VonDieter Dorbyschließen
Dass es die neue Kläranlage der Gemeinde Irschenberg nicht zum Nulltarif für die Bürger geben wird, war den Zuhörern klar, die zum Informationsabend der Bürgerinitiative (BI) Irschenberg gekommen waren.
Aber die Zahlen, die BI-Mitglied und Abwassertechnik-Experte Jürgen Greive mit seinen Rechenmodellen ermittelte, machte kaum einen glücklich.
11.800 Euro: Diesen Betrag hält Greive für realistisch, wenn die Gemeinde das Klärwerk über einen Verbesserungsbeitrag finanziert, was in der Vergangenheit regelmäßig angedeutet wurde. Die Beispielrechnung des Experten – zu finden auf der BI-Homepage www.irschenberg.org – sieht so aus: Die geschätzten Gesamtkosten des Projekts wurden in den vergangenen Jahren mit bis zu sieben Millionen Euro beziffert. Diese Zahl basiert laut Zweitem Bürgermeister Marinus Eyrainer (FWG Irschenberg) auf einem Besuch der vergleichbaren Anlage in Sulzemoos (Kreis Dachau), die der Gemeinderat 2020 besucht hatte.
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Davon abgezogen werden 500.000 Euro Förderung, die die Gemeinde für ihre fortschrittliche vierte Reinigungsstufe bekommt und für die sich Stimmkreisabgeordnete und Landtagspräsidentin Ilse Aigner eingesetzt hatte (wir berichteten). Einen Teil der verbleibenden Kosten muss die Gemeinde übernehmen – Greive setzte zehn Prozent, also 650.000 Euro, an.
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Damit müssen 5,85 Millionen Euro auf die angeschlossenen Bürger und Firmen umgelegt werden. Ein ziemlicher Brocken, wenn man bedenkt, dass mit den Ortsteilen Irschenberg, Salzhub, Buchbichl und Wendling laut Greive nur 43 Prozent der Bevölkerung angeschlossen sind. Dabei liegt die Ausbaugröße bei 6500 Einwohnergleichwerten, wobei aber nur 1380 Einwohner plus Gewerbe angeschlossen werden sollen. Zum Vergleich: Laut Wikipedia lag die Einwohnerzahl Irschenbergs Ende 2021 bei 3200.
Für ein Haus mit 200 Quadratmetern Geschoßfläche und 1000 Quadratmetern Grund ergeben sich jene 11.800 Euro. Nicht berücksichtigt wurden in Greives Modell die Kostensteigerungen der vergangenen Monate gerade im Bausektor. Damit dürfte der Finanzierungsbedarf real noch mal höher liegen. Bürgermeister Klaus Meixner (CSU), der nicht anwesend war, hatte im Vorfeld erklärt, dass die Gemeinde keine aktuelle Kostenschätzung habe.
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Die zweite Möglichkeit, die die Gemeinde hat, ist die Finanzierung über Abwassergebühren. Hierbei werden die 5,85 Millionen mit einem langjährigen Kredit finanziert und über die Abwassergebühren abgezahlt. Bei 30 Jahren Laufzeit und fünf Prozent Zinsbelastung läge der Gesamtaufwand bei 11,3 Millionen Euro – quasi eine Verdoppelung der Kosten, die auf den Abwasserpreis aufgeschlagen werden müssten.
Fairer, aber teurer
Greives Berechnung sieht so aus: Bei 1380 angeschlossenen Einwohnern und 2000 Einwohnergleichwerten durch Gewerbe sowie einem Jahreswasserverbrauch von 50 Kubikmetern pro Einwohner ergibt sich eine Jahresabwassermenge von rund 169.000 Kubikmetern. Die Preiserhöhung auf die Abwassergebühr, die 2021 bereits um 47 Prozent auf 2,80 Euro pro Kubikmeter erhöht wurde, dürfte dann bei 5,03 Euro pro Kubikmeter liegen – ohne höheren Personalaufwand und höhere Betriebskosten für die aufwendigere neue Kläranlage. Zum Vergleich: Weyarn liege derzeit bei 3,57 Euro, Miesbach bei 1,49 Euro. Greives Fazit: Über die verbrauchsbasierte Abwassergebühr sei die Umlage gerade mit Blick auf Großverbraucher fairer, aber auch teurer.
Option: Den Bau verändern
Die Position der BI war angesichts dieser durchaus realistischen Kostenbelastung klar: Die Gemeinde sollte ihr gewähltes Konzept überdenken und ein möglichst einfaches System wählen. Dann aber wäre die 500.000-Euro-Förderung hinfällig. Auch sollten Gebäudekubatur, Verfahrensschemas und alternativ der Anschluss an die Kläranlage in Bruckmühl noch mal überdacht werden. Eine Idee sei auch, das gereinigte Wasser nicht nur in den mit wenig Wasser ausgestatteten Kropfbach zu leiten, sondern auch in den Aufhamer Bach. Denn die geringe Wassermenge des Ersteren sei mitursächlich für den Neubau.
Insgesamt warb die BI dafür, dass die Gemeinde hier einen Arbeitskreis einsetzen soll, in dem sich auch Bürger einbringen können. Zusammen soll so nach einer kostengünstigen Lösung und einer bürgerfreundlichen Verteilung der Kosten gesucht werden.
ddy
