VonDieter Dorbyschließen
In den Fall der drei Wandgemälde im ehemaligen Gasthof Altwirt im Miesbacher Ortsteil Parsberg kommt Bewegung. In einer Gesprächsrunde mit dem Bürgermeister wurde das weitere Vorgehen besprochen.
Wie berichtet, sollen die von Kunstmaler Josef Stallhofer 1939 sowie 1967 geschaffenen Motive auf einen neuen Träger übertragen werden, weil das Gebäude im März 2023 abgerissen werden soll. Dabei stellte sich vergangene Woche im Rahmen der Bezuschussung durch die Stadt im Finanzausschuss heraus, dass auf dem Bild „Miesbacher Honoratioren beim Kartenspiel“ zwei der vier abgebildeten Herren eine „nicht unproblematische“ NS-Vergangenheit haben sollen. Die beiden anderen Motive – „Der Viergsang musiziert“ mit Kiem Pauli und Sepp Sontheim sowie die „Parsberger Bauernrunde“ – seien dagegen unbedenklich, wie es in der Sitzung hieß.
Die Anhaltspunkte dazu sollen jetzt von Stadtkurator Alexander Langheiter detailliert zusammengestellt werden. Das ist ein Ergebnis eines Gesprächs, das Bürgermeister Gerhard Braunmiller am Mittwoch mit dem Vorsitzenden des Parsberger Trachtenvereins d’Rohnbergler, Andreas Schöttl, Kämmerer Josef Schäffler, der Rektorin der Parsberger Grundschule, Judith Ströhla, Kulturamtsleiterin Isabella Krobisch, Archivarin Barbara Wank und Langheiter geführt hat. „Das wir aufbereitet“, sagt Braunmiller. Vor allem soll geklärt werden, in welchem Umfang Emil Hinterdobler und Braumeister Wiedemann tatsächlich NS-Aktivitäten nachweisen lassen. „In der Sitzung fiel auch die Bezeichnung ,Nazi-Größen‘. Das wollen wir klären und einordnen.“
Enkel (72) möchte Belege für NS-Verdacht sehen
Das ist absolut im Sinn von Walter Hinterdobler. Der 72-Jährige lebt in Reichersbeuern (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und ist ein Enkel von Emil Hinterdobler. „Mein Großvater war ab Juni 1938 ein Lokalschriftleiter bei den Münchner Neueste Nachrichten“, erzählt er. „Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde sie umbenannt in NS-Zeitungsblock. Er war dort angestellt bis zu seinem Tode 1943.“
Guter Ruf in der Familie
Warum sich Walter Hinterdobler nicht vorstellen kann, dass an den Vorwürfen etwas dran ist: „Es gibt in der Familie keine Hinweise oder Unterlagen zu einer NS-Parteizugehörigkeit oder solcher Aktivitäten.“ Zudem habe der Großvater in der Familie einen sehr guten Ruf gehabt, „auch hinsichtlich der NS-Zeit“, sagt der Enkel. „Für mich sind das glaubwürdige Aussagen, aber natürlich kann es auch anders gewesen sein. Aber dann muss die Stadt auch Ross und Reiter nennen und bitte die entsprechenden Belege vorlegen.“
Überrascht am Frühstückstisch
Erfahren hatte Hinterdobler von der Geschichte beim Frühstück am Samstag bei der Zeitungslektüre: „Ich habe zu meiner Frau gesagt: Du, das ist doch der Opa!“ Er selbst habe den Großvater nicht mehr kennengelernt, sein Andenken will Walter Hinterdobler dennoch bewahren und die Vorwürfe nicht einfach so stehen lassen.
Kurator verweist auf Nachruf von einst
Langheiter wiederum verweist auf einen Nachruf, in dem Emil Hinterdobler als „Parteigenosse“ bezeichnet wurde, aber wohl eher ein Mitläufer gewesen sei. Die Grundlagen wolle man auch gerne dem Enkel mitteilen.
Die Absicht, die „Honoratioren“ in der Parsberger Grundschule aufzuhängen, ist vom Tisch. „Das Standortkonzept des Trachtenvereins wird überarbeitet“, sagt Braunmiller. Die Schule solle nicht mehr darin vorkommen. Die sei im ersten Grobkonzept nur vorübergehend bis zur Generalsanierung angedacht gewesen, „aber eigentlich passt sie nicht – unabhängig vom NS-Thema.“ Eigentümer der Gemälde bleibt der Trachtenverein.
ddy
