Serie: Das Rathaus im Rampenlicht

Geretsrieder Rathaus: Im Keller gibt es ein süffiges Geheimnis

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Steinplatten, feuerfeste Schränke und alte Bunkertüren: Der Keller im Rathaus ist alles andere als gewöhnlich.

Vom Rand ins Rampenlicht: Das Rathaus soll Mittelpunkt der „Neuen Mitte“ werden. Zeit, das denkmalgeschützte Gebäude näher zu betrachten. Heute geht es in den Keller.

Geretsried – Das Rathaus ist für den Parteiverkehr ausgelegt. Ob zum Einwohnermeldeamt, in die Abteilung Bauen, zum Stadtoberhaupt oder in den Sitzungssaal – das Verwaltungsgebäude steht Bürgern offen. Es gibt aber auch Gänge und Räume, in die kaum einer kommt, zum Beispiel den Keller.

Vom Rathausinnenhof geht eine Tür ab, durch die die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz betreten. Hier melden sie sich über einen Chip für die Zeiterfassung an. Und von hier aus gelangen sie über einige Stufen hinunter zur Kaffeemaschine. Unterhalb des Rathauses gibt es aber noch vielmehr zu entdecken: Der Vollautomat steht in einer Bar. „Hier ist es angenehm kühl“, sagt Ute Raach, geschäftsleitende Beamtin, und knipst das Licht an. Es riecht nach der Holzvertäfelung, mit der der „Sozialraum“ verschalt ist.

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In der Küche hinter der Kaffeemaschine und den aufgereihten Christkindlmarkt-Tassen hat die Hausmeisterin früher ein günstiges Mittagessen für die Mitarbeiter von auswärts zubereitet. Heute werden die heimeligen Sitzgruppen immer noch für die Pause genutzt, verrät Raach. „Hier wird sich auch für den Firmenlauf umgezogen und die letzten Müslis und Bananen vor dem Start gegessen.“ Für Verabschiedungen und Geburtstage kommen die Beschäftigten ebenfalls in dem Kellerraum zusammen, der von Elch Oskar an der Wand bewacht wird und der mit den Schals verschiedener Fußballklubs dekoriert ist.

Bitte setzen: In der Rathausbar wird donnerstags der Feierabend eingeläutet.

Die Barhocker an der Theke kommen nicht von ungefähr. Jeden Donnerstag wird hier der Feierabend eingeläutet. „Am langen Behördentag“, erklärt die Geschäftsleiterin. Die Tradition besteht seit Bürgermeister Heinz Schneider. Im Kühlschrank gibt es Bier und Wasser. Wer etwas nimmt, macht einen Strich auf der Tafel daneben. Allerdings wird aktuell ein neuer „Bierwart gesucht“, wie ein Zettel auf der weißen Tür vermeldet. „Es werden auch kleine Wettkämpfe ausgetragen“, sagt Raach. Wer die Blindverkostung gewinnt, wird zum Bierkönig gekürt und es gibt ein Schafkopfrennen mit Polizei und Feuerwehr.

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Die Bar war einmal größer. Hinter den Tischen und Stühlen trennt heute allerdings eine Holzwand einen zweiten Raum ab. Die Beamten kommen nämlich nicht nur zum Ratschen, Spielen und Feiern in den Keller. Dort lagern auch diverse Akten. Im Bar-Separee reiht sich Bauakte an Bauakte – und das sind längst nicht alle. „Jedes Haus in Geretsried ist dokumentiert“, erklärt Raach. Von dem langen, gefliesten Flur mit stellenweise wackligen Steinplatten am Boden gehen weitere Räume ab, in dem unter anderem die Finanzverwaltung und die Bauverwaltung ihre Dokumente ablegen. „Belege müssen wir zehn Jahre aufbewahre“, so die Geschäftsleiterin.

Akten über Akten: Ute Raach, geschäftsleitende Beamtin, im Archiv.

Die schwere Metalltür vor einer Registratur- und Archivfläche erinnert daran, dass sich hier einmal ein Luftschutzbunker befand. Er bietet heute Schutz für Unmengen an Papier in Ordnern und Schubfächern und für eine Rarität. In der Ecke steht ein Mikrofichelesegerät. Es vergrößert Seiten, die miniklein auf Negativen gespeichert sind, zum Ausdrucken. sw

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