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Ein Freisinger Traditionsbetrieb steht unschuldig vor dem Ruin. Schuld sind auch die Behörden, die zu spät Anzeige erstattet haben. Ein Kommentar von FT-Redakteur Manuel Eser.
Freising - Wieder war das Landratsamt Freising im Fischskandal zu spät dran. Wir erinnern uns: Der Anglerverein Moosburg hatte von dem Fischzüchter aus dem Landkreis Dachau im September 2018 Fische bezogen. Jenem Mann also, der nun angeklagt ist, seine Speisefische mit dem verbotenen Arzneimittel Malachitgrün behandelt zu haben.
Vom Landratsamt gewarnt wurden die Fischer aber erst im Januar, obwohl der Behörde viel früher bekannt war, dass mit den Fischen etwas nicht koscher ist. Monatelang aßen die Moosburger Forellen, die erheblich mit dem als krebserregend geltenden Malachitgrün belastet waren.
Die Bevölkerung wurde ohnehin nicht informiert - angeblich, weil von den verseuchten Fischen und den verunreinigten Gewässer keine gesundheitlichen Gefahren ausgehen. Hätte das Landratsamt die Vorgänge von sich aus veröffentlicht, hätte die Behörde dieser Botschaft mehr Glaubwürdigkeit verliehen. Stattdessen ist es einem Wissenschaftler zu verdanken, dass die Freisinger über die Belastung der Moosach informiert wurden.
Professor Jürgen Geist von der TU Weihenstephan hatte sich an die Medien gewandt. In Alarmstimmung geriet der Inhaber des Lehrstuhls für aquatische Systembiologie nicht nur, weil auch er und seine Studenten Signalkrebse gegessen hatten, sondern weil beim Tag der Offenen Tür im Herbst 2018 Kinder in der Moosach gespielt hatten. Geist kritisierte zu Recht, dass über den Vorfall nicht transparent informiert worden war.
Damit nicht genug: Jetzt versäumte es das Amt, das mit Müller-Brot schon Erfahrung in Sachen Lebensmittelskandale gesammelt hat, rechtzeitig Anzeige wegen Gewässerverunreinigung zu stellen. Die Anzeige ging am 9. Mai raus, drei Tage, nachdem die Presse von der Staatsanwaltschaft erfahren hat, dass der mutmaßliche Täter nun angeklagt werde - allerdings nur wegen Verstoßes gegen das Arzneimittel- und Lebensmittelgesetz. Die Anzeige der Behörde mutet somit eher als Feigenblatt an denn als ernsthaft gemeinte Initiative.
Oder haben Behörden und Staatsanwaltschaft einfach nicht genügend miteinander kommuniziert? Statt die Lebensader Wasser angemessen zu schützen und einem unschuldig in Existenznot geratenen Traditionsbetrieb zu helfen, sind die entsprechenden Stellen jedenfalls damit beschäftigt, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben - egal ob Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt, Staatsanwaltschaft oder Umweltministerium.
Die Krone setzt dem Ganzen Landrat Josef Hauner auf. Der verließ kürzlich einen Termin mit den flapsigen Worten, dass er sich jetzt noch um grünlich gefärbte Fische kümmern müsse. Die Sorge von Bürgern und die Existenzängste von Menschen auf diese Weise ins Lächerliche zu ziehen, zählt zum Allerschlimmsten, das ein Politiker machen kann.
