- VonMarcel Sowaschließen
Für großes Aufsehen sorgte die Ankündigung der Zwieselalm bei Bad Reichenhall, die Öffnungszeiten zu kürzen. Laut Inhaber Andi Potschacher reagierten die meisten Besucher verständnisvoll, doch manch einer legte ihm die Entscheidung negativ aus. Auch der DAV Berchtesgaden hat mit hohen Auflagen für die Hütten zu kämpfen. Sprecher Daniel Hrassky erklärt, warum man dort die Auswirkungen besser abfedern kann.
Berchtesgadener Land - Mit der Kürzung der Öffnungszeiten unternimmt Andi Potschacher zusammen mit seiner Familie einen letzten Versuch, das Aus ihrer Zwieselalm abzuwenden. Die finanzielle Situation, die steigenden Auflagen, die schlechte Anbindung der Hütte: Die Gründe, nur noch samstags und sonntags sowie an den Feiertagen zu öffnen, sind vielfältig. Vor allem die Suche nach Mitarbeitern gestaltete sich immer schwieriger, wie er berichtet. „Mit Personal für unter der Woche hat es böse ausgeschaut“, erklärt der Inhaber.
Die Folge: Weil es immer häufiger unter der Woche zu kurzfristigen Absagen der Teilzeitkräfte kam, mussten Potschacher und seine Familie immer öfter kurzfristig einspringen oder die Alm schließen. „Eigentlich musste meine Frau ab Donnerstag ständig rauf“, erzählt er, „und auch ich musste mir mehrmals spontan Urlaub nehmen, um die Ausfälle aufzufangen.“ Was vielen nicht bewusst ist: Die Familie betreibt die Alm nicht hauptberuflich, sondern in ihrer Freizeit.
Kritik, aber größtenteils viel Verständnis
Die neuen Öffnungszeiten, die erst seit wenigen Wochen gelten, und die Bekanntgabe über das drohende Aus wurden von den Besuchern mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Viele finden es schade, dass wir diesen Schritt wählen mussten“, sagt der Betreiber. Manche hätten ihm ernsthaft vorgeworfen, er wolle damit nur erreichen, dass doch noch ein Fahrweg angelegt werde. „Auch wenn bei manchem Besucher Unverständnis herrscht: Die meisten geben mir recht, dass die Gängelei der Behörden zu weit geht. Sie verstehen uns.“ Diese Rückmeldungen würden ihn nur darin bestätigen, „sie tun uns allen gut.“
Auch wenn es laut Potschacher „noch viel zu früh“ ist, ein Fazit darüber zu ziehen, ob dieser Schritt das drohende Aus abwenden wird: Schon jetzt spüren er und seine Familie, „dass es uns leichter fällt“. Sie merken, dass sie weniger Stress haben. „Wenn wir noch am Wochenende und an den Feiertagen geöffnet haben, lässt sich auch leichter Personal finden“, glaubt er.
„Personalmangel betrifft alle“
Das Thema spielt auch bei den Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) eine große Rolle. Das bestätigt Daniel Hrassky von der Sektion Berchtesgaden, zu der das Kärlingerhaus, die Blaueishütte, das Stöhrhaus, das Schneibsteinhaus und die Wasseralm gehören. „Der Personalmangel betrifft alle, sowohl die privaten Betreiber als auch den DAV“, schildert der Sprecher.
Der große Unterschied: Die Schutzhütten des Vereins dienen der Allgemeinheit und sind nicht auf Profit orientiert. „Sie müssen daher geöffnet sein. Die Öffnungszeiten zu kürzen, ist daher keine Option“, so Hrassky. Allgemein könne der DAV eine schwarze Null besser verkraften als die privat betrieben Hütten, die auf Gewinn ausgelegt seien.
Übernachtungszahlen steigen
„Wir finanzieren unsere Hütten auch als Verein und investieren die Einnahmen in die Infrastruktur, wodurch wir zum Beispiel bei den Küchen oder der Wasseraufbereitung die modernste Ausstattung haben.“ Die Auflagen seien Hrassky zufolge schon seit Jahren hoch, auch der DAV kämpfe damit. „Aber viele davon, etwa zur Abwasserreinigung und Hygiene, sind gerechtfertigt und wichtig“, meint der Sprecher.
Dass sich immer mehr Menschen in den Bergen aufhalten, macht sich auf bei der Berchtesgadener Sektion bemerkbar. Hrassky bestätigt diese Entwicklung und verdeutlicht sie am Beispiel Kärlingerhaus, das sich mitten im Nationalpark Berchtesgaden auf 1638 Meter Höhe in einer Senke beim Funtensee befindet. Dort laufen schon länger umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. Lagen die Übernachtungszahlen bis vor zehn Jahren noch bei circa 10.000 Gästen im Jahr, stieg dieser Wert 2024 auf über 14.000.
Sind noch mehr private Hütten betroffen?
Hrassky glaubt, dass dieser Trend auch Auswirkungen auf die privaten Betreiber hatte: „Viele haben versucht, auf den Zug mit aufzuspringen, und haben begonnen, mehr als nur Getränke und Kasbrote anzubieten.“ Doch mit Kaffee und Kuchen oder warmen Speisen kämen auch schärfere Auflagen dazu. „Vielleicht hat sich bei manchen Inhabern ein Investitionsstau ergeben“, sieht Hrassky eine mögliche Erklärung für die Probleme privater Hütten.
Denn wie Andi Potschacher von der Zwieselalm erfahren hat, scheint er nicht der einzige Besitzer zu sein, der kurz vor dem Aus steht. Er berichtet: „Ein Kollege meinte zu mir, dass er viele private Inhaber von Almen in der Region kennt, denen es genauso geht wie mir und die ebenfalls kurz davor stehen, aufzuhören.“ (ms)