Ausweichen scheitert an fehlenden Bussen

Landkreis-Halle in Tegernsee ab sofort Notunterkunft: Schulsport hat das Nachsehen

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Die Landkreis-Turnhalle in Tegernsee dient ab sofort wieder als Notunterkunft für Geflüchtete.
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Die Betten sind aufgebaut, der Boden ist verlegt: Die Landkreis-Turnhalle in Tegernsee steht als Notunterkunft für Geflüchtete bereit. Sport ist darin nicht mehr möglich. Das Gymnasium trifft dies besonders hart.

Tegernsee – Direktor Werner Oberholzer ist ratlos. Und auch ein Stück weit verzweifelt. Dass die Landkreis-Sporthalle in Tegernsee für den Sportunterricht flach fällt, weil sie dringend für die Unterbringung von Geflüchteten benötigt wird, wusste der Leiter des Gymnasiums Tegernsee schon länger. Deshalb hatte er an einer Alternativlösung gearbeitet. „Und wir hatten eigentlich einen wunderbaren Plan“, sagt Oberholzner. Dank der Unterstützung von vielen Seiten hätte das Gymnasium für einen Großteil seiner Sportstunden in die Halle der Mittelschule Rottach-Egern und in die der Realschule in Finsterwald ausweichen können. Doch diese Variante scheitert an einem anderen altbekannten Problem: „Es sind ums Verrecken keine Busse zu bekommen“, schildert Oberholzner.

Fehlende Busse: Kein Sportunterricht in anderen Hallen des Tals möglich

Bekanntlich haben die Busunternehmen mit einem massiven Personalproblem zu kämpfen. Der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) hatte heuer sogar einige seiner Linien im Landkreis nicht mehr bedienen können, weil ihm die nötigen Fahrer fehlten. Der Sportunterricht an anderer Stätte scheitert also daran, dass die Gymnasiasten nicht von A nach B gelangen. Trotz aller Bemühungen des Schulleiters und auch des Landratsamtes, die versucht hatten, Busse zu akquirieren.

Teil der Gymnasiasten kann in städtische Halle und ins Medius ausweichen

Oberholzner bleibt also nur die Möglichkeit, mit einem Teil seiner Schüler in die städtische Einfachhalle und ins Tegernseer Medius auszuweichen – damit kann aber bei Weitem nicht der gesamte Sportunterricht abgedeckt werden. Zumindest die Oberstufe, in deren Reihen es auch Schüler gibt, die im Frühjahr Sport-Abitur machen, könne somit versorgt werden. Ansonsten spricht Oberholzner von einer verzwickten Lage, für die es letztlich keinen Schuldigen gebe, die aber dennoch „sehr, sehr ärgerlich“ sei.

Landkreis in verzweifelter Lage: Kapazität bei Unterkünften ausgeschöpft

In einer nicht minder verzweifelten Situation befindet sich derzeit der Landkreis selbst. Ihm werden laufend neue Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine zugewiesen, obwohl er mit seinen Unterkünften – ähnlich wie andere Landkreise in Oberbayern – längst an seine Grenzen stößt. Somit wird vermutlich auch die Landkreis-Turnhalle in Tegernsee schon in Kürze belegt werden. „Alle anderen Möglichkeiten sind ausgeschöpft“, berichtet Sabine Kirchmair, Sprecherin des Landratsamtes.

Rund 200 Menschen können in der Halle vorübergehend unterkommen. „Die nächsten Zuweisungen sind bereits für diese Woche angekündigt“, erklärt Kirchmair. Wie viele Menschen genau ankommen und woher sie stammen, das erfahre das Landratsamt erst kurzfristig.

Landratsamts-Sprecherin: Turnhalle wurde unter Hochdruck hergerichtet

Wie schon 2015/2016, als die Landkreis-Turnhalle in Tegernsee während der großen Flüchtlingswelle schon einmal zur Notunterkunft umfunktioniert wurde, musste der Landkreis die Halle mit Betten, Trennwänden und einem Bodenbelag ausstatten. Auch Sanitärcontainer wurden laut Kirchmair geordert und können demnächst an der Halle in Betrieb gehen. „Die Unterkunft wurde unter Hochdruck hergerichtet“, berichtet die Pressesprecherin. Auch am Montag (19. Dezember) noch war man in Tegernsee mit Restarbeiten beschäftigt.

Kirchmair ist bewusst, dass die Situation sowohl für den Schulsport des Gymnasiums als auch für die Sportvereine die hier ihr Hallentraining abhalten, äußerst bescheiden ist. „Aber wir hatten keine andere Wahl.“

Unterdessen gehen die Bemühungen weiter, für das Gymnasium doch noch Busse zu organisieren, welche die Schüler in andere Schulturnhallen bringen. „Aber ich bin mittlerweile nicht mehr sonderlich optimistisch“, sagt Oberholzner.

Auch die Sportvereine müssen sich andere Trainingsmöglichkeiten suchen.

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