13 Bergsteiger sicher ins Tal gebracht

Nichts geht mehr im Höllental: Heftiges Gewitter erschwert Einsatz für Bergretter in Bayern

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Widrige Bedingungen: Im Höllental sind die Rettungskräfte und die Bergsteiger dem Wetter voll ausgesetzt.
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Marathon für die Einsatzkräfte in Grainau: Unter schwersten Bedingungen holten die Bergretter bei dem heftigen Gewitter am Samstag 13 Alpinisten aus dem Höllental.

Grainau – Vom Sonnalpin über den Gipfel gelangte die Gewitterfront am Samstag ins Höllental und entlud sich dort mit einer Heftigkeit, die überraschte. „Eine relativ scharfe Nummer“ nennt Bereitschaftsleiter Toni Vogg junior, der berufsbedingt nicht vor Ort war, das Ganze. Angesichts des Unwetters, das mit starkem Wind und Hagel einherging, mussten sich seine Kameraden sogar zeitweise in Sicherheit bringen. Denn eines ist klar: „Wir begeben uns nicht in Lebensgefahr“, betont sein Stellvertreter Franz Dörfler.

Eher harmlos fing der Einsatz-Marathon an. Gegen 16.40 Uhr erreichte der Notruf die Retter, dass sich ein Mann am Höllentalferner einen Fuß verletzt hatte. Mit dem Hubschrauber Christoph Murnau flogen zwei Luftretter dort hin, konnten den Patienten schnell sichern und für den Abtransport vorbereiten. Währenddessen beobachteten sie, wie ein anderer Bergsteiger abrutschte und in eine Gletscherspalte kurz unter ihrer Position fiel. Der erste Verletzte sowie seine beiden Begleiter wurden daraufhin von der Hubschraubercrew per Winde abgeholt, parallel dazu bereiteten die Retter die Spaltenbergung vor.

Unwetter zieht über die Alpen hinweg – Bergsteiger suchen Schutz unter Felsvorsprüngen

Im Tal machten sich derweil zwei weitere Kräfte bereit. Aufgrund des schneller als erwarteten Wetterumschwung konnten sie nur noch im unteren Bereich des Gletschers abgesetzt werden. „Minuten später zog ein heftiges Gewitter ins Höllental und zwang alle zur sofortigen Einsatzunterbrechung“, verdeutlicht Dörfler das Szenario. „Wir haben umgehend Schutz unter Felsvorsprüngen sowie in der Randkluft gesucht und mussten knapp anderthalb Stunden bei Starkregen und Steinschlag verharren.“

Erst danach steig das Team von unten zur Spalte auf und sicherte den Verunglückten. In einem kleinen Wetterfenster holten Christoph Murnau sowie der ebenfalls alarmierte Rettungshubschrauber RK2 alle Retter, den Bergsteiger aus der Spalte mit drei Begleitern und zwei weitere Alpinisten vom Gletscher. Alle Betroffenen wurden wegen Unterkühlung und leichten Blessuren ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen gebracht.

Rasend schnell ist der Hammersbach zu einem reißenden Fluss angeschwollen.

Unterdessen hörten die Retter von vier weiteren Personen im oberen Bereich des Höllentalklettersteigs, die wegen des Unwetters nicht mehr aufsteigen konnten. „Aufgrund der großen Lage wurden über unsere App alle Einsatzkräfte der Bergwacht Grainau alarmiert, sodass in sehr kurzer Zeit weitere neun Retter mit der Seilbahn auf die Zugspitze fahren konnten“, sagt Dörfler. Von dort stiegen sie zu Fuß zu den Blockierten ab, um diese nach oben zu führen.

Ein kurzes Wetterfenster erlaubte spontan nochmal den Einsatz des RK2, der sowohl die Bergsteiger als auch die Retter ins Tal flog. Zwei weitere Personen, die im Gipfelbereich von Deutschlands höchstem Berg um Hilfe gebeten hatten, schafften es schließlich aus eigener Kraft nach oben. Gegen Mitternacht war der herausfordernde Einsatz für die Bergretter beendet.

Hagel, Hitze und Blutregen: Wetterphänomene in Bayern – 25 spektakuläre Bilder

Hitzewelle, Kinder laufen durch die Wasserfontänen des Stachusbrunnens, Karlsplatz, München, August 2024 Deutschland, Mü
Bei der Hitze muss man sich den Regen herdenken: Deshalb springen viele Kinder in den Stachus-Brunnen. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Touristen und Münchner sitzen am Fischbrunnen, Wassertropfen blitzen im Sonnenlicht, Marienplatz, München, 12. August 20
Den Anfang macht die Hitze: Hier knallt die Sonne auf den Marienplatz. Münchner und Touristen genießen die Wärme am Fischbrunnen.  © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Saharastaub in München: Hier sind Rathaus und Marienplatz in rotes Licht getaucht
Es war ein spektakuläres Wetterphänomen: Südwestwinde haben vergangenes Jahr Saharastaub nach Nieder- und Oberbayern getragen – und das Rathaus in ein unwirkliches orange-rotes Licht getaucht. Danach kam der „Blutregen“: Der Namen kommt von der rötlichen Farbe des Sandes, der durch den Niederschlag zu Boden geschwemmt wird. © IMAGO/Offenberg
Saharastaub auf der Autoscheibe, Blick auf die Münchner Frauenkirche, München, 17. März 2022 Deutschland, München, 17.03
Vom Himmel legte sich der Saharastaub auf alles nieder. Durch eine dreckige Scheibe kann man die Münchner Frauenkirche gerade noch so erkennen. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber
Dramatisches Naturschauspiel über dem Himmel von Augsburg: Ein Sommergewitter ist im Anmarsch.
Dramatisches Naturschauspiel über dem Himmel von Augsburg: Ein Sommergewitter ist im Anmarsch. © IMAGO / Alexander Rochau
Blitze zucken am Himmel hinter Türkheim im Allgäu.
Blitze zucken am Himmel hinter Türkheim im Allgäu. Im Sommer kommt es zu Gewittern, wenn warme und kalte Luftmassen aufeinander treffen. © IMAGO / MiS
Sturmwolken über Frieding in Bayern
Hier braut sich ein Sturm über Frieding in Bayern zusammen. Sturm entstehen durch Temperaturunterschiede: Die leichtere warme Luft schiebt sich dabei über die schwerere kalte Luft. © IMAGO / blickwinkel
Foehnsturm ueber den Nordalpen, im Vordergund der Chiemsee mit glatter Wasseroberflaeche
Ein Föhnsturm über dem Chiemsee. Am häufigsten kommt der Föhn im Frühjahr und Herbst vor. © IMAGO / blickwinkel
Die Ortschaft Wertach im Oberallgäu in Nebelschwaden
Herbstzeit ist Nebelzeit. Das Wetterphänomen entsteht, wenn der in der Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert. So wie hier in der Ortschaft Wertach im Oberallgäu. © IMAGO / imagebroker
Die Türme der Stadt Straubing (Niederbayern) im Morgennebel The towers of the town of Straubing (Lower Bavaria) in the m
Wenig sieht mystischer aus als Türme, die aus dem Nebel ragen. Durch das warme Morgenlicht sieht die Stadt Straubing in Niederbayern immerhin nicht gruselig aus. © IMAGO/imagebroker
Kühe liegen an einer trockenen Wasserstelle auf einer dürren Weide
Dürreperioden und extreme Hitzewellen werden immer häufiger. Auch für Tiere eine Herausforderung - wie für diese Kühe, die an einer trockenen Wasserstelle auf einer Weide liegen. © IMAGO/A. Hartl
Kammlach, Bavaria, Germany - June 16, 2024: A dry corn field with young corn plants growing out of cracked, dry soil. Sy
Fruchtbare Erde sieht anders aus: Auf einem Maisfeld in der Gemeinde Kammlach im Unterallgäu ziehen sich tiefe Risse durch den dürren Boden. © IMAGO/Bihlmayerfotografie
Wolkenformation mit vollständigem Regenbogen über Augsburg nach einem Regenschauer
Ein perfekter Regenbogen über Augsburg: Das farbenrohe Wetterphänomen entsteht, wenn die Regentropfen auf Sonnenlicht treffen. ©  IMAGO / Alexander Rochau
Winterregenbogen mit tiefem Neuschnee bei Sonnenaufgang Winter rainbow with deep fresh snow at sunrise Copyright: imageB
Deutlich seltener sieht man Regenbogen in Verbindung mit Schnee, das macht es um so besonderer – wie hier bei Balderschwang. © IMAGO/imagebroker
Abendroter Himmel bei Tabertshausen in bayern
Ein gern gesehenes Wetterphänomen: Das Abendrot. Denn: „Abendrot: Schön-Wetterbot“!  © IMAGO/MARTIN ERDNISS
Kaiserburg Nürnberg im Sonnenuntergang, 11.10.2024 Die Kaiserburg in Nürnberg erstrahlt im intensiven Licht eines herbst
Vor diesem Wetterphänomen muss man sich keinesfalls im Haus verstecken, im Sommer sollte man sich eher raussetzen, um es zu beobachten. In Nürnberg sieht das Abendrot über der Kaiserburg geradezu märchenhaft aus. © IMAGO/Ardan Fuessmann
Einsatzkräfte versuchen, Gullys in einer überschwemmten Straße in Ottobrunn freizulegen
Hochwasser und Überschwemmungen sind Auswirkungen von heftigem Starkregen infolge immer extremerer Wetterlagen. Hier versuchen Einsatzkräfte, Gullys in einer überschwemmten Straße in Ottobrunn freizulegen.  © IMAGO / Bernd März
Hochwasser in Passau am 05.06.2024. Ueberflutete Uferpromenade in der Altstadt, Ein umgestuerzets Fahrrad liegt im Wasse
Die Hochwasserkatastrophe im Frühsommer 2024 hinterließ starke Schäden in weiten Teilen Bayerns. Als Stadt, in der drei Flüsse zusammenfließen, war Passau besonders betroffen. © IMAGO/Sven Simon
Ein heftiger Hagelschauer ging im Juni bei Memmingen ab
Um Steinheim bei Memmingen fielen im Juni 2022 Hagelkörner von bis zu vier Zentimetern Größe vom Himmel.  © IMAGO/B&S/Bernd März
Russia Weather 8736435 30.07.2024 A woman demonstrates hailstones following a hail storm in Kazan, Republic of Tatarstan
Verursacht werden derartige Hagelschauer mit solchen großen Körnern oft durch sogenannte „Superzellen“: Das sind riesige und langlebige Gewitterwolken.  © IMAGO/SNA
Eine Mutter kommt mit ihren beiden Kindern auf der Theresienwiese in ein Unwetter mit kräftigen Regenschauern
Ein Unwetter mit heftigem Regenschauer hat eine Mutter mit ihren Kindern auf der Theresienwiese überrascht. Durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu einem Wechsel aus extremer Hitze und heftigen Regenfällen. © IMAGO / Smith
Extremer Starkregen und heftige Gewitter zogen in den Abendstunden über die Alpen hinweg. Besonders dramatisch war die L
2024 war für Südbayern sogar das nasseste Jahr seit 1950, teilte die Bayerische Staatsregierung mit. © IMAGO/Bernd März
Eine dicke Schneeschicht bedeckt Autos und Fahrräder in der Sendlinger Straße.
Wenn der Schnee sogar in der Innenstadt liegen bleibt: Hier bedeckt eine dicke Schneeschicht Autos und Fahrräder in der Sendlinger Straße.  © IMAGO / Lindenthaler
Snowshoeing, Schneeschuhwandern on the trail Hochmoor in the ski arena Oberjoch with mountains Iseler, Wannenjoch, on Ma
Für Freizeitsportler ein Highlight: Der viele Schnee in den Bergen des Freistaats bringt die Bayern in die Natur.  © IMAGO/ActionPictures
Sogenanntes Haareis bildet sich bei perfekten Bedingungen an totem Holz
Dieses Naturphänomen entsteht nur bei perfekten Bedingungen: Wenn totes Holz von Regen mit Wasser getränkt ist und es Temperaturen um die Null Grad hat – dann bildet sich sogenanntes Haareis. © IMAGO/Dominik Kindermann

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Feuerwehr kontrolliert Brücken über den Hammersbach

Zu dem Zeitpunkt war das Geschehen im Tal längst unter Kontrolle. Anwohner aus Hammersbach hatten sich kurz vor 19 Uhr bei der örtlichen Feuerwehr gemeldet, weil der Bach rasant anstieg. „Es war auch brutal viel Wasser“, bestätigt Josef Keller. Deshalb machten sich der stellvertretende Kommandant und 50 weitere Kräfte auf, um insbesondere die Brücken zu kontrollieren. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, betont Keller. Zur Absicherung standen 13 Wasserretter bereit.

Als Glück erwies sich aber, dass der Bach mittlerweile ausgebaut ist. „Sonst hätte es schlimm ausgeschaut“, sagt Keller. Wie stark, das ansonsten still vor sich hin plätschernde Gewässer in einer solchen Situation wird, zeigte sich auch daran, dass einige Flussbausteine rausgerissen wurden. Vorsorglich haben Keller und seine Kameraden den Bereich bis zur Eingangshütte der Höllentalklamm kontrolliert. Gegen 21 Uhr war alles geschafft. Am heutigen Montag begutachten sie den Bachverlauf noch einmal mit Experten des Wasserwirtschaftsamtes.

Zur Absicherung sind Wasserretter, hier im Ortsteil Hammersbach, den Einsatzkräften der Feuerwehr zur Seite gestanden. Auch Bagger standen vor Ort vorsorglich bereit.

Die Klamm selber bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Durch das anschwellende Wasser wurden nach Auskunft des Alpenvereins einige Geländer und Brücken in Mitleidenschaft gezogen. „Nichts Dramatisches“, betont ein Vertreter der Sektion Garmisch-Partenkirchen. Die Reparatur soll schon heute beginnen.

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