Zeltlager in Freising

Es geht ums „große Ganze“: So reagieren Klima-Camper auf Beschimpfungen im Internet

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Mahlzeit: Miteinander zu essen, gehört im Camp dazu. Die Zutaten kommen vom Foodsharing oder sind Spenden von Bioläden, die die Ware nicht mehr verkaufen können.
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In Freising haben Engagierte ein Zeltlager errichtet. Vor allem bei Facebook werden sie dafür zum Teil unter der Gürtellinie kritisiert. Dazu haben die Aktivisten eine klare Meinung.

Freising – Voneinander lernen, Erfahrungen austauschen, Bewusstsein schaffen: Seit dem Wochenende haben einige Engagierte unter dem Dach des Solidarisches Netzwerks Freising (SNF) wie berichtet auf der Grünfläche an der Johannisstraße in Freising ein kleines Zeltlager errichtet. Dort dreht sich alles um das Thema „Klimagerechtigkeit leben“. Ihr Ziel ist, mit den Freisingern ins Gespräch zu kommen und sie für ihre Anliegen zu sensibilisieren.

„Viele finden es super, was wir machen“

Bevor die Camper am Freitag ihre Zelte abbrechen, kann jeder, der will, vorbeikommen, um sein Rad zu reparieren, beim Nähworkshop mitzumachen, Kleider und Bücher zu tauschen oder einfach miteinander zu reden. „Einige waren schon da“, berichtet Zoe Pickl. Die 21-Jährige ist bei einem Besuch am Mittwochmittag eine von etwa zehn engagierten Frauen und Männern im Camp, der Großteil studiert in Freising. „Viele, die kommen, finden es super, was wir machen, und bringen sich ein.“

Natürlich gebe es auch die, die kein Verständnis für die Aktion hätten. Insbesondere in den sozialen Netzwerken, etwa in der Facebook-Gruppe Treffpunkt Freising, wird über die Aktivisten mitunter unter der Gürtellinie geschimpft. Für Pickl und ihre Mitstreiter ist das nichts Neues. „Kritiker erwarten, dass jemand, der sich für Nachhaltigkeit und Klimaschutz einsetzt, zu 100 Prozent alles richtig machen muss.“

„Klar hätten wir in den Urlaub fliegen können - aber...“

Dabei würden die, die sich am meisten aufregen, selbst meist gar nichts machen. Auf solche Reaktionen versucht die Gartenbaustudentin beschwichtigend zu reagieren. „Wir hören zu, erklären unseren Standpunkt und wollen einfach zeigen, dass man auch mit kleinen Sachen viel bewirken kann.“ Klimaschutz sei ein Aspekt, aber es gehe um das „große Ganze“, um Offenheit, Toleranz, Gemeinschaft und Solidarität. Pickl betont: „Die meisten hier haben gerade Semesterferien. Klar hätten wir in den Urlaub fliegen können. Aber wir sind gern in Freising geblieben.“

Das Zeltlager sei in Eigeninitiative entstanden, jeder komme für seine Kosten auf. Auf dem Platz gibt es ein Mülltrennsystem – „und natürlich nehmen wir den Abfall am Ende der Woche wieder mit“. Übrigens: Das Camp wurde im Vorfeld angemeldet und genehmigt. Weil sich Bürger über die beiden falsch abgestellten Autos, die zum Transport genutzt worden waren, beschwert hätten, habe man die Camper darauf hingewiesen, berichtet Berna Üsküplü vom Ordnungsamt. Die Polizei sei auch vor Ort gewesen – und hätte ebenfalls ihr Okay gegeben.

Kommentar zu Fridays for Future und dem Thema „Klimagerechtigkeit leben“

Der weltweite Klimastreik, an dem sich in Freising 1800 Menschen beteiligt haben, hat es bewiesen: Die Fridays-for-Future-Bewegung ist groß – und sie lässt sich nicht unterkriegen. Nicht mehr nur Schüler, sondern alle Generationen treten für die Zukunft des Planeten ein. Und wer da sofort mit dem Finger zeigt und schimpft, dass diese Menschen dann nie wieder ein Plastikteil kaufen oder in den Urlaub fahren dürfen, dem sei gesagt: Wer gar nichts macht, macht freilich auch nichts falsch. Aber es geht nicht darum, dass nur der hundertprozentige Einsatz richtig ist. Es ist wichtiger, dass Tausende viele kleine Schritte tun, als dass einige wenige alles perfekt machen. Wer sich das nächste Mal über engagierte Menschen aufregen will, sollte sich stattdessen fragen, was er denn selbst für eine lebenswerte Zukunft tut.

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