Eine Lösung mit teuren Haken

Betroffene empört: Um Moosach von Malachit zu reinigen, müssen nun Züchter zahlen

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Obwohl die Fischzüchter Peter Baumgartner (Bild) und Benjamin Nadler keine Schuld tragen an der Belastung der Moosach, müssten sie die Sanierungskosten erst mal selbst stemmen.
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Die Moosach ist noch immer mit Malachit belastet. Das Wasserwirtschaftsamt empfiehlt, Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Das Problem: Zahlen müssen die Züchter.

Freising – Noch immer ist die Moosach mit Malachit belastet. Noch immer kann daher der Freisinger Fischzüchter Peter Baumgartner keine Fische aus seinen Teichen verkaufen und keine neuen Setzlinge in das Flusssystem einbringen. Das Wasserwirtschaftsamt empfiehlt den betroffenen Züchtern nun, vorgeschaltete Absetzteiche zu installieren. Doch die Lösung birgt gleich mehrere Haken.

Schlammige Sedimente mit Malachit belastet

„Mit Malachit belastet sind die zum Teil schlammigen Sedimente, die aufgewirbelt und durch die abgeleitete Wasserzuführung in die Fischzuchten eingetragen werden“, erklärt Christian Leeb, Leitender Baudirektor des Wasserwirtschaftsamtes. Das FT wollte wissen, wie die Moosach aus fachlicher Sicht saniert werden könnte. Leeb empfiehlt sogenannte Absetzteiche. Dadurch könne der Eintrag der Belastung vermieden werden. Die Anlage müsste wohl nicht extra angelegt werden. „Es könnte der erste Teich nach dem Zulauf geleert und am Auslauf mit einer Drossel versehen werden. Das dürfte vergleichsweise günstig sein.“

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Der Haken: Obwohl die Fischzüchter Baumgartner und Benjamin Nadler überhaupt keine Schuld tragen an der Belastung der Moosach, müssten sie die finanziellen Aufwendungen dafür erst einmal selbst stemmen. Und dabei handelt es sich nicht nur um die Kosten für die Installationen am Teich, wie Baumgartner betont. „Da geht es auch um die Entsorgung des belasteten Schlamms. Und die geht immens ins Geld.“ Auch Leeb bestätigt: „Aus unserer fachlichen Sicht ist das belastete Sediment zu entnehmen und fachgerecht zu entsorgen. Dazu muss Teich für Teich entleert werden.“ Auf FT-Nachfrage, wer für die Kosten an dem Absetzbecken aufkommen muss, erklärt der Mann vom Wasserwirtschaftsamt: „Zur haftungsrechtlichen Frage kann ich als Nicht-Jurist nichts sagen.“ Er räumt aber ein: „Die Ansprüche müssten zivilrechtlich geltend gemacht werden.“

Um Schadensersatzansprüche durchzusetzen, wäre es für die betroffenen Betriebe aber wichtig, dass der Schuldige an der Verunreinigung der Moosach auch verurteilt wird. Das Problem: Der Züchter Bernd Kiffner, der seine Fische mutmaßlich mit dem verbotenen Arzneimittel Malachit behandelt hat, wurde von der Staatsanwaltschaft gar nicht wegen Gewässerverunreinigung angeklagt, sondern nur wegen Verstößen gegen das Arzneimittel- und Lebensmittelgesetz.

„Jetzt kommen sie drauf“

Wie das Wasserwirtschaftsamt ebenfalls mitteilte, muss der „Verursacher“ bereits Maßnahmen umsetzen, die einen weiteren Eintrag belastete Materials aus seiner Anlage verhindern sollen. „Am Ende der Anlage des Verursachers wird der letzte Teich bereits als Absetzteich genutzt“, berichtet Leeb. „Dadurch sollte der Austrag von belasteten Schwebstoffen schon deutlich reduziert werden.“ Die Auswirkungen im Gewässer würden vom Wasserwirtschaftsamt geprüft. Ergebnisse würden aber noch nicht vorliegen.

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Nach Angaben des Amts wurde diese Maßnahme „unverzüglich“ nach einer Besprechung mit dem Landratsamt und den beteiligten Behörden am 20. Mai umgesetzt – zwei Wochen nach der Anklageerhebung, mehr als einen Monat, nachdem die Belastungswerte für die Moosach feststanden, und neun Monate, nachdem der erste Malachit-Vorfall bekannt wurde. Baumgartner kann daher über die Maßnahme nur den Kopf schütteln. „Jetzt kommen sie darauf. Jetzt, wo sich das Malachit über Monate hinweg überall im Wasser verteilt hat.“

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