VonAlexandra Korimorthschließen
27 Haltestellen, 33 ehrenamtliche Fahrer: Ab sofort rollt der Waakirchner Bürgerbus von Marienstein bis Piesenkam durch den gesamten Gemeindebereich. Die Mitfahrt ist kostenlos. Mit einer Feier wurde der Neun-Sitzer-Bus am Samstag eingeweiht.
Waakirchen – Die Idee für einen Bürgerbus, der Ortsteile der Gemeinde Waakirchen miteinander verbindet, entstand schon vor Jahrzehnten. Jetzt wurde sie Realität. Am Samstag schickten die Waakirchner in Marienstein einen Neun-Sitzer-Bus an den Start. „Es ist ein wundervoller Tag für Waakirchen“, freute sich Bürgermeister Norbert Kerkel mit rund 100 Gästen, Dies weniger mit Blick auf das warme Frühlingswetter – es ermöglichte sozusagen das erste Straßenfest des Jahres mit Freiluftkonzert durch die Musikkapelle Marienstein –, als darauf, dass ein „lang gehegter Wunsch endlich in Erfüllung“ gegangen sei.
Gemeinsam mit seinen Stellvertretern begrüßte der Rathaus-Chef die Gäste, darunter Andrea Ladewig, die Leiterin der Stabsstelle Mobilitätsentwicklung am Landratsamt, Gemeinderäte und den Initiator des Bürgerbusses, Eckard Schmitt. Schmitt habe sich kurz nach Kerkels Amtsantritt gemeldet und im Rathaus die erste Konzeptidee für einen Bürgerbus dargelegt, berichtete er.
Dreh- und Angelpunkt sind die ehrenamtlichen Fahrer
„Der Dreh und Angelpunkt dabei waren die ehrenamtlichen Fahrer“, erinnert sich Kerkel. Die machten so ein Unterfangen erst möglich. Der Gemeinderat befasste sich mit dem Konzept, verglich verschiedene Versionen des Projekts, prüfte die Finanzierbarkeit, gewann auf Vermittlung von Landkreis-Leadermanager Simon Kortus Studierende für eine Bürgerbefragung und gab schließlich grünes Licht.
27 Haltestellen im Gemeindegebiet
Schmitt baute derweil unermüdlich einen Pool von jetzt 33 Fahrern auf, die alle mit Theorie- und Praxisunterricht von der Fahrschule Raab auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden. Er wertete deren Ideen wie auch die Anregungen und Wünsche aus der Bürgerbefragung aus. Schmitt erarbeitete eine Linienführung und einen Fahrplan, den der Mobilitätsausschuss der Gemeinde nach der studentischen Arbeit der TU München noch verfeinerte (wir berichteten). Und: Schmitt gewann in der Bürgerschaft Unterstützer – sogenannte Haltestellen-Paten, nach denen die insgesamt 27 beschilderten Haltestellen unter anderem benannt sind, und die bei der Finanzierung des Bürgerbusses und seines Betriebs helfen. Diese liegt ansonsten bei der Gemeinde.
Bürger fahren für Bürger
Nicht umsonst stehe heute auf dem Bus ‚Bürger fahren Bürger’“, stellte Kerkel stolz fest. „Die Waakirchner brauchen nichts für diesen Service bezahlen. Sie können einfach einsteigen und mitfahren“, freute er sich, wies aber auch auf die im Bus aufgestellte Spendenkasse hin. Neben Schmitt als Initiator und Motor, den Fahrern und Spendern galt der herzlichste Dank des Rathaus-Chefs dem Gemeinderat und hier insbesondere ABV Gemeinderat Martin Weingärtner.
Der hatte als „Fahrzeug-Fachberater“ bei der Ausschreibung und auch beim Leasing des Interim-Modells, einem Neun-Sitzer-VW-Bus inklusive Kindersitz und Sitzerhöhung geholfen. Der von der Gemeinde gewünschte und auch bestellte E-Bus hat nämlich eine Lieferzeit von bis zu zwölf Monaten und kommt voraussichtlich erst im Oktober.
„So lange wollten wir nicht warten, sondern schnellstmöglich die Linie betreiben“, erklärte Kerkel den Umstand, dass am Samstag ein Diesel-Fahrzeug eingeweiht wurde.
Sehr humorvoll und bürgernah – was mit Applaus gewürdigt wurde – machten sich der katholische Pastoralreferent Christoph Mädler und der evangelische Religionspädagoge des Pfarrverbands Tegernsee/Rottach-Egern/Kreuth, Klaus Beckel, ans Werk, segneten den Bus (Zitat Beckel: „Das gilt dann auch für das E-Ding, wenn’s dann da ist“) und alle Menschen, die drinsitzen werden, sowie alle Anwesenden.
Appell: Nutzt den Bus!
„Es hat viele Mühen und Durchhaltevermögen gekostet. Aber jetzt ist es soweit“, sagte Schmitt erleichtert. Auch er erhielt dankbaren Applaus von seinen Mitbürgern. Der Initiator machte aber auch klar: „Der Bürgerbus funktioniert nur, wenn wir den Bus auch nutzen. Das Angebot ist kostenlos. Also bitte nutzen sie es viel!“
Kerkel wies darauf hin, dass der Fahrplan zum Bürgerbus dem Bürgerboten zu entnehmen und auf der Homepage der Gemeinde herunterladbar sei. Er erwarte eine Lernkurve hinsichtlich der Nutzung, schloss aber auch ein Nachjustieren am Konzept nicht aus.
Zunächst aber sei er einfach froh, dass der Bürgerbus künftig alle Ortsteile – selbst die am weitesten voneinander entfernten Marienstein und Piesenkam – miteinander verbindet. Da, wo es bisher keinen oder nur unzureichenden ÖPNV gegeben habe, stehe nun ein Angebot zur Verfügung: „Jetzt starten wir und sehen, ob und wie gut es funktioniert.“
