800 Bürger hatten unterschrieben

Petition gegen Saatkrähen in Weilheim bleibt wohl folgenlos

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Der so genannte Maibaumpark, die Grünanlage südlich des Amtsgerichts, ist einer von drei Bereichen im Stadtgebiet, die für jegliche Maßnahmen gegen Saatkrähen tabu sind – und dies trotz starker Proteste von Anwohnern weiterhin bleiben.
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Wenig Erfolg zeigt bislang die von 800 Bürgern unterstützte Petition mit dem Ziel, „Saatkrähen aus dem Stadtgebiet Weilheim wirksam zu vertreiben“. Für Vergrämungsmaßnahmen etwa im Maibaumpark bekomme man „definitiv keine Freigabe“, heißt es aus dem Rathaus.

Weilheim – „Ihr müsst was gegen die Krähen tun, so geht’s nicht weiter“, sagte Gordian Hermann, als er im November mit einigen Mitstreitern die von ihm initiierte Petition samt einem offenen Brief an Weilheims Bürgermeister Markus Loth überreichte (wir berichteten). Dass die Stadt zu untätig sei, dieser Vorwurf wurde nun in der Januar-Sitzung des Bauausschusses erneut klar zurückgewiesen. Was rechtlich erlaubt sei, das tue man, betonte Manfred Stork, der Leiter der städtischen Bauverwaltung. So werde die Stadt bereits nächste Woche wieder ihre beiden Vergrämungsgeräte zum Einsatz bringen, insbesondere beim Kindernest an der Augsburger Straße sowie im Paradeis. Zudem wolle man besonders betroffene Bäume nahe dem Trachtenvereinsheim in der Oberen Stadt zurückschneiden und dort Nester entfernen.

Maibaumpark und zwei andere Bereiche bleiben tabu

Klar sei jedoch: Die Weilheimer Au, der Friedhof und auch der Maibaumpark – jene drei Bereiche, die vor gut einem Jahr gegenüber der Regierung von Oberbayern als Schutzräume für Saatkrähen im Stadtgebiet benannt werden mussten, in denen keinerlei Eingriffe in die Kolonie stattfinden dürfen – bleiben tabu. Für Vergrämungsmaßnahmen dort bekomme man „definitiv keine Freigabe“, erklärte Stork.

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In den anderen Gebieten Weilheims werde man weiter so vorgehen wie bisher, so der erneute einstimmige Beschluss des Bauausschusses. Wie berichtet, hatte eine Fachkommission im Herbst 2021 eine Strategie erarbeitet, wie in Weilheim mit den streng geschützten Saatkrähen umzugehen ist, deren Kot und Lärm in der Stadt viele Bürger stören. Außerhalb der drei Schutzkolonien sind demnach jeweils von Oktober bis März akustische Vergrämungsmaßnahmen und die Entfernung von Nestern zulässig – soweit noch keine Eiablage stattgefunden hat. Die entsprechende Genehmigung hat die Regierung von Oberbayern bis Ende März 2024 befristet, und sie ist mit diversen Auflagen verbunden.

Erlaubnis der Stadt für Grundeigentümer

Aufgrund dieses Bescheides hat die Stadt zwischenzeitlich auch privaten Grundeigentümern auf Anfrage erlaubt, im Rahmen der Auflagen Bäume auf ihrem Grundstück entsprechend auszulichten und Nester zu entfernen. Das müssen die Grundeigentümer freilich selbst bezahlen, wie Stork betont, und die Erlaubnis gelte jeweils nur bis Ende Februar. Ob die Stadt eine solche Erlaubnis überhaupt erteilen darf, das werde derzeit seitens der Regierung geprüft. Denn laut einer Mitarbeiterin gelte der Bescheid der Regierung nur für Vergrämungsmaßnahmen der Stadtverwaltung selbst.

Stadt Weilheim sei „nicht der richtige Adressat für die Petition“

„Ich kann nicht sehen, dass die Stadt nicht handeln würde“, fasste BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek im Bauausschuss zusammen. Zugleich sei die Stadt mangels Handhabe „nicht der richtige Adressat für die Petition“. Die Anwohner des Maibaumparks, so Holeczek weiter, hätten „sehr dafür gekämpft, dass der Maibaumpark erhalten bleibt. Und in einem Park dürfen solche Vögel durchaus leben“. Dagegen betonte Klaus Gast (CSU), dass den Bürgern ja nur bliebe, „sich an die Gemeinde zu wenden“. Wenn es genügend Beschwerden von Kommunen gebe, werde sich „irgendwann auf höherer Ebene was tun“. Die Unterschriftenaktion in Weilheim ist keine offizielle Petition, wie sie in Bayern an den Landtag möglich ist. Sie richtet sich laut Rathaus ausschließlich an den Stadtrat. Neben sämtlichen Ratsmitgliedern habe man die Unterlagen aber auch an alle Fachvertreter weitergeleitet, die an den bisherigen Maßnahmen der Stadt beteiligt sind.

Vergrämung sogar kontraproduktiv?

Dass Vergrämungsaktionen wenig nutzen und letztlich sogar kontraproduktiv sind, weil sich die jungen Krähen um so schneller vermehren, führte Alfred Honisch (Grüne) ins Feld. Stork bestätigte dies: „14 Tage, nachdem die Geräte abgebaut werden, sind die Vögel meist wieder zurück“, so die Erfahrung in Weilheim. Auch andere Kommunen, so ergab seine Recherche, „probieren mal dieses und mal jenes – und müssen feststellen, dass man den Krähen unterm Strich kaum Herr wird“. Auch der teure, jahrelange Einsatz eines Falkners mit Greifvögeln zeige „sehr unterschiedlichen Erfolg“.

Auch im Weilheimer Stadtrat

steht die Petition am kommenden Donnerstag, 26. Januar, auf der Tagesordnung. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses. Weitere Themen sind u.a. der geplante Baulandbeschluss sowie der Neubau der Flüchtlingsunterkunft am Leprosenweg.

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