VonCarl-Christian Eickschließen
Bürgermeister Heilinglechner hat es angekündigt: Der Stadtrat soll sich Gedanken über ein Parkhaus nahe der Altstadt machen. Diese Pläne waren eigentlich passé.
Wolfratshausen – Schon in seiner ersten Sitzung im neuen Jahr wird sich der Stadtrat mit einem Dauerbrenner befassen: Laut Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) wird Mitte Februar das überarbeitete Parkraumkonzept öffentlich vorgestellt. Darüber hinaus, so der Bürgermeister, müssen sich die Mandatsträger erneut Gedanken über den Bau eines zentralen Parkhauses in der Loisachstadt machen. Wirft man einen Blick in den Haushaltsentwurf für 2023, kommt dafür der Hatzplatz infrage.
Parken in Wolfratshausen: Parkhaus am Hatzplatz wird erneut diskutiert
Auf den Standort in der Nähe des Gerätehauses der Freiwilligen Feuerwehr Wolfratshausen hatte sich der Stadtrat – nach langem Hickhack – bereits vor zehn Jahren geeinigt. 2012 fiel der Beschluss, vor den Toren der Altstadt ein mehrgeschossiges Parkhaus zu bauen. Das Vorhaben geriet zu einem politischen Trauerspiel. Zunächst dauerte es geschlagene fünf Jahre, bis das Projekt zumindest auf dem Papier konkrete Formen annahm. Vor allem vor dem Hintergrund der geplanten Altstadt-Aufwertung beziehungsweise der ebenfalls geplanten Neugestaltung des westlichen Loisachufers. Beiden Baumaßnahmen fallen Pkw-Stellflächen zum Opfer – die durch ein zentrales Parkhaus kompensiert werden sollen. Darauf pochen nicht zuletzt zahlreiche Gewerbetreibende in der Innenstadt sowie der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW).
Parkhaus am Hatzplatz: 2017 gab es bereits Pläne für neue Stellflächen in der Altstadt
Ende 2017 schien das Ziel für die Stadt Wolfratshausen zum Greifen nahe. Der Stadtrat überließ der eigens gegründeten Parkhaus Wolfratshausen (PaWo) GmbH und Co. KG in Bad Tölz einen Teil des Hatzplatzes in Erbpacht. Die Aufgabe für die GmbH, die willens war, sie zu erfüllen: Der Bau sowie der Betrieb eines Parkhauses für 150 Autos. Ein gutes Jahr später präsentierte die PaWo einen ersten Gebäudeentwurf. Der stieß im Bauausschuss des Stadtrats auf vehementen Widerspruch. Der visualisierte Zweckbau sah für Fritz Schnaller (SPD) aus „wie ein Schuhkarton“, Günther Eibl (CSU) fühlte sich an den „Sarkophag von Tschernobyl“ erinnert. Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt zog sogar den Beschluss komplett in Zweifel, denn: „In Zeiten des Klimawandels ist ein solches Parkhaus wie aus der Zeit gefallen.“
Bürgermeister kündigt an: „Wir reden über ein zentrales Parkhaus in Altstadtnähe“
Die PaWo blendete angesichts dieser politischen Großwetterlage das Baurecht aus, das sie auf ihrer Seite hatte, und speckte ihren Entwurf ab. Doch auch die zweite Version der Tölzer kam in Wolfratshausen nicht gut an. Kurze Zeit später verriet Rathauschef Heilinglechner auf Nachfrage unserer Zeitung: „Der Investor hat seinen Bauantrag zurückgezogen.“ Mehr noch: Die PaWo „hat offenbar das Gefühl, dass das Parkhaus nicht gewünscht ist“. Die Stadt einigte sich mit dem Investor hinter verschlossenen Türen auf einen „finanziellen Ausgleich der Aufwendungen“ sowie die Aufhebung des Erbpachtvertrags. Gemunkelt wird, dass die Vertragsauflösung die Kommune eine sechsstellige Summe gekostet hat. Der Bürgermeister äußert sich dazu nicht. Er betont jedoch, dass die Stadt sämtliche Rechte an der Planung der PaWo erworben habe. Zudem machte Heilinglechner nie ein Hehl aus der Tatsache, dass er den Bau eines zentralen Parkhauses auf dem Hatzplatz für sinnvoll erachtet.
In einem Interview mit unserer Zeitung kurz vor dem Jahreswechsel kündigte der Bürgermeister an, dass das Thema Parkhaus erneut auf die Tagesordnung des Stadtrats komme. Auf die Standortfrage – Hatzplatz oder am Hammerschmiedweg, hinter dem Sparkassen-Gebäude – antwortete er ausweichend: „Wir reden über ein zentrales Parkhaus in Altstadtnähe.“
Neues Parkhaus in Wolfratshausen: Bürgermeister möchte mindestens 100 neue Stellplätze
Dass sich der Stadtrat erneut mit der Bebauung des Hatzplatzes auseinandersetzen möchte, das belegt eine Aussage von Thomas Wenig vom Rathaus-Referat Bauen und Liegenschaften. Bei der Vorstellung des Etatentwurfs für 2023 durch Kämmerer Peter Schöfmann in der jüngsten Stadtratssitzung erläuterte Wenig auf Nachfrage aus dem Kreis der Grünen-Fraktion eine geplante Ausgabe von 25 000 Euro. Das Geld ist laut Wenig für eine „Feinuntersuchung“ des Hatzplatzes mit Blick auf ein Parkhaus vorgesehen. „Was könnten wir da machen?“, so der Rathausmitarbeiter wörtlich.
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Egal, wo etwas gemacht wird: Für den Wolfratshauser Bürgermeister Heilinglechner muss es auf jeden Fall ein Parkhaus für 100 bis 120 Pkw sein.
