VonSabine Hermsdorf-Hissschließen
Die „Galerie der Aufrechten“ im Wolfratshauser Badehaus erinnert an Menschen, die in der unter Einsatz ihres Lebens gegen das NS-Unrecht kämpften.
Waldram – Georg Elsner, Dietrich Bonhoeffer, Hans und Sophie Scholl: Das sind bekannte Namen, die für den Widerstand im Nationalsozialismus stehen. Aber es gab auch Menschen, die gegen das Unrecht kämpften, deren Namen nicht sehr geläufig sind. In 60 Porträts wird in der „Galerie der Aufrechten“, die noch bis Sonntag, 17. Dezember im Erinnerungsort Badehaus zu sehen ist, an bekannte und unbekannte Widerstandskämpfer erinnert. Zur Eröffnung der Ausstellung kamen Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Stiftung Weiße Rose, sowie Barbara von Uthmann und Alfred von Hofacker, deren Väter im Widerstand aktiv waren.
Widerstand im Nationalsozialismus: „Waren oft die kleinen Leute – „Galerie der Aufrechten“ im Waldramer Badehaus
Das Projekt wird vom Studentenwerk Weiße Rose getragen und wurde vom Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben ins Leben gerufen – Initiator war Prof. Dr. Wolfgang Marcus. 28 Künstler haben in verschiedenen Kunststilen versucht, Widerstandskämpfer aus den Bereichen Philosophie und Pädagogik sowie Amtsträger und Laienprediger verschiedener Konfessionen, Politiker und Rettungshelfer darzustellen. Letztere versuchten, Verfolgte meist jüdischer Herkunft vor den Nationalsozialisten zu schützen. Aber auch Opfer des Nationalsozialismus (Homosexualität, Todesmarschteilnehmer, Menschen, die aufgrund geistiger, seelischer oder körperlicher Behinderungen ermordet wurden) wurden porträtiert. Die Künstler „wollten damit Empathie wecken und die biografische Vielschichtigkeit darstellen“, heißt es in einem Begleittext zur Ausstellung.
Doch was ist eigentlich Widerstand? „Schließlich hat es ja immer nur die gegeben, die dagegen waren“, meinte Dr. Wolfgang Benz ironisch. „Niemand wollte nach dem 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung, etwas davon wissen, dass man Hitler zwölf Jahre lang zugejubelt hat.“ Benz, seines Zeichens Historiker und anerkannter Vertreter der Vorurteils- und Antisemitismusforschung, war extra zur Eröffnung der Ausstellung von Berlin nach Waldram angereist.
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Für den ehemaligen Leiter des zur Technischen Universität Berlin gehörenden Zentrums für Antisemitismusforschung definiert sich Widerstand nicht darin, „in der Tasche die Faust zu ballen oder im Freundeskreis seine Abneigung gegen das Regime kundzutun“. Ebenso wenig sei Widerstand das Eingehen von Kompromissen. „Opposition gegen das Unrechtsregime ist noch nicht gleichbedeutend mit persönlichem Einsatz und den damit verbundenen Gefährdungen“, sagte Benz. Widerstand sei „die konspirative Tätigkeit, um das Regime zu beseitigen, beispielsweise wie die Geschwister Scholl mit ihrem Versuch, andere unter großem Einsatz aufzurütteln.“
Sie setzten ihr Leben aufs Spiel – Ausstellung würdigt NS-Widerstandskämpfer
Zu den Widerständlern zählt Benz ebenso Georg Elsner und Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die versuchten, durch Attentate auf Hitler einen Umsturz herbei zu führen. Doch auch im Hintergrund sei aktiv Widerstand geleistet worden. Der Berliner nannte Anna Esslinger, Paul Grüninger und Max Kolbe. Letzterer war ein polnischer Franziskaner-Minorit, der über 2300 Verfolgten Zuflucht gewährte. Er wurde 1941 verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Dort ging er für einen Mithäftling in den „Hungerbunker“ und wurde ermordet.
„Es waren oft die kleinen Leute‘“ heißt es in dem Begleittext, „die ihren geringen Handlungsspielraum nutzten, um aus menschlichem Anstand, aus menschlicher Solidarität und Nächstenliebe, aus religiöser Überzeugung heraus human zu handeln.“ Benz: „Die Formen, sich gegen etwas zu stellen, gegen Unrecht zu kämpfen, sind ebenso vielfältig wie die Beweggründe dazu – und bringen die Gefährdung derer, die Widerstand leisten, mit sich.“
Info: Die Ausstellung „Galerie der Aufrechten“ ist noch bis 17. Dezember im Erinnerungsort Badehaus am Kolpingplatz 1 zu sehen. Öffnungszeiten sind: Freitag, 9 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag, 13 bis 17 Uhr.
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