Kampagne gegen Bewerbung

„Treibt die Stadt vollends über die Klippe“: Warum Gegner die Olympischen Spiele in München verhindern wollen

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Gegner der Olympischen Spiele in München machen mobil.
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  • Christian Deutschländer
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Es wird ein Kampf um die Ringe: Binnen fünf Monaten will München die Bürger für Olympia begeistern. Die Gegner formieren sich bereits.

München – Die Herren staunen selbst, wie gut sie sich verstehen. „Fast schon zu viel Harmonie heute“, raunt Markus Söder und blickt auf Dieter Reiter. In seltener Einigkeit treten der CSU-Ministerpräsident und der SPD-Oberbürgermeister vor die Kameras. Ihr Projekt: Werben für Olympia in München. Politische Rivalität, nahende Kommunalwahl, bei der die CSU Reiter stürzen möchte – bis auf Weiteres verdrängt. „Das bekommt man nur gemeinsam hin“, sagt Reiter über die Bewerbung. Und selbst dann werde es „nicht immer ganz einfach werden“.

Olympische Spiele in München: Am 26. Oktober sollen die Bürger über eine Bewerbung abstimmen

Tatsächlich bringen Reiter mit seiner rot-grünen Rathauskoalition und Söder mit seinem Bayern-Bündnis aus CSU und Freien Wählern ein breites Parteienspektrum ein – und wissen trotzdem nicht sicher, ob es reichen wird. Am 26. Oktober sollen die Münchner abstimmen, ob sie mit einer Bewerbung einverstanden sind oder nicht. Einmal schon haben die Bürger etwas grantig Nein gesagt, 2013 war das bei dem Plan für Winterspiele 2022. „Aufstand gegen die olympische Allmacht“, lautete damals eine Schlagzeile. Groll auf Funktionärskasten, Sorge vor steuerfinanzierten Sportruinen, Angst vor weiterem Siedlungsdruck und Mietexplosionen trieben damals die Kritiker um.

Auch diesmal gilt: Nein heißt Nein. Scheitert der Bürgerentscheid, wollen Reiter und Söder die Bewerbung zurückziehen. Bis dahin aber wollen sie mit Feuereifer für Olympia werben. „Das werden nachhaltige, gute, sympathische, sichere Spiele“, verspricht Söder. „Wir werden Deutschland nicht blamieren.“

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Olympische Spiele in München: Grünen-Politiker Ludwig Hartmann warnt vor steigenden Mieten

Dass kaum neue Sportstätten gebaut werden, sondern die 72er-Infrastruktur und die aktuellen Hallen und Stadien genutzt werden, heben die Olympi-Ja-Kämpfer hervor. Genauso Reiters Zusage, „ein paar tausend“ neue Wohnungen im geplanten Olympischen Dorf zu bauen, erst für die Athleten, nach den Spielen für die Münchner. Und die Infrastruktur schneller auszubauen als geplant. Aber reicht das?

Die Gegner formieren sich bereits. Spannend: Bei den Grünen zeichnet sich ab, dass es wieder Gegner und Befürworter geben wird. Die Landtagsfraktion stellt sich nicht gegen die Bewerbung, fordert aber volle Transparenz und eine faire Kostenteilung. Ihr Landtagsvizepräsident Ludwig Hartmann hingegen strebt jetzt schon – wie vor zwölf Jahren – an die Spitze der Gegner, sagt er unserer Redaktion. „Immer, wenn Olympia irgendwo war, hat das vor allem eines gebracht: steigende Immobilienpreise und steigende Mieten – und das ist genau das Letzte, was München jetzt braucht.“

Jeder hat eigene Wahrzeichen: München teilt sich in 25 Stadtbezirke, die sehr unterschiedlich sind

München
Im Herzen von München liegt der Marienplatz, wo Besucher auch das Rathaus finden. Für viele womöglich überraschend: der Stadtbezirk Altstadt-Lehel ist flächenmäßig der kleinste Münchens.  © IMAGO/Michael Nguyen
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Kein Wahrzeichen, auf das die Bewohner immer stolz sind: der Hauptbahnhof ist Teil des Stadtbezirks Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
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Kunstinteressierte kommen im Museum Brandhorst auf ihre Kosten. Es liegt in der Maxvorstadt, die zwischen Odeonsplatz und Stachus unmittelbar an die Altstadt angrenzt und im Osten durch den Englischen Garten begrenzt wird. © IMAGO/imageBROKER/Werner Dieterich
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Der neu gestaltete Elisabethmarkt in Schwabing-West. Mit 151 Einwohnern je Hektar (Angabe der Landeshauptstadt) weist er die höchste Einwohnerdichte aller Bezirke auf.  © IMAGO/C3455 Robert B. Fishman
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1000 Kilometer nach Bordeaux: das sogenannte „Franzosenviertel“ befindet sich im Stadtbezirk Au-Haidhausen. Die beiden Vorstädte sind im Jahr 1854 eingemeindet worden. © IMAGO/STL Studio Liebhart
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Erholungssuchende aus Sendling kommen gerne an den Flaucher, um sich zu erfrischen. Zentrum des Wirtschaftslebens im Stadtbezirk 6 ist die Großmarkthalle. © IMAGO/Ulrich Wagner
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Eine kurze Auszeit an einem sonnigen Wintertag: Auf diesem Foto genießt sie ein Münchner im Westpark, Teil des Stadtbezirks Sendling-Westpark. © IMAGO/S.Gottschalk
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Der Quartiersplatz auf der Schwanthalerhöhe. „Der Stadtbezirk weist sowohl die zweithöchste Einwohnerdichte als auch den zweithöchsten Ausländeranteil unter allen Münchner Bezirken auf“, heißt es vonseiten der Stadt.  © IMAGO/STL
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Was fürs Auge: Schloss Nymphenburg, die mit Abstand bekannteste Sehenswürdigkeit im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg. © IMAGO
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1924 bis 1929 nach den Plänen von Bernhard Borst erbaut: die Borstei in Moosach.  © IMAGO/C3455 Robert B. Fishman
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Das Olympische Dorf bei Nacht; es gehört zum Stadtbezirk 11 (Milbertshofen- Am Hart).  © IMAGO/POSS ROLF
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Abendlicher Autoverkehr auf der Leopoldstraße. Sie ist die wohl renommierste im Bezirk Schwabing-Freimann. © IMAGO
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Wacht über Bogenhausen: der beeindruckende Friedensengel. Zum Bezirk gehören auch Oberföhring, Johanneskirchen, Englschalking, Denning, Daglfing und Zamdorf.  © xChristoph_Lischetzkix via imago
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Berg am Laim gehört zu den kleineren Stadtbezirken Münchens. Hier im Bild ist das unweit des Ostbahnhofes gelegene Werksviertel zu sehen.  © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
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Ein Sommertag am Buga-See. Hier baden Bewohner des Bezirks Trudering-Riem. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
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Der Pfanzeltplatz (Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach) hat sich seinen dörflichen Charakter bis heute bewahrt. © Imago
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Auf der Tegernseer Landstraße bewegen sich vornehmlich Menschen, die im Bezirk Obergiesing-Fasangarten leben. © Jens Hartmann
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Wie es beim TSV 1860, der seine Heimspiele im städtischen Stadion an der Grünwalder Straße austrägt, läuft, treibt viele Menschen in Untergiesing-Harlaching um. © imago sportfotodienst
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Ein Surfer vergnügt sich an der Floßlände; in einem Stadtbezirk mit nicht unkompliziertem Namen: Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. © STL via www.imago-images.de
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Abendstimmung am Klinikum Großhadern. Der 20. Stadtbezirk Hadern bildet den südwestlichen Stadtrand Münchens.  © IMAGO/STL Studio Liebhart
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Ja, auch Pasing hat seinen Marienplatz. Gemeinsam mit Obermenzing bildet das Viertel seit 1992 einen Bezirk. © Imago
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Blick auf den Langwieder See, Teil des westlich gelegenen Stadtbezirks Aubing-Lochhausen-Langwied. © IMAGO/Sachelle Babbar
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Ländliche Atmosphäre an einem winterlichen Tag in Allach-Untermenzing. © xmeinzahnx via imago-images.de
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Sehr divers: der Bezirk Feldmoching-Hasenbergl; hier im Blick ist der Blick auf die Feldmochinger Kirche zu sehen. © Copyright: xDreamstimexMolly100x
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Gerade wird viel gebaut in Laim; die Fürstenrieder Straße gilt als Lebensader des Viertels.  © Marcus Schlaf

Olympische Sommerspiele in München: Gegner formieren sich bereits, ÖDP startet Kampagne

Grünen-Stadtrat Beppo Brem hat nichts gegen die Spiele, wenn sie nachhaltig sind und die Bürger befragt werden: „München hat mit den European Championships gezeigt, dass es nachhaltige Sportgroßevents kann, die im Budget bleiben.“ Münchens SPD-Chef Christian Köning sieht es ähnlich: „Ja zu den Sommerspielen, wenn die Bürger überzeugt sind und es einen positiven Einfluss auf die Stadtentwicklung gibt.“

Im Rathaus startet federführend die ÖDP in diesen Tagen die Kampagne „NÖ-lympia“. Bereits für 28. Mai ist die erste Demo geplant, morgens vor dem Rathaus, bevor der Stadtrat über die Bewerbung berät. „Wer Olympia nach München holen will, treibt eine Stadt am Rande des Kollapses vollends über die Klippe“, sagt ÖDP-Fraktionschef Tobias Ruff. München brauche keine weiteren Riesen-Events von „ethisch fragwürdigen Sportverbänden, die auch noch die Lebenshaltungskosten explodieren lassen und den Wohnraum weiter verknappen“.

Olympische Spiele in München: Wie lange hält die Allianz zwischen Markus Söder und Dieter Reiter?

Auch die Linke stellt sich dagegen. Ihr Fraktionschef Stefan Jagel sagt, die SPD habe ihren sozialen Kompass verloren und setze lieber immer wieder auf üppige Prestigeevents. Er warnt, am Ende stünden „Kürzungen im Sozialbereich“. Die AfD stellt sich derweil hinter die Bewerbung, „auch wenn es für die Stadt mit Herausforderungen verbunden ist“, sagt der Stadtrat und Landtagsabgeordnete Markus Walbrunn. Es sei gut für München, „das Sportfest schlechthin“ ausrichten zu dürfen.

Es wird also ein wohl emotionales olympisches Ringen, verschärft durch den Wahlkampf zur Kommunalwahl am 8. März 2026. Ist auf die neue Söder-Reiter-Achse dabei wirklich Verlass, wenigstens bis zum Bürgerentscheid? Söder gelobt, mit aller Macht für ein Ja zu werben. Ewige Harmonie verspricht er Reiter aber nicht: „Es wird auch noch andere Stunden geben.“

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