VonMagnus Reitingerschließen
Mit hauchdünner Mehrheit hat der Stadtrat einen Anbau fürs Weilheimer Stadtmuseum abgelehnt. Ein solcher würde das Stadtbild verschandeln, bemängelten die Gegner. Wie es nun in dieser Frage weitergeht, ist offen – zumal ein kurioses Versehen zum Abstimmungsergebnis führte.
Weilheim – Die Gemengelage war mehr als schwierig, als Weilheims Stadtrat am Donnerstagabend eine Entscheidung in Sachen „Stadtmuseum“ fällen sollte. Im Zuge der seit langem beschlossenen Sanierung und Neugestaltung soll der denkmalgeschützte Museumsbau am Marienplatz ja eigentlich unterkellert werden. Doch archäologische Untersuchungen ergaben, dass dies wegen wertvoller Kulturschichten im Untergrund aufwendig und teuer würde. Um die dadurch entstehenden Mehrkosten von mindestens 500.000 Euro zu vermeiden, war überraschend die Idee eines Anbaus aufgekommen.
Alleine könnte die Stadt das Vorhaben nicht stemmen
Der einstöckige Anbau solle zwischen Museum und Stadtpfarrkirche entstehen und statt des vorderen Museumsteils unterkellert werden, so das Votum des Bauausschusses vor zehn Tagen. Denn ohne Keller würde wohl die gesamte Sanierung scheitern, wie Stadtbaumeisterin Katrin Fischer warnte: Es gäbe dann keine Fördergelder mehr, weil diese an „eine bestimmte Anzahl von Räumen“ geknüpft sind. Alleine aber könnte die Stadt das Vorhaben nicht stemmen. Dass im städtischen Finanzplan bis 2025 ohnehin kein Geld für die Museumssanierung eingepreist ist, komplettiert die schwierige Lage.
Bronzeverkleidung soll „edlen Charakter“ geben
So präsentierte das Münchner Architekturbüro Claus + Forster – das vor einigen Jahren den Wettbewerb zum Museumsumbau gewonnen hat – im Stadtrat nun seinen Vorentwurf für einen Anbau. Der wäre als moderner Quader östlich der historischen Außentreppe geplant, rund fünf auf elf Meter groß, mit einer Glas-Fuge ans jetzige Museum angebunden. Eine Bronzeverkleidung – wie sie auch vor dem Museumseingang am Marienplatz vorgesehen ist – solle dem Anbau einen „edlen Charakter“ geben, so die Planer. In Richtung des auf diese Weise neu gerahmten Platzes zwischen Museum und Kirche schlagen sie eine Glasfassade vor, um auch von außen in den dort entstehenden Sonderausstellungsraum schauen zu können.
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So biete ein Anbau „eine ganze Reihe von Vorteilen“, betonte Museumsleiter Tobias Güthner: Der Sonderausstellungsraum wäre größer als bisher, der Platz zur Kirche bekäme Aufenthaltsqualität und das Museum wäre „im Stadtbild wesentlich deutlicher zu erkennen“.
Kritiker nennen den Entwurf eine „Schuhschachtel“
Bei vielen Stadtratsmitgliedern kam die Anbau-Idee indes gar nicht gut an. Das Stadtbild vertrage an dieser Stelle kein solches Gebäude, befanden etwa Hubert Schwaiger (BfW) und Klaus Gast (CSU), der auch Kreisheimatpfleger ist. Stefan Emeis (Grüne) sprach von einer „Schuhschachtel“, die wichtige Sichtbeziehungen raube. „Greislich“ nannte Ullrich Klinkicht (WM Miteinander) den Entwurf, als „besonders lieblos“ beschrieb ihn Rüdiger Imgart (AfD) – und forderte, sich „noch etwas Zeit zum Nachdenken zu nehmen“: „Wir beschleunigen nichts, wenn wir etwas beschließen, was wir nicht finanzieren können.“ Laut Bürgermeister Markus Loth (BfW) muss sich der Stadtrat aber für eine Variante entscheiden, damit überhaupt konkret Kosten und Zuschüsse abzuklären sind.
Befürworter plädieren für „pragmatische“ Lösung
Wirklich begeisterte Stimmen für einen Anbau gab es nicht. Doch die Lösung sei „pragmatisch“ und eine schönere Planung gewiss möglich, meinte Claus Reindl (BfW). Es sei „die sicherste und wirtschaftlichste Variante“, betonte Horst Martin (SPD), zudem würde der Platz damit „aufgewertet“. Die „schwierige Gemengelage“ verlange schlicht einen Kompromiss, sagte Manuel Neulinger (Grüne) und verwies auf die Chancen von Veränderung: „Das Museum könnte durch solche Architektur zu einem größeren Anziehungspunkt werden.“ Auch Marion Lunz-Schmieder (CSU) plädierte dafür, „die positiven Seiten zu sehen“. Dagegen warben ihr Fraktionskollege Franz Andrä und Saika Gebauer-Merx (FDP) für eine Lösung ohne Anbau: Der Sonderausstellungsraum sei auch im ehemaligen „Stöppel“ am Kirchplatz oder im „Kulturstadel“ an der Eisenkramergasse denkbar.
Grünen-Vertreter ärgert sich über seinen „Lapsus“
Die Entscheidung fiel letztlich hauchdünn gegen einen Anbau: mit 13:12 Stimmen. Dabei wurde Alfred Honisch (Grüne) auf kuriose Art zum Zünglein an der Waage. Er hatte sich in der Debatte für den Anbau ausgesprochen – und bei der Abstimmung versehentlich dagegen votiert. Er dachte, es würde über die einzelnen Varianten abgestimmt, während es tatsächlich um den Beschlussvorschlag des Bauausschusses ging. Eine sofortige Wiederholung des Votums verbietet die Gemeindeordnung indes.
Er habe sich über seinen „Lapsus“ erst heftig geärgert, so Honisch gestern auf Tagblatt-Anfrage. Viele hätten ihn dann aber angesprochen, es sei letztlich „gut, dass das Ganze noch mal eine Runde dreht“. Laut Bürgermeister Loth muss nun der Bauausschuss „in einer der nächsten Sitzungen“ erneut alle Varianten der Museumssanierung „abklären“. Danach ist dann noch einmal der Stadtrat gefragt – in einigen Monaten.
