Ausfälle und Verspätungen

BOB-Fahrgästen und BEG reißt Geduldsfaden

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Den winterlichen Verhältnissen hielt der BOB-Betrieb in den vergangenen Wochen wiederholt nicht stand.
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Für die Bayerische Oberlandbahn (BOB) wird es nach massiven Störungen und Zugausfällen allmählich eng. Der Zorn der Fahrgäste steigt. Und die Bayerische Eisenbahngesellschaft zitiert die Geschäftsführung zum Rapport.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nicht nur viele Fahrgäste der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) sind am Ende ihrer Toleranz angekommen – auch der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) ist offenbar der Geduldsfaden gerissen. Die Institution, die im Auftrag des Freistaats den Regional- und S-Bahnverkehr in Bayern plant, hat die BOB-Geschäftsführung kurzfristig zu einem Krisengespräch am Freitag einbestellt.

In einer Mitteilung übt die BEG in ungewöhnlich scharfen Worten Kritik an der BOB und ihrer Muttergesellschaft Transdev. So ist von „Qualitätsproblemen in Form von Zugausfällen, unakzeptablen Zugkürzungen, mangelnden Fahrgastinformationen oder einer unzureichenden Disposition im Störfall“ die Rede. Im Fokus stehe das Oberlandnetz. „Es trifft zwar zu, dass zahlreiche Ausfälle und Einschränkungen seit Jahresbeginn zunächst auf eine mangelhafte Räumung durch die Infrastrukturbetreiber DB Netz und DB Station&Service zurückzuführen sind“, so BEG-Chef Thomas Prechtl. „Es hat sich dennoch erneut gezeigt, dass insbesondere das Störfallmanagement der BOB vollkommen unzureichend ist und die Fahrgastinformationen oftmals fehlerhaft, unvollständig und widersprüchlich sind.“

Diese Eindrücke bestätigen leidgeprüfte BOB-Nutzer aus dem Tölzer Land. „Seit Dezember ist es ganz besonders schlimm“, sagt eine Tölzerin, die täglich nach München zur Arbeit pendelt, gegenüber dem Tölzer Kurier. Am Montag etwa sei sie 50 Minuten zu spät zur Arbeit gekommen, und auch der Nachhauseweg habe eine Stunde länger gedauert als fahrplanmäßig. Am Dienstag dann habe sie morgens am Bahnsteig gestanden, um den Zug um 6.34 Uhr zu nehmen. Der aber fiel aus. Der nächste Zug um 7 Uhr habe dann 17 Minuten auf den verspäteten Gegenzug aus München gewartet. Besonders ärgert sie sich über offizielle Angaben, der Zug habe „nur“ 27 Minuten Verspätung gehabt. „Rechnet man die 30 Minuten Wartezeit wegen des ausgefallenen Zugs dazu, sind es doch 57 Minuten“, stellt sie klar.

Pendlerin: „BOB-Betrieb ist völlig unberechenbar“

Auch den Verweis auf witterungsbedingte Probleme lässt die Pendlerin nicht gelten. „Letzte Woche war es doch trocken und nicht besonders kalt. Aber die BOB ist trotzdem nicht pünktlich gefahren.“ Dass die „Zwischenzüge“ – also in der Mitte der vollen Stunde – ausfallen, sei gar an der Tagesordnung.

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Besonders entnervt ist die Tölzerin von falschen Anzeigen und Durchsagen am Bahnsteig. „Da heißt es zum Beispiel: ,Der Zug hat 32 Minuten Verspätung.‘ Alle Wartenden gehen daraufhin vom Bahnsteig weg – und was fährt ein? Die BOB!“ Ein anderes Beispiel: Auf der elektronischen Anzeige werde ein Zug mit vier Wagen angekündigt – es kommt aber nur ein Kurzzug. „Dann geht das Gerenne los.“ Häufig steige man dann – bereits durchgefroren nach langer Wartezeit am Bahnsteig – auch noch in einen ungeheizten Wagen ein. Weil der BOB-Betrieb so „völlig unberechenbar“ geworden sein, fühle sie sich oft nur noch „hilflos“.

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Auf der Facebook-Seite des Tölzer Kurier trug am Dienstag auch der Tölzer Enrico Machka eine „Kuriosität“ bei, die das häufige herrschende Chaos illustriert. Er schildert: „Wir kommen extrem verspätet aus Lenggries in Schaftlach an, und der Tegernseer fährt auch eben rein. Man wartet, dass die beiden Abteile koppeln – machen sie aber nicht.“ Solange habe der Fahrer die Türen nicht geöffnet. „Auf dem Nachbargleis steht der Zug nach Lenggries, der ja auf uns gewartet hat und fährt kurze Zeit später los – zwei Minuten nach Eintreffen des Tegernseer Teils. Anstatt dass man schnell die Schüler aus Tegernsee in Richtung Lenggries umsteigen lässt, fährt der Zug nach Lenggries weg, und die Schüler dürfen erst aus der Tür, nachdem der Zug weg ist. Die Schüler stehen nun also auf unbestimmte Zeit in Schaftlach.“

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Die BEG erklärt nun, sie habe in den vergangenen Jahren wiederholt Verbesserungsmaßnahmen von der BOB gefordert. Die Zuspitzung im Januar habe aber gezeigt, dass in dieser Hinsicht nicht genug geschehen sei. „Vor diesem Hintergrund erwartet die BEG konkrete Lösungsansätze, die bei zukünftigen Großstörungen (zum Beispiel Wintereinbrüche) für einen deutlich stabileren Betrieb sowie insbesondere zuverlässige Fahrgastinformationen sorgen.“

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