Christian Müller im Interview

Chef der Münchner Wohnen: 2000 Wohnungen im Jahr derzeit nicht realisierbar

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Christian Müller von der Münchner Wohnen im Gespräch mit unserer Redaktion.
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Kaum eine Woche vergeht, in der es bei der Münchner Wohnen keinen Ärger gibt. Unsere Redaktion hat mit Chef Christian Müller gesprochen.

München – Die Münchner Wohnen (MüWo) kommt nicht aus den Schlagzeilen: Chefin Doris Zoller schmeißt hin, es gibt Ärger um hohe Heizkosten, teure Luxus-Apartments und den Bau von zu wenig günstigen Wohnungen. Unserer Redaktion hat MüWo-Geschäftsführer Christian Müller gefragt: Was ist da bei Ihnen los?

Herr Müller, macht Ihnen Ihr Job eigentlich noch Spaß?
Mir macht die Aufgabe große Freude. Die öffentliche Wahrnehmung ist das eine – intern läuft vieles sehr gut. Wir hatten zuletzt eine sehr erfolgreiche Betriebsversammlung mit rund 800 Teilnehmenden. Dabei wurde erneut deutlich, wie eng und vertrauensvoll die Zusammenarbeit innerhalb der Münchner Wohnen ist.
Das klingt ja sehr harmonisch. Aber es ist trotzdem so, dass das Unternehmen nicht so richtig zur Ruhe kommt. Insbesondere an der Spitze. Herr Lehner hat nach nicht mal vier Wochen hingeschmissen. Frau Zoller hat gekündigt. Wo㈠ran liegt das?
Bei Herrn Lehner kann ich das nicht genau sagen. Ich glaube, er hatte ganz andere Vorstellungen von einem kommunalen Wohnungsbauunternehmen, das eben nicht „kauft, um zu verkaufen“. Frau Dr. Zoller hat mir gegenüber persönliche Gründe genannt.
Und bei Ihnen gibt es eine Debatte, ob Sie als Sozialpädagoge geeignet sind, ein Wohnungsbauunternehmen zu führen.
Ich war Fraktionsvorsitzender der SPD im Rathaus und habe parallel beruflich schon über 700 Mitarbeitende geführt. Mein Studium ist zwar grundsätzlich für die Branche ungewöhnlich – aber ich habe fast 20 Jahre im Stadtrat das Thema Planen und Bauen intensiv begleitet. Da kennt man die Stadt und die Herausforderungen sehr genau. Zudem spielen die sozialen Herausforderungen innerhalb der Münchner Wohnen eine große Rolle.

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Es gibt auch Fragen, ob Ihr Gehalt von 250 000 bis 300 000 Euro angemessen ist. Verdienen Sie zu viel?
Die Verantwortung, die mit dieser Position einhergeht, ist enorm. Über 70 000 Wohnungen, über 1000 Mitarbeitende, hohe Bauvolumen, politische Erwartungen und dazu die soziale Verantwortung – und das Ganze in einem Fusionsprozess. Ich bringe dafür nicht nur politische Erfahrung mit, sondern auch jahrelange Führungserfahrung und tiefes Stadtwissen.
Die Fusion ist knapp über ein Jahr her. Sind GWG und Gewofag schon zusammengewachsen?
Die formale Fusion erfolgte am 1. Januar 2024, seit dem 1. Juli arbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als gemeinsames Team. Das Zusammenspiel funktioniert gut – aber natürlich gibt es noch Prozesse, die wir vereinheitlichen müssen.
Welche?
Die IT-Systeme, Verwaltungsstrukturen – oder auch das Hausmeistersystem, das wir vereinheitlichen wollen. Wir prüfen außerdem, ob wir bestimmte Gewerke wie Heizung und Sanitär selbst übernehmen, weil es zunehmend schwierig wird, Fachfirmen zu finden. Das würde bedeuten, wir stellen noch mehr eigene Handwerker ein.
Nennen Sie doch mal die drei wichtigsten Punkte, die auf kommunaler Ebene gelöst werden müssten.
Erstens mehr und verlässlichere Wohnbauförderung – da ist die Stadt aber auf einem guten Weg. Zweitens wünsche ich mir mehr Sachlichkeit in der politischen Debatte. Es hilft niemandem, wenn unsere Mieter für Skandalisierungen instrumentalisiert werden. Wir machen regelmäßig Mieterbefragungen – mit bis zu 30 000 Teilnehmern. Unsere Mieter wissen sehr genau, was gut läuft und wo es hakt. Drittens: Wir brauchen finanziellen Spielraum. Eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft sollte Rücklagen aufbauen.
Das heißt: Ist der Mieten-Stopp von OB Dieter Reiter noch angemessen?
Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Der Mieten-Stopp war und ist ein wichtiges Signal für den Schutz der Bestandsmieter – gerade in einer angespannten Lage wie in München. Gleichzeitig warten über 25 000 Haushalte auf eine Sozialwohnung. Wenn wir mehr Mittel hätten, könnten wir auch mehr bauen.
Aber voriges Jahr hat die Münchner Wohnen nur 800 Wohnungen fertiggestellt. Politische Ziel-Zahl sind 2000. Schaffen Sie das mit dem Mieten-Stopp?
Mit den derzeitigen Mitteln schaffen wir 1200 bis 1500 Wohnungen im Jahr. Wenn ich es entscheiden könnte, würde ich die Mieten moderat anpassen. Aber klar ist auch: Allein damit lässt sich der Wohnungsbau nicht ankurbeln. Wir brauchen mehr Förderung – von Stadt, Land und Bund.
Sie haben viel über Dinge gesprochen, die schon gut laufen. Trotzdem gibt es immer wieder Dinge, die nicht funktionieren, wie jetzt bei angeblich falschen Gasrechnungen.
Wir sind Teil einer politischen Auseinandersetzung. Es gab zum Jahreswechsel 2023/24 tatsächlich viele Beschwerden zu den Betriebskostenabrechnungen. Teilweise lag das an der Struktur: Damals war das Telefonsystem noch nicht optimal geregelt. Heute erreicht man in der Regel innerhalb von ein bis zwei Minuten eine Ansprechperson der Münchner Wohnen. Klar ist aber auch: Die Höhe der Energiekosten legen nicht wir fest – am Gaspreis können wir nichts ändern. Entscheidend für uns ist, dass wir unseren Mietern aktiv Unterstützung anbieten: Ratenzahlung, Sozialmanagement und auch Hilfe beim Gang zum Amt – das machen wir proaktiv. Das macht sonst kaum jemand.

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