Nach Zoff um FC-Bayern-Posten: Jetzt auch noch N-Wort-Ärger für Münchens OB Dieter Reiter
VonSascha Karowski
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Münchens OB Dieter Reiter gerät wegen seiner FC-Bayern-Posten unter Druck. Und es gibt weiteren Ärger. Der OB hat im Plenum das N-Wort verwendet.
Die Vorwürfe gegenüber Münchens OB Dieter Reiter (SPD) reißen nicht ab. Nun will die Linkspartei wissen, ob der Rathaus-Chef für seine Aufgabe als Verwaltungsbeirat beim FC Bayern München Geld erhalten hat und sich daher den Posten vom Stadtrat hätte genehmigen lassen müssen. Stichwort: Nebentätigkeit.
Münchens OB Reiter rückt in Aufsichtsrat des FC Bayern: Frage ist, ob der Stadtrat das genehmigen muss
Wie berichtet, war Reiter Anfang Februar als Nachfolger von Edmund Stoiber zum Chef des Verwaltungsbeirates des deutschen Rekordmeisters gewählt worden. Mit der Aufgabe geht automatisch ein Sitz im Aufsichtsrat einher. Sollte Reiter für diesen Posten Geld kassieren (mehr als 10 000 Euro im Jahr), hätte er sich diese Nebentätigkeit vom Stadtrat genehmigen lassen müssen. Das wird nun geprüft.
Laut Linken-Chef Stefan Jagel könnte das auch für Reiters Engagement im Verwaltungsbeirat gelten. Dem Gremium gehört Reiter seit Dezember 2016 an – ebenso wie Ex-Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der laut Jagel 20.000 Euro kassieren soll. „Die Debatte über Reiters Nebentätigkeiten hat gezeigt, dass ein kritischer Blick auf den OB angebracht ist“, schreibt Jagel. „Reiter hat eine komplette Aufklärung seiner Tätigkeiten beim FC Bayern angekündigt. Dazu gehört meiner Meinung nach auch eine Offenlegung der Einkünfte seiner Tätigkeit im Verwaltungsrat.“
OB Dieter Reiter erhält Aufwandsentschädigung für Tätigkeit als Verwaltungsbeirat des FC Bayern München
Und tatsächlich: Der OB erhält eine Aufwandsentschädigung. Reiter schrieb am Donnerstag (5. März), diese Tätigkeit übe er seit 2016 aus, zunächst ehrenamtlich. Seit 2021 werde sie mit 20.000 Euro im Jahr vergütet, die er angegeben und versteuert habe. „Dass dadurch eine Genehmigung des Stadtrats notwendig gewesen wäre, war mir nicht bewusst“, sagt Reiter. „Die Aufwandsentschädigung wurde zu keinem Zeitpunkt von mir verheimlicht und selbstverständlich immer ordnungsgemäß versteuert. Insofern ist der Stadt oder dem Steuerzahler keinerlei Schaden entstanden.“
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Hintergrund ist: Der ehrenamtliche Verwaltungsbeirat des FC Bayern soll die Heimspiele des Rekordmeisters in Bundesliga und Pokalwettbewerben besuchen. Bis 2021 hat der Rekordmeister dazu die Eintrittskarten gestellt. Dann kamen aber Finanzbeamte auf die Idee, dass diese Geschenke nicht angenommen werden dürfen. Daraufhin hat der FC Bayern wiederum gesagt, es sei nicht gewollt, dass die Mitglieder des Verwaltungsbeirates die Eintrittskarten selbst zahlen. Seitdem gibt es die Aufwandsentschädigung.
Münchens OB Dieter Reiter steht noch weiterer Ärger ins Haus: Rathaus-Chef verwendet N-Wort in Sitzung
Der Stadtrat wird sich mit dem Thema noch befassen. Sowohl über seine Tätigkeit im Aufsichtsrat des FC Bayern als auch im Verwaltungsbeirat hat Reiter eine detaillierte Beschlussvorlage angekündigt.
Dem OB steht aber noch weiterer Ärger ins Haus. Denn der Verein Rassismus und diskriminierungsfreies Bayern hat den Rathaus-Chef in einem internen Schreiben um eine Stellungnahme gebeten. Das liegt unserer Redaktion vor. Reiter soll im Plenum beim Umblättern der Tagesordnung gesagt haben: „So wo samma, sagen die Neger.“ Das stammt aus einem Kabarettstück von Fredl Fesl. Problem: Der Stadtrat hat das N-Wort als rassistisch anerkannt. Reiter entschuldigt sich am Donnerstag (5. März): Das Wort sei ihm spontan über die Lippen gekommen. „Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten. Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um Entschuldigung.“
N-Wort-Ärger für Münchens OB Dieter Reiter: SPD-Stadtrat reagiert mit heftiger Kritik
Nachdem die interne E-Mail bekannt geworden war, schimpfte SPD-Stadtrat Roland Hefter: „Wenn hier jemand dem OB aufgrund dieser Situation Rassismus unterstellt, dann ist er getrieben von Dummheit und Bösartigkeit.“ Jeder, der den OB kenne, wisse, dass er mit Rassismus nichts zu tun habe. „Die Unkenntnis über Fredl Fesl, einen der größten Volkssänger, die wir in den vergangenen Jahrzehnten hatten, der mit Rassismus auch nichts zu tun hatte, beschädigt diesen Künstler im Nachhinein. Dafür sollte sich jeder schämen, der so charakterlos mit dem Finger auf Dieter Reiter und daher auf Fredl Fesl zeigt.“