Flüchtlingszahlen steigen

Mehr Anfragen an Asylhelferkreise - „Wir wissen damit umzugehen“

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Zuhause auf Zeit: Seit Ende 2016 betreibt die Regierung von Oberbayern die Gemeinschaftsunterkunft in Geretsried. In einem der beiden Gebäude kommen seit Anfang des Jahres ehemalige Ortskräfte aus Afghanistan unter. Der Landkreis sucht aktuell Grundstücke, damit die Regierung weitere Unterkünfte bauen kann.
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Die Flüchtlingszahlen in Deutschland und damit in den Landkreisen steigen. Das wirkt sich auch auf die Asylhelferkreise in Wolfratshausen und Geretsried aus.

Wolfratshausen/Geretsried – Für viele überraschend ist neben dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise ein weiteres Thema auf der politischen Bühne aufgeschlagen. Es kommen immer mehr Geflüchtete nach Deutschland. Die Auffanglager der Regierung sind voll, es haben wieder Zuteilungen an die Landkreise begonnen. „Die Situation ist schlimmer als 2015“, sagte Landrat Josef Niedermaier kürzlich. Die Helferkreise in den beiden Städten rechnen dementsprechend damit, dass auch der Bedarf an ehrenamtlicher Unterstützung steigt.

Geretsried/Wolfratshausen: Steigende Flüchtlingszahlen, mehr Anfragen an Asylhelferkreise 

Ines Lobenstein, die den Wolfratshauser Asylhelferkreis leitet, stellt bereits eine Zunahme an flüchtenden und hilfesuchenden Menschen fest. Sie sieht das aber gelassen. „Der Helferkreis ist stabil. Wir wissen, damit umzugehen.“ Aus diesem Grund lässt sich die Lage aus Lobensteins Sicht nicht mit der Flüchtlingskrise von 2015 vergleichen. „Wir sind jetzt ganz anders aufgestellt.“ Damals gab es keine Flüchtlinge wie heute, die bereits integriert sind und nun als Kulturübersetzer einspringen. Auch engagieren sich in Wolfratshausen schon jetzt ungefähr 100 Ehrenamtliche. Der Verein unterstützt schätzungsweise 300 Menschen hauptsächlich aus der Ukraine, Syrien, Afghanistan und Nigeria. Spezielle Einrichtungen im Landratsamt und in der Stadt mit hauptamtlichen Experten sowie jeder Menge Erfahrung stehen parat. All das habe es 2015 noch nicht gegeben, so Lobenstein. „Und so oder so: Wir müssen es schaffen, mit neuen Gegebenheiten umzugehen. Daran führt kein Weg vorbei.“

Ein Problem, das Lobenstein bisher noch nicht lösen konnte, ist die Wohnungsnot in Wolfratshausen und Umgebung. Die Sozialpädagogin betont: „Eine erfolgreiche Integration kommt durch fehlenden Wohnraum schnell ins Wanken.“

Ehrenamtliche können sich bei Interesse an Helferkreise wenden

Vermehrte Anfragen nach ehrenamtlicher Unterstützung bekommt in diesen Tagen auch Hannah Schreyer, die in Geretsried im Trägerverein Jugend- und Sozialarbeit für die Koordinationsstelle „Integration aktiv“ zuständig ist. Deswegen sucht der Helferkreis „wieder fleißige Helfer“, sagt Schreyer. Auch unter den ehemaligen afghanischen Ortskräften, die in Geretsried leben, sei der Bedarf groß. „Dabei geht es darum, beim Ausfüllen von Dokumenten oder Anmeldungen zu helfen oder unterstützend da zu sein, wenn etwas zum ersten Mal anfällt, etwa eine Krankschreibung in der Kita.“

Aktuell sind 150 Frauen und Männer im Verteiler des Geretsrieder Helferkreises, so Schreyer. „Um die 30 sind aktuell aktiv, weitere helfen bei Veranstaltungen.“ Insbesondere für die Menschen aus der Ukraine hat sich ein stabiles Netz gebildet. „Viele organisieren Sprachkurse, es gibt Familienbetreuungen oder die Helfer sind als Kontakt für Fragen da“, erklärt Schreyer. Besonders hilfreich sei, dass es in der Gruppe einige gibt, die Russisch sprechen. Sie stemmen auch regelmäßig Info-Vorträge, die sie selbst organisieren, etwa über den Arztbesuch in Deutschland oder Rundfunkgebühren. Wer sich im Geretsrieder Helferkreis engagieren möchte, kann sich bis 4. November für das nächste Vernetzungstreffen anmelden. Es ist für Donnerstag, 10. November, um 17 Uhr geplant. Weitere Infos per E-Mail an helferkreis@jugendarbeit-geretsried.de.

Jeder Helfer kann individuellen Interessen und Stärken einbringen

Wer Lust habe, sich im Wolfratshauser Helferkreis zu engagieren, dem rät Lobenstein: „Mache das, was dir Spaß macht.“ Diese Einstellung, neue Mitarbeiter zu gewinnen, basiert auf Erfahrung. „Wenn wir Menschen nur für spezifische Tätigkeiten suchen, bleiben die nicht lange bei der Stange.“ Deswegen könne jeder Helfer seine eigenen Interessen und Stärken einbringen. „So hat sich auch die tolle Vielfalt entwickelt, die wir im Helferkreis haben.“

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