VonTanja Brinkmannschließen
Die Wasserwacht Grainau muss am Eibsee immer mehr leisten. Doch die aufwendigen Einsätze belasten nicht nur psychisch, sondern auch finanziell. Hier hilft die Tagblatt-Weihnachtsaktion.
Wasser ist sein Element. Schon immer. Deshalb war für Sandro Leitner auch schnell klar, dass er zur Wasserwacht geht. Für den 38-Jährigen ist dieses Ehrenamt „noch immer ein toller Ausgleich zum Beruf“. Längst aber auch eines, das ihm und seinen Kameraden viel abverlangt. 20 Einsätze verzeichneten sie früher am Eibsee, „mittlerweile sind es um die 140 pro Jahr“. Darunter auch extrem anspruchsvolle, die an die Nieren gehen.
Die Suche nach einem Vater (33) und seinem sechsjährigen Sohn in diesem Juli zählt Leitner dazu. „Eine Woche bevor das passiert ist, haben wir noch darüber geredet, dass der letzte tödliche Unfall zehn Jahre her ist“, erzählt der Vorsitzende der Wasserwacht-Ortsgruppe Grainau. In der Regel sind er und sein Team jedes Jahr mit einem Ertrinkungsunfall konfrontiert, „aber meistens erwischen wir den Betroffenen noch rechtzeitig“. Davon sind sie auch in dem Fall ausgegangen. Die Mutter hatte sehr schnell vom Tretboot aus den Alarm abgesetzt, zu der Zeit befand sich ein Einsatztaucher an der Diensthütte der Retter. Eigentlich beste Voraussetzungen. „Zwei Minuten nach dem Notruf waren wir am Boot, der Taucher ist sofort runter“, erinnert sich Leitner. Aber: von den Vermissten keine Spur. „Wenn jemand unter Wasser ist, dann ist das Zeitfenster relativ kurz“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands, der zum 1. Januar 2026 das Zepter übernimmt. Entsprechend groß der Druck, der auf den Einsatzkräften lastete.
Tagelange Suche nach den beiden Ertrunkenen
Erst acht Tage später entdeckten Taucher die beiden vermissten Chinesen. In 24 Metern Tiefe, gar nicht so weit von der eigentlichen Unglücksstelle entfernt. Die massive Strömung, die Leitner zufolge untypisch für den Eibsee ist, hatte die Suche erschwert. Für zwei seiner Kameraden, die nach dem Einsatz länger eine psychosoziale Notfallnachsorge in Anspruch nahmen und auch mit Schlafstörungen zu kämpfen hatten, war es eine Erlösung, dass der Vater und der Sohn gefunden worden waren. Die tagelange Suche war aber nicht nur eine psychische Belastung für die Wasserretter, sondern auch für ihre Finanzen. „Abrechnen konnten wir davon nichts, das war für lau“, betont der Garmisch-Partenkirchner. Klar, für die Boote und Fahrzeuge gibt es einen Topf vom Freistaat. Für den Treibstoff, die Ausrüstung, die Unterwasserdrohne, das 3D-Sidescan-Sonar, Ortungsgeräte und vieles mehr müssen die Retter selbst aufkommen. „Dafür verkaufen wir wieder am Grainauer Christkindlmarkt Kasspatzen und dafür sind wir dringend auf Spenden angewiesen.“ Wie die aus der Tagblatt-Weihnachtsaktion.
Die Diensthütte am Eibsee ist wie alle anderen Wasserwacht-Unterkünfte ebenfalls aus eigener Kraft bezahlt worden. Für Leitner und seine Kameraden ist diese etwas ganz Besonderes. Schließlich können sie ihren Dienst dort mit ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung verbinden. Das Ehrenamt soll schließlich auch Spaß machen. In 937 Metern Höhe bekommen sie es im Lauf des Sommers mit einem breiten Spektrum an Hilfsanfragen zu tun – das reicht vom Radunfall über die allergische Reaktion auf dem Rundweg bis zum erschöpften Schwimmer. Regelmäßig üben sie dort mögliche Unglücksszenarien. Auch im Winter. Um noch besser gewappnet zu sein, wollen sie ein Airboot testen. „Damit könnten wir die Patienten relativ schnell übers Wasser und übers Eis bringen.“ Das Problem: Es ist sehr laut. Noch läuft die Abstimmung.
16 indische Touristen brechen im Eis ein
Im vergangenen März hätte ihnen dieses Gerät sicher gute Dienste erwiesen. 16 indische Touristen hatten sich auf den zugefrorenen See gewagt, spazierten darauf herum und brachen etwa 300 Meter vom Ufer entfernt ein. „Ein Horrorszenario“, sagt Leitner. Ihr Glück war, dass die Stelle von der Diensthütte aus gut zu sehen war. Erst eine Woche vorher hatten Wasserwacht und Feuerwehr dort oben den Ernstfall geübt. „Wir wussten also, wie dünn das Eis ist.“ Zu Fuß machten sich die Retter in Neoprenanzügen mit einem Eisrettungsschlitten zur Unglücksstelle auf. „Der Großteil hat sich selber aus dem Wasser gerettet“, sagt Leitner. Ersthelfer, die das Ganze vom Uferweg aus beobachtet und sich sofort ein Boot geschnappt hatten, zogen drei Menschen heraus. Darunter einen Schwerverletzten, der unter laufender Herzdruckmassage ans Ufer gebracht wurde. „Schwierig war, die Retter zu überzeugen, dass sie ihn aus dem vermeintlich sicheren Boot auf unseren Schlitten legen.“ Alles ging gut, was auch den Einsatzkräften half. „Das war unsere bisher größte Eisrettung“, betont Leitner. Die hinterließ bei seinem Team Spuren.
Entscheidend für sie ist, die Gefahr für die Retter immer möglichst gering zu halten. „Deshalb trainieren wir regelmäßig.“ Und sich nicht unter Druck setzen zu lassen – egal, wie hoch die Erwartungshaltung von außen ist. Noch gut erinnert sich Leitner an die Flutwelle im Höllental, die im August 2021 zwei Wanderer mitgerissen hat. „Die Eigengefährdung war da relativ hoch, auch wegen des Drucks, dass wir die doch finden müssen.“ In solchen Fällen sei es absolut wichtig, besonnen zu bleiben und nichts aus dem Bauch heraus zu entscheiden.
Wer helfen möchte,
die Retter von Berg- sowie Wasserwacht zu unterstützen, kann seine Spende – unter dem Stichwort Tagblatt-Weihnachtsaktion 2025 – auf eines der Konten der landkreisweit aktiven Bürgerstiftung Mehrwert überweisen. Die Stiftung unterstützt das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt wieder bei seiner Spendenaktion:
IBAN DE85 7009 3200 0200 0781 90 bei der VR-Bank Starnberg-Zugspitze (BIC: GENODEF1STH)
oder IBAN DE87 7035 1030 0011 1451 41 bei der Sparkasse Oberland (BIC: BYLADEM1WHM).
Das Geld wird unter den beiden Organisationen aufgeteilt und den Bereitschaften übergeben.
Alle Spenden sind zweckgebunden für unsere Aktion. Der Durchschlag des Überweisungsträgers wird bis zu 300 Euro vom Finanzamt als Zuwendungsbestätigung anerkannt. Für Spenden über 300 Euro stellt die Bürgerstiftung eine Spendenquittung aus. Geben Sie dazu Ihre vollständige Adresse bei Ihrer Überweisung an. Die Spender sollen im Tagblatt genannt werden. Wer das nicht möchte, möge auf seiner Überweisung „kV“ für „keine Veröffentlichung“ vermerken.
Sie haben gespendet: Gerhard und Margarete Mayer (25 Euro), Susanne und Wilhelm Pfeffer (150 Euro), Ekkehard und Doris Disser (50 Euro), Kord und Corinna Schmülling (250 Euro), Akustik- und Trockenbau Herrmann GmbH & Co. KG (300 Euro), Johann Heiland (30 Euro), Dr. Friedrich Brenner (1000 Euro), Günther Müller (50 Euro), Brigitte Gilg (30 Euro), Petra und Georg Mayr (25 Euro) sowie Christiane und Thomas Knöpfle (100 Euro). Von Spendern, die namentlich nicht genannt werden wollen, sind zudem 250 Euro eingegangen.

