„Wo bleibt die Aufenthaltsqualität?“

Neue Mitte: Darum kritisiert FDP-Abgeordneter die Pläne für die Egerlandstraße

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Umstritten: Die Tiefgaragenzufahrt an der Egerlandstraße – hier in einem ersten Entwurf

„Hoch problematisch“ sieht der FDP-Landtagsabgeordnete Sebastian Körber die Pläne für die Egerlandstraße in Geretsried. Das liegt vor allem an einem Bauwerk.

Geretsried Der Vorsitzende des Ausschusses für Wohnen, Bau und Verkehr, von Beruf Architekt, nahm auf Einladung des FDP-Ortsverbands Wolfratshausen-Geretsried am Mittwochabend in den Ratsstuben Stellung zur „Neuen Mitte“.

Der Karl-Lederer-Platz soll im Herbst eingeweiht werden. Gleich im Anschluss geht es weiter mit der Neugestaltung der Egerlandstraße. Die Baugenossenschaft Geretsried (BG) will dort im November ihre Wohnblöcke abreißen, um an ihrer Stelle ein neues Wohn- und Geschäftshaus zu errichten. Im April 2020 will die Stadt die Sparten verlegen, also Strom- und Telefonleitungen, Gas- und Wasserrohre aus dem Baustellenbereich verlagern. Denn unter der Egerlandstraße wird eine weitere Tiefgarage entstehen. Stadt und BG rechnen mit zweieinhalb bis drei Jahren Bauzeit.

Sebastian Körber ist FDP-Landtagsabgeordneter und Architekt.

Die Problematik besteht für Körber darin, dass die Tiefgaragenein- und ausfahrten mitten auf der wichtigen Durchfahrtsstraße Egerlandstraße liegen. „Wo bleibt die Aufenthaltsqualität bei so viel Verkehr? Wo sollen die Radfahrer hin?“, fragte der Bauexperte. Die Zufahrten mitten auf der Straße sind seiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn man den Durchgangsverkehr mittelfristig aus der Stadt bringt. Ansonsten würde er sie lieber auf das Baugrundstück der BG legen. Zwei weitere Kritikpunkte brachte der Außenstehende an: Die vorgesehenen Kurzzeitparkplätze erscheinen ihm zu wenige. Gerade Bäcker, Apotheken und kleinere Läden seien auf sie angewiesen. Als Architekt gefallen ihm die Pläne für das Sparkassen-Gebäude nicht. Wie berichtet soll es abgerissen und durch einen achtgeschossigen Turm ersetzt werden. Diese Höhe schlägt zumindest der Gestaltungsbeirat vor. Die Sparkasse selbst hat an sechs Stockwerke gedacht. „Das neue Haus sollte sich der Umgebung anpassen. Sonst überzieht man es“, meinte Körber. In der Diskussion wurde beklagt, dass sich in Körbers Ausführungen „alles nur um die Autos“ gedreht habe. Eine Anwohnerin regte an, doch einen anderen Ansatz zu finden, um die Stadt „etwas ruhiger“ zu machen. Sie sprach sich für eine Fußgängerzone aus. Andere Zuhörer baten darum, Radfahrer, körperlich eingeschränkte und alte Menschen nicht zu vergessen. FDP-Stadtrat Günther Fuhrmann, zugleich Behindertenbeauftragter des Stadtrats, versicherte, die Barrierefreiheit sei ein wichtiger Punkt bei den Planungen.

Für die Geschäftsleute wird die dreijährige Baustellenzeit sicher eine enorme Belastung darstellen. Frederik Holthaus, Inhaber des Isar-Kaufhauses, betonte, er stehe der Zentrumsneugestaltung positiv gegenüber. Er fürchte jedoch, dass er während der Bauzeit „viele Kunden, besonders aus dem Umland“ verlieren werde. Fuhrmann kritisierte in dem Zusammenhang, dass „alles so geplant ist, wie es für den Investor am günstigsten ist – ohne Rücksicht auf die Geschäftsleute“.

Eine am Fasanenweg ansässige Hals-Nasen-Ohren-Ärztin erinnerte daran, dass auch die Arztpraxen unter der Baustelle leiden würden. Insbesondere in ihrem Fall seien keine Hörtests möglich, wenn etwa Spundwände eingezogen würden. Es müsse unbedingt gewährleistet sein, dass der Notarzt jederzeit vorfahren könne. FDP-Mitglied Edmund Häner schließlich wünscht sich mehr Aufklärung für die Bürger seitens der Stadt über Zeitpläne und bauliche Details.

Interessengemeinschaft „Pro Egerlandstraße“ reicht Klage ein

Die Interessengemeinschaft „Pro Egerlandstraße“ hat wie angekündigt eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan Egerlandstraße (115.I/2) beim Münchner Verwaltungsgericht eingereicht. Das teilt der Sprecher der Initiative, Isarkaufhaus-Inhaber Frederik Holthaus, mit. Die Interessengemeinschaft (IG) führt wie berichtet seit längerer Zeit Verhandlungen mit der Baugenossenschaft (BG) über mögliche Ausgleichszahlungen an ihre Mitglieder während der Bauzeit der Tiefgarage unter der Egerlandstraße in den Jahren 2020 bis 2023. 

Für spätere, eventuell mögliche Zivilklagen gegen die BG ist vorher die Anfechtung des Bebauungsplanes mit einer Normenkontrollklage als juristische Voraussetzung zwingend notwendig. „Wir haben Bürgermeister Michael Müller über die Einreichung de Klage am 23. Mai vorab informiert“, erklärt Holthaus in einer E-Mail an unsere Zeitung. Müllers Initiative sei es zu verdanken, dass es zu den nun andauernden, erweiterten Verhandlungen mit der BG gekommen sei. Über den Stand der Verhandlungen hätten beide Seiten, IG und BG, Stillschweigen vereinbart.

tal

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