Kunstbunker ist verkauft

Der Brexit treibt Albrecht Widmann zurück nach Geretsried

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Sein Herz schlägt für die Kunst: Albrecht Widmann zieht im Frühjahr zurück nach Geretsried. Allerdings nicht in seinen Kunstbunker. Den hat er verkauft.
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Albrecht Widmann kehrt Großbritannien den Rücken und zieht zurück nach Geretsried. Der Stadt München hat der Kulturpreisträger außerdem ein Geschenk gemacht.

Geretsried – Noch lebt Albrecht Widmann (74) zusammen mit seinem Lebensgefährten Kenneth Barlow (82) in Bournemouth an der englischen Südküste. Aber es dauert nicht mehr lange, bis die Umzugskisten gepackt werden. Im Frühjahr möchten die beiden Männer nach Geretsried umziehen, „noch vor diesem nur destruktiven Brexit“, sagt Widmann am Telefon. Er und sein Partner haben sich eine Wohnung am Isardamm gesucht, die zum Teil auch schon eingerichtet ist.

Am Isardamm scheint sich Widmann wohlzufühlen. Dort lebte der Galerist, Theatermann, Kunstexperte und Tierschützer viele Jahre in einem Anwesen, das früher dem renommierten und inzwischen verstorbenen Stahl-Bildhauer Alf Lechner gehörte. Der ehemalige Kohlebunker aus der Zeit der Rüstungswerke direkt am Isarufer war eigentlich als Altersruhesitz gedacht. Doch es dauerte nicht lange, bis Widmann dort seine erste Ausstellung initiierte. Über Jahre organisierte der gebürtige Memminger mehrmals im Jahr hochkarätige Veranstaltungen in seinem Kunstbunker. Insgesamt 45 Ausstellungen stellte er auf die Beine. 2013 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Geretsried.

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Nach 14 Jahren war damit Schluss. „Ich schaffe das körperlich nicht mehr“, sagte Widmann vor vier Jahren im Gespräch mit unserer Zeitung. Er trennte sich von zahlreichen Skulpturen, Gemälden und Möbeln. Eine große Stahlskulptur von Alf Lechner, die vor dem Kunstbunker stand, schenkte er der Stadt Memmingen.

Dem heute 74-Jährigen wäre es am liebsten gewesen, wenn die Stadt den Kunstbunker gekauft und daraus ein Museum mit seiner Sammlung gemacht hätte. Die damalige Bürgermeisterin Cornelia Irmer habe ihm das auch per Handschlag versprochen, sagt Widmann. Irmers Nachfolger Michael Müller habe ihm allerdings deutlich zu verstehen gegeben, dass die Kommune den Preis dafür nicht bezahlen könne. 2015 ließ Widmann den Kunstbunker über ein Maklerbüro auf dem Immobilienmarkt anbieten. Kaufpreis für das „Künstlerhaus“: knapp drei Millionen Euro. Nun hat laut Widmann die Firma Krämmel die Immobilie erworben.

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Der 74-Jährige bedauert es nach wie vor, dass sich die Pläne für ein Kunstmuseum am Isardamm zerschlagen haben. „Es ist schade. Man hätte die Stadt um zehn Stufen weiterbringen können“, sagt Widmann mit Blick auf das Buchheim-Museum in Bernried am Starnberger See. 2018 hat er seine umfangreiche und millionenschwere Sammlung der Stadt München vermacht (siehe Kasten).

Die Rückkehr nach Geretsried sehnt Widmann herbei. Das beherrschende Thema in seiner Wahl-Heimat sei der Brexit. „Ich bin Europäer mit deutschen Wurzeln und einem deutschen Pass“, erklärt der 74-Jährige. „Und ich sage meine Meinung auch.“ Dafür werde er in Großbritannien angefeindet. Widmann: „Ich freue mich auf Geretsried und fühle mich als Geretsrieder.“

nej

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