Der Münchner Stadtrat hat zugestimmt, dass sich die Stadt für Olympische Spiele bewirbt. Das letzte Wort allerdings hat der Bürger.
München – Das Für und Wider ist bekannt, die Argumente ausgetauscht: Der Stadtrat hat sich am Mittwoch (28. Mai) mehrheitlich dazu entschieden, dem Bewerbungskonzept für Olympische Sommerspiele in der bayerischen Landeshauptstadt zuzustimmen. München könnte somit 2036, 2040 oder 2044 Ausrichterstadt werden. Ob das so kommt, entscheiden aber die Münchner. Die sollen bei einem Bürgerentscheid am 26. Oktober befragt werden.
Olympische Spiele in München: „Wir hätten den U-Bahn-Ausbau, den ÖPNV, nicht ohne die Spiele 1972“
„Das ist ein guter, großer und richtiger Schritt“, sagte CSU-Chef Manuel Pretzl. Die Infrastruktur in München, der Ausbau des ÖPNV und der Wohnungsbau in diesem Maße, das alles werde nur mit zusätzlichem Geld von Bund und Land gehen. „Und das geht nur mit den Olympischen Spielen. Wir hätten den U-Bahn-Ausbau, den ÖPNV, nicht ohne die Spiele 1972.“
Natürlich dürfe man die Bedenken der Gegner nicht wegwischen. Beispiel: Das geplante Olympische Dorf in Daglfing. „Das geht nur, wenn wir die Grundstückseigentümer mitnehmen und die das nicht aus der Zeitung erfahren.“
Olympische Spiele in München: Gegner und Befürworter demonstrieren vor dem Rathaus
Vor der Sitzung des Stadtrates hatte es von Gegnern und Befürwortern Aktionen gegeben. Unter anderem Vertreter der ÖDP, des Bund Naturschutzes, des Landesbundes für Vogelschutz und die Altstadtfreunde hatten mit „NÖ-lympia“-Plakaten vor dem Rathaus gegen eine Bewerbung demonstriert. „Es ist absurd, dass wir heute überhaupt noch über Olympische Spiele in München diskutieren“, sagt ÖDP-Chef Tobias Ruff. 2013 hätten die Menschen in Bayern und in München sich klar gegen die Spiele ausgesprochen. „Und das aus gutem Grund. Solche Mega-Events hinterlassen in der Regel Kosten, Betonwüsten und Frust.“
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Neuerliche Spiele würden laut Gegnern zu einem hohen Maß an Flächenverbrauch führen, weil in Daglfing das Olympische Dorf „auf feinstem Ackerboden und ökologisch wertvollen Flächen entstehen“ werde. Die Kosten für die Ausrichtung der Spiele seien unkalkulierbar, ebenso das Verkehrschaos. Und die Spiele würden den Wohnraum verteuern. In Paris seien die Mieten vor den Spielen um 85 Prozent nach oben gegangen.
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Olympische Spiele in München: „Eine Mehrheit des Stadtrates hat nichts Besseres zu tun“
Linken-Chef Stefan Jagel: „In München stehen Kürzungen beim ÖPNV an, Stellen in der Stadtverwaltung werden nicht nachbesetzt, obwohl die Mitarbeiter überlastet sind. Und eine Mehrheit des Stadtrates hat nichts Besseres zu tun, als sich für Olympische Spiele zu bewerben.“ Sie könne die Skepsis bei solchen Großereignissen durchaus verstehen“, sagte SPD-Chefin Anne Hübner. „Die Gretchenfrage wird sein: Können wir das, schaffen wir den Bau einer U9 beispielsweise vorher.“ Aber falls die Planung gelinge, seien Bund und Land als Geldgeber entscheidend gefordert.
Eine Bewerbung planen neben München auch Berlin (mit Leipzig), Hamburg und die Region Rhein/Ruhr. Die finale Entscheidung will der Deutsche Olympische Sportbund im Herbst 2026 treffen.