VonTanja Brinkmannschließen
Wahltag ist Zahltag: Was haben Bürgermeister und Gemeinderat in der zu Ende gehenden Wahlperiode erreicht? Unter anderem dieser Frage geht die Kommunalwahl-Serie des Tagblatts nach. Grainau steckte zuletzt neun Millionen Euro in den Oberen Dorfplatz und saniert das Rathaus. Doch die Verkehrsproblematik Richtung Eibsee bleibt eine Schwäche.
Die Baustellen werden nicht weniger in Grainau. Zuletzt waren es vor allem die Sanierung des Oberen Dorfplatzes, der neue Trinkwasserhochbehälter an der Christlhütte und die laufende Rathaus-Sanierung, die Bürgermeister Stephan Märkl (CSU), den Gemeinderat und die Verwaltung beschäftigt haben. Jetzt kommen der Wildholzrechen samt Kiesfang im Ortsteil Hammersbach und die Planung für die Kurhaus-Sanierung inklusive Zugspitzbad dazu. „Wir checken gerade die Förderkulisse“, sagt Märkl. Zudem wird untersucht, wie wirtschaftlich es ist, den Bestand zu sanieren oder neu zu bauen. Dafür suchen sie einen guten Mix aus Fördertöpfen, der Investitionen in Tourismus und Schwimmbäder bedient. Klar ist, dass die Politiker aller Couleur hinter der Einrichtung stehen, die 1973 gebaut und 1995/96 generalsaniert sowie erweitert wurde. „Stehen bleiben bringt nichts“, betont Märkl, der ohne Gegenkandidat in die Kommunalwahl am Sonntag, 8. März, geht. „Es ist schon Herausforderung genug, den Bestand zu erhalten.“
Drei Fraktionen – CSU, Parteilose Wählergemeinschaft (PWG) und die Bürger für Grainau (BfG) – sowie ein Einzelkämpfer von der FDP sind aktuell im Gemeinderat vertreten. „Das Klima ist wahnsinnig gut, wir arbeiten sehr konstruktiv, zielorientiert und freundschaftlich zusammen“, sagt der Rathauschef. Zu seiner Freude geht‘s allen um die Sache, „Parteipolitik findet bei uns nicht statt“. Er geht davon aus, dass es dabei bleibt. Auch wenn im künftigen Gremium, das sich Anfang Mai konstituiert, nurmehr die CSU und die BfG sitzen werden. „Die PWG löst sich auf, das ist sehr schade, und auch sonst gibt es keine anderen Listen.“
Grainau mit seinen 3500, so der Stand im Juli 2025, machen „eine wahnsinnig gute Dorfgemeinschaft, die Vereine und die einzigartige Natur aus“, unterstreicht Märkl. „Der Ort wirkt dank dem Bauhof aufgeräumt, dafür bekommen wir viele positive Rückmeldungen.“ Und in Sachen Kinderbetreuung sei das Dorf gut aufgestellt. Das wertet er als Stärken. Schwächen sind die mit knapp 50 Quadratkilometern verhältnismäßig große Gemeindefläche, die der Tatsache geschuldet ist, dass 1937 die Dörfer Ober- und Untergrainau zusammengelegt wurden. „Viele Straßen, Wasser- und Kanalleitungen sind fast 30 Kilometer lang. Das zu erhalten, ist eine Herausforderung.“ Auch die seit Jahren ungelöste Verkehrsproblematik in Richtung Eibsee führt der Bürgermeister als Schwäche an. In den 1960er-Jahren gab es Pläne für eine Umfahrung, die allerdings nach Protesten der Wirte verworfen wurden. Wäre es dazu gekommen, wären die Loisach- und Eibseestraße zu Gemeindestraßen herabgestuft worden, „deren Unterhalt wir wohl nicht stemmen könnten“. Märkl hofft auf eine „spürbare Verbesserung“, wenn ab April das Zwei-Linien-System greift. Das heißt, dass sieben Monate lang immer ein Extrabus und an Hotspot-Tagen ein Verstärker das Ausflugsziel ansteuern.
Vier Jahre herrschte am Oberen Dorfplatz Baustelle – „mit allen Problemen durch Corona, Lieferschwierigkeiten und Ukrainekrieg“. Neun Millionen Euro hat das Ganze gekostet, davon wurden 60 Prozent bezuschusst. Damit verbunden waren aber Auflagen, wie die Pflasterung der Straße. Das gefällt nicht jedem, weiß der Bürgermeister. „Auch der Bachlauf ist Geschmackssache.“ Daneben flossen 2,4 Millionen Euro – davon 850 000 Euro Fördergelder – in den neuen Trinkwasserhochbehälter an der Christlhütte. „Der vorherige war über 50 Jahre alt und hatte nicht mehr das Volumen für eine zeitgemäße Wasserversorgung.“
Die Sanierung des Rathauses, das 1963 gebaut wurde und seither nur neue Fenster bekommen hat, läuft seit Anfang Juni. An deren Notwendigkeit zweifelt niemand. „Als 300 Meter entfernt der Blitz eingeschlagen hat, hatten wir drei Tage lang keine EDV“, erinnert sich Märkl. Jetzt wird alles neu gemacht, vom Bestand stehen nur mehr die tragenden Wände. 6,5 Millionen Euro kostet dieses Vorhaben, davon werden 70 Prozent aus verschiedenen Fördertöpfen bezuschusst. „Hätten wir neu gebaut, hätten wir keinen Cent bekommen, deshalb haben wir das gar nicht in Betracht gezogen.“ Künftig finden die Sitzungen im Lesesaal statt, der barrierefrei erreichbar ist. Zudem wird das Haus mit einem Lift versehen. Im Dachgeschoss finden sich nun Lagerflächen, unter anderem für das Archiv des Heimatvereins „Bär und Lilie“, und ein Mehrzweckraum, etwa für die Musikkapelle zum Proben. „Wir schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe.“
Die Hochwasser-Ereignisse am Hammersbach im Juni 2020 – „mit der Herausforderung, in Corona-Zeiten 350 Leute aus dem Hotel zu evakuieren“ – und im August 2021 mit zwei Toten nennt Märkl „die einschneidendsten Erlebnisse in dieser Periode“. Zum Glück reagierte der Freistaat schnell und baute den Wildbach in den zwei Jahren darauf für ein 100-jähriges Hochwasser aus. Wie gut das war, zeigte sich bereits beim Starkregen im vergangenen Juli. Da blieb der Ortsteil verschont. „Jetzt fehlt noch das letzte Puzzlestück, der Wildholzrechen samt Kiesfang.“ Baubeginn für dieses Drei-Millionen-Projekt, wovon die Gemeinde ein Drittel schultern muss, ist in diesem Frühjahr.
Bürgermeister von Grainau
1937 bis 1942:⇥Otto Pentenrieder
1942 bis 1943:⇥Jakob Scheck (Vertretung)
1943 bis 1945:⇥Eduard Reiser
1945 bis 1948:⇥Andreas Reiser (parteilos)
1948 bis 1966:⇥Hans Schwägele (parteilos/CSU)
1966 bis 1984:⇥Josef Brenauer (CSU)
1984 bis 1996:⇥Peter Schuster (PWG)
1996 bis 2014:⇥Andreas Hildebrandt (CSU)
seit 2014:⇥Stephan Märkl (CSU)
