Fahrrad statt Auto: Die Gemeinde Gmund will den Bürgern den Umstieg aufs umweltfreundliche Verkehrsmittel erleichtern. Dazu gibt‘s jetzt ein eigenes Konzept. Autofahren soll künftig die Ausnahme sein.
Gmund – Was läge näher im staugeplagten Tegernseer Tal, als vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen? Diese Frage stellte sich auch die Gemeinde Gmund. Der Arbeitskreis „Verkehr“ der Bürgerbewegung Agmunda nahm sich des Themas an und erarbeitete für die Gemeinde ein Konzept zur Optimierung der Infrastruktur für Radfahrer. Die Ideen wurden nun in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. Die Gemeinde visiert in diesem Zusammenhang auch eine Mitgliedschaft in der bayernweiten Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) an.
„Bei der Verkehrsproblematik sind wir alle Täter und Opfer zugleich“, erklärte Gmunds Bürgermeister Alfons Besel (FWG). Bei den Leitlinien für ein Verkehrskonzept müsse man über den Tellerrand hinausschauen und die Maßnahmen verzahnen. „Da geht es nicht nur um höhere Parkgebühren oder mehr Parkraum, sondern auch um mehr Attraktivität von Bus und Bahn durch bessere Taktung und einfacheres Tarifsystem“, machte der Bürgermeister deutlich. Das Auto sollte idealerweise nur noch in Ausnahmefällen benutzt werden.
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Dorit Guttenberg vom Arbeitskreis Verkehr stellte das Konzept für eine fahrradfreundliche Gemeinde vor, das in Kooperation mit Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter Mobilität am Landratsamt Miesbach, entwickelt worden war. „Als konsequente Radlerin weiß ich aus eigener Erfahrung, wo Sicherheit für Radler fehlt“, erklärte Guttenberg. Zudem habe sie von einer Tour durch Schweden viele positive Anregungen mitgenommen. „Unser Ziel ist es, auch die Schwachen zu stärken, also diejenigen, die sich bisher nicht getraut haben, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu nutzen“, machte sie deutlich.
Ein generelles Problem im Wegenetz seien die vielerorts lückenhaften Radwege, bemängelte Guttenberg. Hier brachte das Konzept eine Alternative zu Fahrradwegen ins Spiel: auf der Straße eingezeichnete Fahrradschutzstreifen, die an Gefahrenzonen wie etwa Straßeneinmündungen rot unterlegt sind. „Die sind kostengünstig, schnell hergestellt, und man hat keinen zusätzlichen Flächenverbrauch. Außerdem gibt es keinen Ärger wegen Grundstücksverhandlungen“, zählte Guttenberg die Vorteile auf.
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Als Infrastrukturmaßnahme an Bahnhöfen der BOB sieht das Konzept überdachte und beleuchtete Fahrrad-Parkplätze vor; ebenso wurden Ladestationen für E-Bikes vorgeschlagen. Ein Übersichtsplan über das Wegenetz und eine Beschilderung ausgewiesener Strecken sind ebenfalls Ziele des Arbeitskreises.
Für bereits vorhandene Strecken wurden konkrete Verbesserungsvorschläge unterbreitet, beispielsweise der Ausbau des durch das Mangfalltal nach Gmund führenden Wasserweges, des westlich von Moosrain zum Gmunder Berg verlaufenden Radweges oder der Radstrecke, die von Hauserdörfl nach Kaltenbrunn hinunter führt. Auch eine Optimierung des Abschnitts von der Holzer Straße zum Gmunder Berg wurde angeregt, ebenso wie die Verlängerung des Radwegs südlich der Bundesstraße bis zum Bahnhof Gmund.
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Ein weiterer Vorschlag wäre ein Radweg von der Brücke zum Volksfestplatz, „dann würden die Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern am Seeuferweg entfallen“. Von einem Radweg entlang der Bahntrasse von Moosrain in den Ort und von Holzkirchen nach Gmund war ebenfalls die Rede. „Aber das dauert noch lange“, meinte die Referentin mit Blick auf die Planung. Wert legte Gutenberg vor allem auf fest installierte Geschwindigkeits-Messstellen zur „Disziplinierung des Kraftverkehrs und zum Schutze der Bürger“.
Durch die geplante Wegeführung werde der Autoverkehr automatisch ausgebremst, begrüßte Grünen-Rätin Helga Wagner die Vorschläge. „Zu 100 Prozent wird man das alles kaum umsetzen können, teils sind sicher Kompromisse nötig“, gab der Rathauschef zu bedenken. Zunächst aber wurde das Konzept vom Gemeinderat einstimmig befürwortet.
Stefan Gernböck