Regionalplan: Irschenberg will Partnerschaft mit Valley, Warngau, Weyarn

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Nur noch ländlicher Raum: In der Fortschreibung des Regionalplans wird Irschenberg nicht als Grundzentrum bewertet – und das trotz Autobahn, Raststätte und Versorgungskapazitäten der Tankstellen.
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Die zehnte Fortschreibung des Regionalplans Oberland lässt in Irschenberg die Alarmglocken läuten. Die Gemeinde ist nur als „allgemeiner ländlicher Raum“ gelistet.

Irschenberg – Die zehnte Fortschreibung des Regionalplans Oberland lässt in Irschenberg die Alarmglocken läuten. Die Gemeinde ist nur als „allgemeiner ländlicher Raum“ gelistet, während fast der gesamte übrige Landkreis als Mittelzentrum (Holzkirchen, Miesbach-Hausham), verbundene Mittelzentren (Tegernsee mit Gmund, Bad Wiessee, Rottach-Egern und Kreuth) oder Grundzentrum (Bayrischzell, Fischbachau, Schliersee und Waakirchen) geführt wird. Lediglich Irschenberg, Valley, Warngau, Weyarn und Otterfing weisen keinen gehobenen Status auf. Und nicht nur das: Auch aus dem Alpenraum ist Irschenberg herausgenommen worden.

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Regionalplan: Irschenberg will Partnerschaft mit Valley, Warngau, Weyarn

Bei der Sondersitzung am Montagabend im Irschenberger Rathaus – diese war zur Wahrung der Anhörungsfrist bis 12. Juli nötig – reagierten die Ratsmitglieder deshalb irritiert beim Blick auf die Plankarte. Während vergleichbare Kommunen wie Bayrischzell und Fischbachau als Grundzentrum eingestuft werden, fällt Irschenberg runter – trotz Autobahn und Gewerbeausbau. Tenor: Man sei vergessen worden – oder zumindest nicht ganz richtig eingeordnet.

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Dabei geht es nicht ums Ego, wie unisono betont wurde. Die Einstufung als ländlicher Raum kann – das befürchten die Räte auch in den anderen Nicht-Zentrums-Gemeinden – irgendwann negative Folgen bedeuten. Etwa bei der wirtschaftlichen Entwicklung, indem von der Gemeinde gewünschte Ausweisungen nicht zugelassen werden, weil sie ihrem Status zuwiderlaufen könnten. Oder bei der Bemessung von Zuschüssen. Denn der Regionalplan habe durchaus planerische Bedeutung, wie Geschäftsführerin Irmgard Dinges betonte: „Er folgt nach dem Landesentwicklungsprogramm und steht über dem Flächennutzungsplan und den Bebauungsplänen.“

Angst vor Limitierung bei Entwicklung

„Unser Ziel ist es, dass wir auch weiterhin selbst entscheiden können, wie wir uns entwickeln wollen“, stellte Bürgermeister Klaus Meixner (CSU) fest. Dazu gehöre auch, dass Irschenberg weiterhin zum Alpenraum zähle. „Denn irgendwann geht es ums Geld.“ Laut Dinges erfüllt Irschenberg zwar fast alle Kriterien eines Grundzentrums, doch ein wichtiger Teil fehlt: der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Ähnlich gehe es auch Valley, Warngau und Weyarn: „Jedem fehlt ein Kriterium.“

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Regionalplan: Irschenberg will Aufwertung durch Partnerschaft

Der Plan, sich aufzuwerten, sieht nun so aus: Irschenberg will sich mit Valley, Warngau und Weyarn zusammentun. Gemeinsam wollen die vier als sogenannte verbundene Grundzentren geführt werden. Diese Nähe werde auch im Alltag gelebt, stellte das Gremium fest. So sei der bevorzugte Bahnhof der Bayerischen Oberlandbahn nicht Miesbach, sondern der Valleyer Ortsteil Darching. Und Weyarns Supermarkt sei auch für viele Irschenberger Anlaufstelle.

Zudem verwies Regina Gruber (Freie Wähler Irschenberg-Reichersdorf) darauf, dass die Entwicklung des ÖPNV auch dadurch massiv gehemmt werde, dass Irschenberg im Norden und Osten an den Landkreis Rosenheim grenze, in den vom Landkreis Miesbach auch keine Busverbindung führe. Dinges stimmte zu: „Irschenberg, aber auch Valley, Warngau und Weyarn tragen für die vorliegende Einschätzung zu viel eigene Grundversorgung.“ Von einem blinden Flecken könne keine Rede sein.

Der Gemeinderat stimmte geschlossen zu, im Regionalplan als Grundzentrum zusammen mit Valley, Warngau und Weyarn geführt zu werden und im Alpenraum zu bleiben. Immerhin: Die Regierung von Oberbayern hat auf den geschlossenen widerstand der vier Gemeinden bereits reagiert und einen Gesprächstermin angeboten, den das Quartett annehmen will.

ddy

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