VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Die beiden Fachstellen für pflegende Angehörige im Landkreis leisten unschätzbar wertvolle Arbeit. Jetzt brauchen sie vom Kreis mehr Geld.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, ist meistens rund um die Uhr im Einsatz. Da bleibt wenig Zeit und Muße, um sich darum zu kümmern, an welchen Stellen man finanzielle oder pflegende Unterstützung beantragen könnte. Wer hier Orientierung braucht, findet Hilfe bei den beiden Fachstellen für pflegende Angehörige im Landkreis. Im Süden ist sie in die Kontaktstelle „Alt & Selbständig“ der Caritas integriert, im Norden übernimmt das BRK diese Aufgabe. Beide Stellen baten den Landkreis nun, die jährliche Förderung aufzustocken. Kürzlich wurde das Thema im Sozialausschuss behandelt.
„Es gibt eine Förderung durch den Freistaat, die ist aber seit Jahren unverändert, während der Beratungsbedarf massiv steigt“, fasste Sozialamtsleiter Thomas Bigl zusammen. Die Caritas-Kontaktstelle möchte statt gut 13 000 Euro künftig gerne 20 000 Euro pro Jahr. Bislang habe die Caritas Mittel aus einer Erbschaft hier investiert. Diese sei nun aber aufgebraucht, so Bigl. Beim BRK würde der Zuschuss von Knapp 7000 Euro auf 15 000 Euro steigen. Der Eigenanteil sei dann aber immer noch hoch, betonte der Sozialamtsleiter. Beide Stellen sind für ihn „systemrelevant“, auf ihre Arbeit könnte also nur schwer beziehungsweise gar nicht verzichtet werden.
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„Gibt es Zahlen, wie das Angebot angenommen wird?“, wollte Konrad Specker (Freie Wähler) wissen. Auch die hatte Bigl mitgebracht. 2017 wurden in der Caritas-Kontaktstelle 406 Personen beraten – 95 davon von der Fachstelle für pflegende Angehörige. Das seien aber nur die reinen Fallzahlen, schreibt die Caritas im Zuschussantrag. In der Regel stecken hinter jedem „Fall“ mehrere Beratungstermine, Hausbesuche, Helfervermittlungen und längerfristige Begleitungen. Beim BRK gab es laut Bigl im Jahr 2016 408 Beratungen.
Flammendes Plädoyer für Unterstützung
Ein flammendes Plädoyer für die Unterstützung hielt Anni Rieger (CSU): „Es ist so gut, dass es diese Fachstellen gibt.“ Pflegende Angehörige stünden ständig unter großer Anspannung. Diese Anlaufstellen seien wichtig. „Das sind Menschen, die wirklich Hilfe brauchen. Meine herzliche Bitte ist, dass wir das unterstützen.“ Das bekräftige ihre Fraktionskollegin Birgitta Opitz. „Wir müssen den Angehörigen, die zu Hause pflegen, alle Möglichkeiten der Hilfe zukommen lassen“ – auch mit Blick darauf, dass dem Landkreis bis zum Jahr 2028 rund 500 stationäre Pflegeplätze fehlen werden.
Die Erhöhung der Zuschüsse wurde beschlossen – allerdings erst einmal für ein Jahr. Denn wie die Zukunft der Fachstellen mittelfristig aussehen wird, ist offen. „Der Bezirk von Oberbayern setzt sich massiv für die Schaffung von Pflegestützpunkten ein“, sagte Bigl.
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Bezirkstagspräsident Josef Mederer hatte im November nach seiner Wiederwahl das Ziel ausgegeben, innerhalb der neuen Legislaturperiode Pflegestützpunkte in möglichst vielen Landkreisen einzurichten. Dort sollen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen in allen Fragen rund um die Pflege kostenlos und wohnortnah beraten werden. „Wir wissen aber nicht, wann die Stützpunkte kommen und wie sie finanziert werden“, sagte Bigl. Eigentlich wäre die Beratung ohnehin Aufgabe der Pflegekassen. „Aber die beraten oft so, dass es für die Kasse möglichst wenig kostet. Wir haben aus gutem Grund die Fachstellen unterstützt“, so der Sozialamtsleiter.
Für ihn wäre es wichtig, dass die Fachstellen in die Arbeit der künftigen Stützpunkte mit einbezogen werden. Wie das funktionieren kann, sei aber offen. „Eine stärkere staatliche Förderung und Beteiligung der Pflegekassen erscheint notwendig.“
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