. Er empfand die Situation vor dem Bildstock des heiligen Nepomuk als „beengt und unglücklich“. Der Park sei hinter den Autos versteckt.
Um das ändern, sollen die derzeit acht normalen Parkplätze sowie der eine barrierefreie Stellplatz gestrichen werden. Stattdessen solle der Platz gepflastert und die schon lange geforderten absperrbaren Radboxen aufgestellt und geschickt ins Grün integriert werden.
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Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG), der die Sitzung leitete, verteidigte diesen Plan vehement. Der Taubenloch-Eingang sei viel zu versteckt. Man könne ihn mit dem Wegfall der Parkplätze freundlicher gestalten und die ganze Aufenthaltsqualität steigern. Die Radboxen würden von der steigenden Zahl von Radtouristen sicher gerne genutzt.
Das alles überzeugte Peter von der Wippel (FWG) gar nicht. Der Unternehmer und Geschäftsinhaber brach eine Lanze für innenstadtnahe Parkplätze. „Davon haben wir sowieso viel zu wenige.“ Ingo Mehner (CSU) pflichtete ihm bei. Der CSU-Bürgermeisterkandidat fragte sich, ob am Taubenloch nicht genug Platz für Autoparkplätze und Radlboxen wäre. „Die Fläche hinter dem Parkplatz wird nicht genutzt.“
Parkplätze in Bad Tölz sollen weg: „Sie sind wichtig, wenn man etwas anliefern will.“
Bauamtsleiter Christian Fürstberger sprach sich für die Umgestaltung aus: „Schön ist der Platz derzeit nicht. Das wäre schon eine Aufwertung für Fußgänger und Radler.“ Auch sei die Ein- und Ausfahrtssituation für die parkenden Autofahrer nicht gerade optimal. Er verwies darauf, dass die Stadt an dem Projekt „innenstadtnahe Parkplätze“ im Zusammenhang mit der Entwicklung des Postareals dran sei. Wenn es soweit sei, könne man ja immer noch die Parkplätze am Taubenloch streichen, konterte von der Wippel. Dann falle aber die derzeit vorhandene erhebliche finanzielle Förderung durch den Freistaat weg, gab Fürstberger zur Antwort.
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Auch Josef Steigenberger (CSU) konnte sich nicht für die Umgestaltung des Platzes erwärmen. „Wir sind immer noch in der Stadt.“ Die Taubenloch-Parkplätze seien wichtig, wenn man etwas anliefern wolle. Er hielt die Ein- und Ausfahrsituation eher für die Radler für gefährlich.
Die Vorbehalte konnte Wiedemann nicht verstehen und wunderte sich, „was für einen hohen Stellenwert das Auto heutzutage noch hat“. Für eine bessere Aufenthaltsqualität in einer Stadt reichten ein paar Bänke nicht aus. Mehner blieb unbeeindruckt: „Wir schaffen doch hinten die wunderbaren Isarstufen. Es geht doch nur um den Zugangsbereich.“
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„Charmant“ fand hingegen Camilla Plöckl (SPD) die Lösung, auch wenn sie hin- und hergerissen war. Jürgen Renner (SPD) sprach von einer „Superplanung“. Margot Kirste (FWG) forderte schließlich, dass ein oder zwei Behinderten-Stellplätze nahe an der Böschung erhalten bleiben. „Das kann man keinem Behinderten zumuten, dass er vom Isarkai heraufschieben muss.“ Das wurde dann auch in den Beschlussvorschlag aufgenommen.
Die Verwaltung soll die nun vorgestellte Planung inklusive zweier barrierefreier Stellplätze vorantreiben, bevor sich Ausschuss oder Plenum erneut damit befassen. Dafür stimmten: Hoch (Grüne), Mühlberger, Ludwig Bauer, Andreas Wiedemann, Rein, Kirste (FWG), Plöckl und Renner (SPD). Dagegen waren: Steigenberger, Mehner (CSU) und von der Wippel (FWG).