Gemeinden beraten über Beitritt zu Holzkirchner Bedarfsbus

Nächster Hoki-Halt: Warngau und Valley

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Einsteigen, bitte: Gerade für Senioren sehen die Kommunen den Hoki als Chance auf Teilhabe.
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  • Katrin Hager
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Der Nordlandkreis steht vor einer kleinen „Verkehrswende“: Auch die Gemeinden Warngau und Valley wollen ins Holzkirchner Bedarfsbussystem Hoki einsteigen. Das haben die Gemeinderäte entschieden.

Holzkirchen/Valley/Warngau – Gemeinderat und Rathaus in Holzkirchen haben alle Vorarbeit geleistet, der Rufbus Hoki ist seit dem Start im September 2022 zum Erfolgsmodell geworden, das allein im ersten Jahr 30 000 Fahrgäste nutzten. Bald könnten die Kleinbusse, die nur auf Bestellung ein dichtes Netz virtuell eingerichteter Haltestellen bedienen und dabei Fahrgastanfragen zu rentierlichen Routen bündeln, auch außerhalb der Marktgemeinde bei den Nachbarn rollen. Nach dem Gemeinderat Otterfing haben am Dienstagabend – zeitgleich mit den Beratungen zum Thema im Holzkirchner Gemeinderat – auch die Gemeinden Valley und Warngau den Willen bekundet, in den Hoki einzusteigen.

Valley fährt mit

Valley will den Hoki haben. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen dass Bürgermeister Bernhard Schäfer (FWG) in entsprechende Verhandlungen einsteigen soll. Clemens Deyerling, Gründer und Geschäftsführer des Verkehrsunternehmens Omobi aus Murnau, das den Fahrbetrieb des Hoki durchführt, hatte das Gremium zuvor über das On-Demand-System informiert.

Nach seinen Ausführungen und kurzen Nachfragen bestand fraktionsübergreifend Konsens. „Ich hoffe, dass der Landkreis zustimmt, für Valley wäre das sehr gut“, sagte Paul Hechenthaler (FWG) und meinte damit die Anbindung an den S-Bahnhof Holzkirchen und Vorteile für Senioren. Schäfer stimmte zu. „Eine gute Sache, weil das gesamte Gemeindegebiet angebunden ist.“ Alle kleinen Orte würden angefahren, betonte der Bürgermeister.

Dass das Netz sehr eng sein wird, daran hatte Deyerling keinen Zweifel gelassen. „Verabschieden Sie sich von ,Haltestellen‘ – das gesamte Gemeindegebiet Valley ist angebunden.“ In der Praxis werde sein Unternehmen Haltepunkte vorschlagen, Gemeinderat und Verwaltung könnten danach Änderungen vornehmen. Deyerling ließ auch keinen Zweifel daran, dass in Valley bereits große Nachfrage besteht. „Es vergeht kein Tag, an dem nicht Leute aus Valley anrufen und fragen, warum wir nicht bis zu ihnen fahren.“

Das On-Demand-System sollte dennoch beworben werden, wenn es komme, fand Markus Nöscher (CSU). „Unsere Senioren sollten wissen, dass sie dort auch anrufen können.“ Deyerling stimmte zu und erklärte, gerade auch für ältere Menschen sei es wichtig, dass sie eine Fahrt etwa zum Arzt bereits ein oder zwei Wochen im Voraus buchen könnten.

Die Erweiterung des Hoki auf die drei Nachbargemeinden könnte sehr schnell gehen, erklärte Deyerling. Man bräuchte ein zusätzliches Fahrzeug und Fahrer. Von der Auftragsvergabe bis zum Start rechnet er mit vier bis fünf Wochen.

Auch Skepsis in Warngau

Für Warngau geht eine konservative Prognose mit einem Betriebskostendefizit von insgesamt 20 750 Euro als jährliche Kosten aus. Dabei angesetzt ist lediglich ein Anteil von 15 Prozent über die Gemeindegrenze hinaus; Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) rechnet in der Praxis mit deutlich mehr. Von Bedeutung ist das, weil Fahrten über die Gemeindegrenze – also aus Warngau nach Holzkirchen, Valley oder Otterfing oder andersherum – nach dem vorgesehenen Konzept gar nicht die Gemeinde bezahlen würde, sondern der Landkreis, der eigentlich für den ÖPNV zuständig ist. Der Hoki soll das nördliche Gebiet der Gemeinde Warngau mit Lochham, Draxlham Oster- und Oberwarngau sowie Reitham bedienen.

Das System läuft, die jährlichen Kosten für die Gemeinde sollten sich mit dem Gegenwert in etwa eines neuen Kleinwagens im Rahmen halten – und doch wurde im Warngauer Gemeinderat auch Skepsis laut, ob die Gemeinde in den Hoki einsteigen soll.

Engelfried Beilhack (CSU) fand, 20 000 Euro seien ein ganz schöner Batzen für eine kleine Gemeinde. Florian Rank (FWG) bezweifelte, ob es sinnvoll sei, dass immer mehr „die Allgemeinheit für die Individualmobilität aufkommt“. Da komme immer mehr zusammen. Max Bauer (FWG) sorgte sich, ob die Kosten „explodieren“ könnten, wenn der Bedarfsbus zu attraktiv sei; man müsse für die Länge der Strecke einen angemessenen Preis finden. „Wir müssen schon beobachten: Wie viel wird das sinnvoll genutzt?“, warnte auch Kathrin Knabl (Grüne) – nicht, dass die Gemeinde subventioniere, dass Betrunkene sich heimfahren ließen. „Mir sind die lieber im Bus als im eigenen Fahrzeug“, entgegnete Thurnhuber. „Ziel muss sein, dass das so attraktiv wie möglich wird, sonst brauchen wir es nicht machen. Wenn wir so ein Angebot schaffen und zuvor schon Bedenken haben, wenn es zu viele hernehmen, müssen wir zu viel zahlen, sind wir nicht auf der richtigen Baustelle.“ Das sah auch Michael Spannring (Grüne) so: „Es gehört schon zu unseren Grundaufgaben, Mobilität zu fördern.“

Für den Bürgermeister liegen die Vorteile auf der Hand. Der Hoki würde das Gewerbegebiet Birkerfeld mit dem S-Bahnhof Holzkirchen verbinden und Senioren den Weg zum Arzt oder zu den Einkaufsmöglichkeiten in Holzkirchen erleichtern. Leerfahrten, wie sie im starren Linienbusverkehr oft vorkämen, seien im Bedarfsbus ausgeschlossen. „Wenn der fährt, gibt es einen Fahrauftrag.“.

Auch Leonhard Obermüller (CSU) warb für den Einstieg. „Das ist eine gute Sache für unsere Bürger, dass man kostengünstig innerhalb der Nordgemeinden fahren kann.“ Für Erwachsene kostet das Hoki-Ticket zwei Euro pro Fahrt, einen für Kinder von sieben bis 14 Jahren sowie Senioren ab 65 Jahren.

Trotz der Skepsis will der Gemeinderat in die Verhandlungen zur Einführung des Hoki einsteigen, beschloss das Gremium einstimmig. Eine endgültige Entscheidung fällt, wenn der Vertragsentwurf vorliegt.

Das sagt Holzkirchen

Im Holzkirchner Gemeinderat war ein wenig Stolz auf den Hoki zu spüren. Man habe ihn vor zwei Jahren, als die Einführung des On-Demand-Busses in der Marktgemeinde zur Diskussion stand, durchaus kritisch angesehen, erinnerte sich Bürgermeister Christoph Schmid (CSU). Dass er zum Erfolgsmodell wurde, habe Begehrlichkeiten geweckt.

Seit dem Start im September 2022 habe der Hoki knapp 38 000 Personen befördert, berichtete Eva-Maria Schmitz, Leiterin der Standortförderung im Rathaus. Dass sich nun Otterfing, Valley und Warngau anschließen wollen, sieht sie als Vorteil für die Vernetzung der Mobilität.

Wichtig sei der Marktgemeinde, dass ihr durch die Erweiterung keine Nachteile entstehen. „Wir haben bei den Gesprächen klargemacht, dass die von uns festgelegten Parameter eingehalten werden müssen“, betonte Schmitz. Dabei ging es etwa um den Umwegefaktor. Unter anderem mit diesen berechnet das digitale System des Hoki, ob eine angefragte Fahrt bedient werden kann. Sollte sie zu einem unzumutbaren Umweg für die anderen Fahrgäste führen, wird die Anfrage zurückgewiesen. Momentan sei man bei einer Quote von 89 Prozent an angebotenen Fahrten. Sinke die Quote unter 70 Prozent, brauche man ein weiteres Fahrzeug, erläuterte Schmitz.

Durch die Erweiterung des Netzes wird ein drittes Fahrzeug nötig. Dessen Kosten teilen sich die Gemeinden. Sollte sich durch die Mehrfahrten zeigen, dass Anfragen nicht mehr bedient werden könnten, werde man handeln, so Schmitz. „Es wird vermutlich wenig Fahrten von Wettlkam nach Osterwarngau geben“, spekulierte Rathauschef Schmid. Man beobachte aber die Entwicklung.

Damit begegnete Schmid auch der Befürchtung von Simon Ammer (SPD), dass es durch die vergrößerte Fläche zu verlängerten Fahrzeiten kommen könne. Dennoch betonte auch Ammer, dass es gut sei, das Angebot auszuweiten. Zustimmung zur Eingliederung der drei Nachbarn kam von allen Fraktionen. Anita Gritschneder (Grüne) meinte in Anspielung auf das Motto Holzkirchens, die Gemeinde liege nicht nur richtig, sondern fahre offenbar auch richtig. Einstimmig machte der Gemeinderat den Weg für die Erweiterung des Hoki-Netzes auf die drei Nachbarn frei.

So geht es weiter

An diesem Donnerstag befasst sich der Kreisentwicklungsausschuss mit der Hoki-Erweiterung. Dazu muss bekanntlich der Landkreis grünes Licht erteilen, dem eigentlich der ÖPNV obliegt. Dazu soll eine Zweckvereinbarung mit den Gemeinden geschlossen werden.

ag / cmh / aw

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