VonAndreas Steppanschließen
Die Heilbrunner CSU ist überzeugt: Dass das alte Kurhaus abgerissen ist, sei letztlich Innenminister Joachim Herrmann zu verdanken. Als der Politiker am Montag zu Gast war, bat Bürgermeister Thomas Gründl abermals um Hilfe.
Bad Heilbrunn – Im Konflikt um die Zukunft der Heilbruner Leonardisklinik hat Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann um Unterstützung ersucht. Bei einem Besuch des Politikers am Montagabend sagte Gründl: „Ich habe an Sie die große Bitte: Sprechen Sie ein Machtwort, dass der dortige Mietvertrag nicht verlängert wird.“
Wie berichtet geht es um die Frage, ob die ehemalige Klinik nach dem 4. April 2019 für weitere zwei Jahre als Asylunterkunft vorgehalten wird. Zu diesem Stichtag läuft der Mietvertrag zwischen Eigentümer Wolfgang Kling und dem Landratsamt aus. Der Vertrag enthält jedoch die Option auf zwei Jahre Verlängerung – wovon Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) gerne Gebrauch machen möchte. Er möchte gerüstet sein, falls wieder mehr Asylbewerber unterzubringen sind. Die Gemeinde hingegen will, dass die Asylunterkunft aufgelöst und auf dem Gelände ein Bauvorhaben für Mehrfamilienhäuser mit seniorengerechten Wohnungen umgesetzt wird. „Wohnungen für die ältere Generation sind das, was uns fehlt. Und durch Umzüge dorthin würden im Ort auch wieder Einfamilienhäuser und Wohnungen für junge Familien frei“, sagte Gründl.
Was die Asylunterkunft betrifft, „hatte uns der Eigentümer zugesagt, dass nach drei Jahren Schluss ist“, erklärte der Bürgermeister. Bad Heilbrunn habe außerdem in dieser Hinsicht „seine Schuldigkeit getan: Wir waren die erste Gemeinde im Landkreis, die Asylbewerber aufgenommen hat und haben zusammen mit den Kirchengemeinden als erste einen Runden Tisch gegründet, mit dem wir Integration leben.“
Innenminister Herrmann bat um Verständnis, dass er sich zur Frage der Vertragsverlängerung „hier und heute nicht festlegen“ könne. „Das muss ich fairerweise erst mit dem Landkreis besprechen.“ Fakt sei jedenfalls, dass von Monat zu Monat weniger Geflüchtete in den Asylunterkünften im Freistaat leben. Im ersten Halbjahr 2018 seien noch 11 000 Asylbewerber nach Bayern eingereist, während fast 8000 das Land wieder verlassen hätten – teils freiwillig, teils abgeschoben. Herrmann: „Wir sind über den Berg und haben keine Anzeichen, dass es wieder mehr werden.“ Deswegen könnten allerdings „nicht schlagartig alle Unterkünfte geschlossen werden“. Um zu entscheiden, „wann welche Unterkunft geschlossen wird, braucht es ein Gesamtkonzept, damit es fair abläuft“, so der Innenminister. Er versprach aber, dem Heilbrunner Anliegen nachzugehen.
Die Leonardisklinik liegt im Heilbrunner Sanierungsgebiet im Ortskern – die Ortsmitte war auch das eigentliche Thema des Gesprächs mit dem Minister, zu dem eine größere Schar von CSU-Vertretern aus dem Landkreis und interessierter Bürger auf der Fläche des abgerissenen Kurhotels zusammengekommen waren. CSU-Ortsvorsitzender Josef Schwaller sowie Gründl erinnerten daran, dass Herrmann fast auf den Tag genau vor fünf Jahren – also vor der vergangenen Landtagswahl – in Heilbrunn zu Gast gewesen war.
Damals baten die Heilbrunner den Minister um Hilfe im Konflikt mit Max Hoefter, dem Eigentümer des Kurhotels, das seinerzeit als Bauruine mit schwarz vernagelten Fenstern den Ortskern verschandelte. „Wenn Ihr Besuch nicht gewesen wäre, würde das Kurhotel noch heute stehen“, sagte Schwaller. „Vom Landratsamt haben wir dagegen keine Hilfe bekommen“, beschwerte sich Gründl.
Bald nach Herrmanns Stippvisite in Bad Heilbrunn lud Innenstaatssekretär Gerhard Eck damals zu Mediationsgesprächen ein. An deren Ende stand bekanntlich der Verkauf des Kurhotels an die Gemeinde, die den Schandfleck abreißen lassen konnte und jetzt freie Bahn für die Gestaltung seiner Ortsmitte hat.
Gründl hatte am Montag auf der leeren Kiesfläche symbolisch einen Fensterrahmen aufgebaut, durch den sich ein Blick auf Heilbrunns Zukunft auftun sollte. Was durch das Fenster zu sehen war, war die Allee im Kurpark. „Wir wollen ein Dorf bleiben. Freiflächen, Parks und die Durchgängigkeit sind das, was Bad Heilbrunn ausmacht“, so der Bürgermeister. „Wir müssen behutsam vorgehen.“
Beim Realisierungswettbewerb zur Ortsmitte, an dem sich 13 Architekten beteiligt hatten, sei „nicht das Gelbe vom Ei dabei gewesen“. In den kommenden Monate würden der Gemeinde aber Pläne zur Gestaltung der Ortsmitte vorliegen, die mit dem Gemeinderat und den Bürgern diskutiert würden. Falls Minister Herrmann bei seinem Besuchsrhythmus in Bad Heilbrunn bleibt, „dann können wir ihnen in fünf Jahren hoffentlich zeigen, was wir geschafft haben“.
