- VonStefanie Fischhaberschließen
Die Angst vor dem geplanten Flüchtlingsheim in Marienstein ist groß. Die Bewohner fürchten um ihre Sicherheit. Das machten sie beim offenen Bürgerstammtisch der Aktiven Bürgervereinigung (ABV) unmissverständlich klar.
Marienstein – Die Angst war bei der von der ABV einberufenen Versammlung deutlich spürbar. Rund 100 Bürger waren zusammengekommen, um über die geplante Einrichtung einer Asylbewerberunterkunft für 40 Menschen im Gewerbegebiet Marienstein West zu diskutieren. „So einen großen Stammtisch gab es noch nie“, sagte ABV-Sprecher Rudi Reber mit Blick in die Runde. Da nicht alle Besucher im Feuerwehrstüberl Platz fanden, mussten einige von draußen zuhören.
Petition gegen Flüchtlingsheim: „Wir sind nicht fremdenfeindlich“
Die Kritik der Besucher richtete sich auch gegen den Bauausschuss, der den Plänen des Landratsamts zur Einrichtung der Asylbewerberunterkunft zugestimmt hatte. Reber und sein ABV-Gemeinderatskollege Michael Mohrenweiser verteidigten den Beschluss. Der Gemeinde seien hier die Hände gebunden, erklärte Reber. Die ABV unterstütze aber die Online-Petition, die Bürgerin Nina Hoffmann ins Leben gerufen hatte (wir berichteten).
Seitens der Initiatoren meldete sich bei der Versammlung Martina Koch zu Wort. Sie betonte: „Wir sind nicht fremdenfeindlich.“ Humanitäre Hilfe sei wichtig, doch das Gewerbegebiet in Marienstein sei der falsche Standort für eine Flüchtlings-Unterkunft – darüber herrschte auch im Publikum Konsens.
Argument: Marienstein bietet nicht nötige Infrastruktur
Ein Hauptargument: Der Ort biete nicht die nötige Infrastruktur. Der Handyempfang sei teilweise sehr dürftig, und auch die Anbindung an Supermärkte und den ÖPNV sei denkbar schlecht. Das könne bei den Bewohnern zu Frust führen, so die Befürchtung.
Die jüngsten Aussagen des Landratsamtes, wonach Einkaufsmöglichkeiten fußläufig zu erreichen seien, stieß bei den Mariensteinern auf Gelächter. „Ich finde es nicht gut, dass das Landratsamt so lapidar daherredet“, meinte auch Reber. Vertreter des Landratsamts hatte die ABV nicht zum Stammtisch eingeladen. Man habe keine Wahlkampfveranstaltung haben wollen, erklärte Reber auf Nachfrage.
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Mariensteiner will vorrangig geflüchtete Familien aufnehmen
Stattdessen versuchte Gisela Hölscher (FW) als Kreisrätin, die Situation des Landkreises zu erläutern. Das Landratsamt sei bei der Verteilung der Flüchtlinge auf jede mögliche Unterkunft angewiesen, erklärte sie. Hölscher schlug vor, dass sich die Gemeindebürger dafür einsetzen, dass vorrangig geflüchtete Familien nach Marienstein kommen. Ein Vorschlag, der Anklang fand. Viele Besucherinnen berichteten, dass sie Angst vor möglichen Straftaten durch männliche Geflüchtete an Kindern oder Frauen hätten.
Die SPD-Kreisrätin Christine Negele versuchte, den Mariensteinern diese Sorge zu nehmen. Sie schilderte die Situationen in anderen Orten, etwa in Thalham in der Gemeinde Weyarn. Auch dort habe es viele Befürchtungen gegeben, die sich aber nicht bewahrheitet hätten, sagte Negele. „Ich würde ja befürworten, dass Ihr Familien bekommt, aber dann bleiben uns immer noch die alleinstehenden Männer“, gab Negele zu bedenken. Ihrem Wortbeitrag folgten Pfiffe.
Bürger hoffen, dass Landratsamt unter Druck nachgibt
Der Polizeibeamte Peter Falkenstörfer, zugleich ABV-Mitglied, warf die Frage auf, ob eine Integration der Geflüchteten überhaupt gelingen könne. Abgesehen davon, dass die Örtlichkeit ungeeignet sei, sei die Zahl der Bewohner zu hoch, meinte er.
Auf Rufe nach konkreten Lösungsvorschlägen hin berichtete Reber, dass sich der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung umfassend mit dem Thema beschäftigen werde. Als gemeinsames Ziel nannten die Versammlungs-Teilnehmer, dass sie zumindest Einfluss darauf haben wollen, wer in das Flüchtlingsheim aufgenommen werde. „Am besten wäre es immer noch, wenn das Haus nicht genommen wird“, sagte Reber. Falls die Petition das nicht verhindern könne, wolle er dafür sorgen, dass überwiegend Familien dort untergebracht werden. „Oder wenigstens weniger junge Männer“, erklärt Reber auf Nachfrage. Er hoffe, dass das Landratsamt unter dem Druck der Bürger nachgebe.
Landratsamt: Objekte können nicht allein wegen ihrer Lage abgelehnt werden
Kann eine Integration von Bewohnern auch in weniger gut angebundenen Flüchtlingsheimen wie in Grub (Valley) oder Thalham funktionieren? Der Aufwand in solchen Unterkünften sei „auf jeden Fall höher“ als bei Unterkünften mit besserer Infrastruktur, teilt das Landratsamt auf entsprechende Nachfrage mit. Mehr Probleme würde es in diesen Heimen aber nicht geben, so die Behörde.
Dass eine schlechtere Anbindung zu Beschwerden von Bewohnern führt, räumt das Landratsamt allerdings ein: „Generell möchte jeder erst mal zentral untergebracht werden und fordert Anbindung an Bus und Bahn.“ Das könne bei staatlichen Unterkünften aber nicht sichergestellt werden, schreibt das Landratsamt in seiner Stellungnahme. Ausnahmen könnten nur für Geflüchtete mit körperlichen Einschränkungen gemacht werden. Das Angebot richte sich nach dem verfügbaren Wohnraum, heißt es weiter. Aufgrund der hohen Zahl an Flüchtlingen, die aktuell in den Landkreis kommen, könnten formal geeignete Objekte nicht aufgrund ihrer Lage abgelehnt werden, „auch wenn es absolut richtig ist, dass eine bessere Anbindung immer besser ist“. Auch für Helfer und Landkreis.
Aktuell könne das Landratsamt Miesbach nicht viel mehr als Turnhallen und dezentrale Objekte zur Unterbringung anbieten. „Es gibt in unserer Region einfach zu wenige verfügbare Unterkünfte“, lautet das Fazit der Behörde.
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