VonSascha Karowskischließen
Ab Montag (9. Februar) werden Gerüste am Rathaus aufgestellt. Frostschäden an Ziegeln erfordern Sicherungsmaßnahmen. Eine umfassende Sanierung ist für 2032 geplant.
München – Droht Münchens Rathaus schon der Einsturz? Wie unsere Redaktion erfahren hat, werden ab kommendem Montag (9. Februar) Gerüste aufgestellt. In einem internen Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: Das Baureferat werde die Gerüste im großen Wirtschaftshof an der Wandfläche zu den Sitzungssälen und Schutzgerüste im Apotheken- und Pförtnerhof errichten. Und weiter: „Dabei handelt es sich um Sicherungsmaßnahmen für das Dach – auf unbestimmte Zeit.“
Rathaus-Dach in München: Frostschäden an den Ziegeln machen Sicherungsmaßnahmen unumgänglich
Klingt dramatisch, ist aber alles halb so schlimm, wie ein Sprecher des Baureferates auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Tatsächlich haben einige Ziegel Frostschäden. Um sowohl die Wände als auch etwaige Passanten vor herabfallenden Stücken zu schützen, erfolgt jetzt die Sicherung. „Im Frühjahr erfolgt dann die abschnittsweise Sanierung des Daches“, so der Sprecher.
Das Rathaus heißt zwar offiziell das Neue Rathaus, doch buchstäblich ist der neogotische Bau ziemlich in die Jahre gekommen, immerhin schon 120 hat er auf dem Buckel. Das Gebäude wies bereits vor zwei Jahren deutliche Alterserscheinungen auf. Eine umfassende Sanierung war für 2027 geplant, doch die Arbeiten wurden zwischenzeitlich bis ins Jahr 2032 verschoben.
Sanierung des Rathauses in München: Baukosten sollen um 30 Prozent reduziert werden
Hintergrund war, dass ein Teil der Arbeiten bereits erledigt werden soll, bevor die Hauptarbeiten angegangen werden. Dann soll das Rathaus komplett geräumt werden. Die Verwaltung schätzt, dass die Bauzeit dadurch um die Hälfte, die Baukosten um 30 Prozent reduziert werden könnten.
Klar ist: Die historische Fassade des Rathauses bröckelt, das Dach über der prachtvollen Juristischen Bibliothek hat massive Schäden. Die Technik ist veraltet, der Brandschutz genauso, die letzten größeren Instandsetzungen gab’s 1984.
Sanierung des Rathauses in München: Verwaltung schätzt die Kosten auf rund 150 Millionen Euro
Die dringlichsten Arbeiten werden in einem Sofortprogramm (10 Millionen Euro) angegangen. Der große Rest folgt in sechs Jahren: neue Lüftung, Wasserrohre, Heizung, neue Fenster, Abdichtungen, neue Lastenaufzüge, Teeküchen, mehr Barrierefreiheit. Ab 2032 werden dafür alle 600 Mitarbeitenden aus dem Rathaus ausziehen. Auch der berühmte Ratskeller im Untergeschoss wird saniert.
Die Verwaltung könnte dann in andere städtische Gebäude ziehen, zum Beispiel an der Herzog-Wilhelm-Straße. Die Sitzungen des Stadtrats könnten im Alten Rathaus stattfinden – oder in einem angemieteten Raum in zentraler Lage. Die Arbeiten sollen nach Angaben der Verwaltung fünf bis sechs Jahre dauern. Insgesamt kostet die Sanierung etwa 150 Millionen Euro.
Sanierung des Rathauses in München: Stadt wird sich laut OB Gedanken über den Umfang machen
Münchens OB Dieter Reiter (SPD) sagte unserer Redaktion auf Anfrage: „Der aktuell notwendige Austausch von Dachziegeln, um das Dach wieder dicht zu bekommen, zeigt, dass das Rathaus doch etwas in die Jahre gekommen ist.“ Man werde daher zeitnah wohl intensiver über die Gesamtsanierung diskutieren müssen. „Dies wird aber vor dem Hintergrund der aktuellen und wohl auch absehbar in den kommenden Jahren angespannten Finanzsituation eine erneute Betrachtung der Vorgehensweise und insbesondere abgestufte Vorschläge zum Umfang und weiteren Vorgehen notwendig machen.“
