VonVolker Ufertingerschließen
Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Die Gemeinde hat wieder ihre Fundräder versteigert, darunter ein hochwertiges Mountainbike für 480 Euro.
Gauting – Mountainbikes sind weiß Gott nicht billig. Für ein topmodernes Teil wie ein Cube Stero Pro muss man um die 2000 Euro locker machen. Bei der Fundradversteigerung der Gemeinde hat Frank Promberger genau eine solches schnittiges Gefährt ersteigert – für gerade mal 480 Euro. „Mega“, sagte er, als nach einer Proberunde auf dem Gautinger Bauhof abstieg. „Da muss man gar nicht viel machen.“ Er freute sich diebisch über die Rock Shox Federgabel, den Fully und all den Schnickschnack, der in dem Rad verbaut war. Dann fragte er sich: „Wer lässt denn so etwas einfach liegen?“ Dem Gautinger war es am Ende egal. Das edle Gefährt gehörte jetzt ihm, und damit basta.
Solche Schnäppchen waren am vergangenen Donnerstag am Bauhof an der Grubmühlerfeldstraße jede Menge zu machen. Über 70 Räder kamen unter den Hammer, von Antiquitäten wie einem uralten Damenrad der Firma Viktoria über Nostalgieräder bis hin zu alten Kraxen, in die man sicher noch ein bisschen investieren muss. Das teuerste Rad lag bei 480 Euro, das billigste bei 3,50 Euro. Doch auch damit fuhr der neue Besitzer ohne Probleme vom Hof, dank einer Luftpumpe, die sich irgendwo fand.
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Alle zwei Jahre versteigert die Gemeinde die Räder, die offenbar niemand mehr braucht. Dazu gehören vor allem solche, die am Bahnhof in Gauting und in Stockdorf wochen- und monatelang herumstehen. Irgendwann hängt ein Zettel dran, der Besitzer möge sich doch melden, sonst kommt das Rad weg. Wenn sich auch dann niemand rührt, wird das herrenlose Rad aufbewahrt – und kommt unter den Hammer. So auch am Donnerstag. Ab 16.30 Uhr konnte man die Räder in einer Garage des Bauhofs an der Grubmühlerfeldstraße inspizieren, und um 17 Uhr wurde es ernst mit dem ersten Gebot – einem Kinderfahrrad.
Es war der Pressesprecher der Gemeinde, Andreas Röming, der ein Fahrrad nach dem anderen aus der Garage holte und es geduldig festhielt, bis sich ein Käufer fand. Und es war die Naturschutzbeauftragte der Gemeinde, Michaela Thiel, die sich als Auktionatorin betätigte. Dabei legte sie ein erstaunliches Verkaufstalent an den Tag. „Mit fünf Euro sind Sie dabei“, rief sie den etwa 30 Gautingern zu. Tatsächlich lag das Mindestgebot bei fünf Euro – nur wenn sich niemand meldete, ging man damit runter.
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Auch wusste die Rathausmitarbeiterin geschickt, die alten Räder anzupreisen, indem sie auf attraktive Einzelheiten hinwies, etwa einen neuen Sattel oder einen neuen Einkaufskorb. „Wenn sie die neu kaufen, sind sie doppelt so teuer wie das ganze Rad hier.“ Wer will da schon Nein sagen? Insgesamt kamen 2170 Euro zusammen, jeder Euro für den guten Zweck. Genauer gesagt: Für die Haerlin’sche und Ludwig und Marie Therese-Sozialstiftung, die Gautinger Bürger in wirtschaftlichen und persönlichen Notlagen unterstützt.
Sein Traumrad hat am Donnerstag Frederic Seifert gefunden. Er fährt grundsätzlich lieber Damenräder, weil sie bequemer sind. 170 Euro hatte er bar dabei, das eine oder andere Mal musste er deshalb aussteigen. Am Ende bekam er den Zuschlag für ein senfgelbes KTM. Kostenpunkt: 35 Euro. „Ich bin total happy“, sagte er. Angetan war er vor allem von dem Dynamo und der Lampe. Dass er es eifrig nutzen wird, steht schon fest, vor allem an die Würm und zum Bahnhof. „In Gauting braucht man kein Auto“, findet er.
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Apropos Bahnhof: Bewusst auf der Suche nach S-Bahn-Rädern für ihre Männer und Söhne waren am Donnerstag Sabine Bender und Stephanie von Geldern. Die eine ergatterte ein Pegasus für 75 Euro, die andere ein Flek für 35 Euro. „Uns sind schon öfter Mal Räder am Bahnhof geklaut worden“, erzählt von Geldern. „Jetzt nutzen wir eben diesen Kanal.“ Dafür bot die Auktion die perfekte Gelegenheit.



