IRSCHENBERG

BI erläutert Gegenstrategie zum Kiesabbau – Vize-Bürgermeister erklären: „Gemeinde fährt zweigleisig“

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Die Abbaufläche (oben) soll in vier Etappen von Norden nach Süden schrittweise verfüllt werden. Oberhasling (r. unten) soll durch einen drei Meter hohen Wall und Pflanzung abgeschirmt werden. Zur Infoveranstaltung in der Turnhalle (l.) kamen neben Hafner-Chef Heimo Berger 70 Interessierte.
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Der beantragte Kiesabbau in der Gemeinde Irschenberg wird derzeit vornehmlich nicht öffentlich behandelt. Die Bürgerinitiative Irschenberg hat deshalb einen Infoabend organisiert, um interessierte Bürger über den aktuellen Stand und die geplante Strategie aufzuklären.

Irschenberg – Wie geht es weiter mit der beantragten Kiesgrube im Irschenberger Ortsteil Oberhasling? Um Fragen zu beantworten, das Ziel des Flächennutzungsplans zu zeigen und einen konstruktiven Austausch zu ermöglichen, hat die Bürgerinitiative (BI) Irschenberg ihren Infoabend durchgeführt, zu dem rund 100 Zuhörer kamen, aber nicht Bürgermeister Klaus Meixner (wir berichteten).

Obwohl bereits 2019 erste Probebohrungen auf dem 5,7 Hektar großen Feld gemacht wurden, hat die Gemeinde das Projekt erst mit Eingang des Abbauantrags der Hafner Beton GmbH & Co KG, die seit 2012 zum österreichischen Leube-Konzern mit derzeit 520 Mitarbeitern gehört, im November 2021 öffentlich gemacht. Im Januar 2022 gründete sich die BI, „da die Gemeinde keine Gründe gegen die beantragte Kiesgrube suchte“, erinnerte BI-Sprecher Florian Kories.

Mehr Abstand - weniger Abbauvolumen und weniger Verkehrsbelastung

440.000 Kubikmeter Kies will Hafner Beton dort über rund zehn Jahren abbauen – dazu Leerfahrten und die vielen Anlieferungen, um die Grube zu verfüllen. Die Verkehrsbelastung, die die BI erwartet, ist immens. Die Präsentation zum Infoabend, die auf www.irschenberg.org abrufbar ist, geht von einer Abbaumenge von 770.000 Kubikmetern aus sowie über 120 Lkw-Fahrten pro Tag.

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Kritisch ist auch der Abstand der Kiesgrube zu den benachbarten Grundstücken mit den neu gebauten Wohnhäusern, die nur 20 Meter entfernt liegen. Das Ziel der BI: Mit dem Ausweisen anderer Konzentrationsflächen könnte die Belastung deutlich reduziert werden. Was aber schwierig ist, da es keine großen Alternativvorkommen in Irschenberg geben soll, der Abbau aber nicht generell verhindert werden darf.

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Die BI setzt darauf, den Abstand zur Wohnbebauung in Oberhasling deutlich zu vergrößern und damit das Abbauvolumen auf ein erträgliches Maß zu verkleinern – idealerweise so, dass der Abbau für Hafner Beton und den LeubeKonzern nicht mehr lukrativ ist. Ein örtlicher Kleinunternehmer könnte dann einsteigen. Was aber die Abbaudauer in die Länge ziehen werde, gab Dritter Bürgermeister Tom Niggl (CSU) zu bedenken.

Der Beschluss des Gemeinderats pro Teilflächennutzungsplan liegt vor, ein Büro beauftragt. Gleichzeitig läuft das Verfahren am Landratsamt, das die Zurückstellung des Antrags auf Kiesabbau bewilligen muss. Liegt der Bescheid mal vor, hat die Gemeinde noch ein Jahr Zeit, ihren Teilflächennutzungsplan Kies auf den Weg zu bringen.

BI in Sorge, Gemeinde könnte umschwenken

Eigentlich läuft alles nach Plan, und dennoch hat die BI Sorge, die Gemeinde könnte diese Strategie über den Haufen werfen und stattdessen einen städtebaulichen Vertrag mit Hafner Beton abschließen. Wie berichtet, hat die Gemeinde vor Kurzem einen entsprechenden Entwurf an die Firma geschickt.

Gemeinde plant zweigleisig mit städtebaulichem Vertrag

Bei der Infoveranstaltung der BI erklärte Zweiter Bürgermeister Marinus Eyrainer (FWG Irschenberg) den Plan der Gemeinde so: „Wir fahren bewusst zweigleisig.“ Der Grund: Man habe Zweifel, ob der Weg über Konzentrationsflächen und Teilflächennutzungsplan funktioniere. Sogar der Anwalt der BI habe im Gespräch mit Ratsmitgliedern zugegeben, „dass es keine 100-prozentige Erfolgsgarantie gibt“, berichtete Eyrainer. Man brauche aber Sicherheit. Bei einem Fehlschlag habe man eine schlechtere Verhandlungsposition, warnte Kathleen Ellmeier (FWG Reichersdorf). „Es ist nicht so, dass wir uns keine Gedanken machen“, ergänzte Eyrainers Kollegin Regina Gruber.

„Es gibt nichts Fixes, sondern nur Abwägungskriterien“

Eine Sorge, die man aufseiten der BI nicht teilt. 300 Meter Abstand, 150 oder gar nur 70 Meter? Es gehe darum, das im Rahmen der Richtwerte und der Situation vor Ort angemessen abzuwägen, um vor Gericht zu bestehen - wobei es keine festen Distanzen gebe, nur Abwägungskriterien, die man aber seriös beachten wolle. Und ohne ein Gerichtsurteil werde es wohl kaum gehen, wie ein BI-Mitglied einwarf: „Entweder klagt Hafner Beton oder wir.“ Die Frage sei, was der Gemeinde lieber sei. Das Ziel der BI sei dabei klar: Man will mit der Gemeinde zusammenarbeiten und eine gemeinsame Lösung finden.

ddy

Der aktuellen Stand bei der Ermittlung von Konzentrationsflächen für den Kiesabbau stellt das Büro EGL am Montag, 23. Januar, dem Irschenberger Gemeinderat vor. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19 Uhr in der Turnhalle.

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