In der Lichtenau

Riesiger Solarpark im Westen von Weilheim geplant

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Im rot markierten Bereich in der Lichtenau soll ein Solarpark mit 34,4 Hektar Fläche entstehen.
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In der Lichtenau ist ein riesiger Solarpark geplant, der alle bisherigen Vorhaben im Landkreis weit übertrifft: Auf fast 35 Hektar Fläche will die Volllast GmbH Strom für ca. 11.000 Haushalte erzeugen. Weilheims Bauausschuss zeigt sich teils beeindruckt von den Plänen. Doch da ist noch einiges zu klären.

Weilheim – In nächster Zeit werden so einige neue Solarfelder auf Weilheimer Flur entstehen – etwa vier Anlagen mit zusammengerechnet neun Hektar Fläche im Osten der Stadt. Doch gegenüber dem, was jetzt für die Lichtenau im Weilheimer Westen geplant ist, sind alle bisherigen Vorhaben kleine Fische. Die Volllast GmbH aus Schwabsoien will auf 34,4 Hektar Grünland zwischen Reichenbergstraße und Sudetenstraße den bislang größten Solarpark im Landkreis errichten. Knapp 30 Hektar sollen laut aktuellem Entwurf mit Photovoltaik-Modulen bestückt werden, fünf Hektar sind als Ausgleichsflächen vorgesehen. Die geplante Anlage brächte eine Leistung von fast 35.000 Kilowatt-Peak, das wäre Strom für rund 11.000 Haushalte – also rechnerisch wohl annähernd für ganz Weilheim.

Entscheidung im Stadtrat steht noch aus

Vorgestellt wurden die Pläne diese Woche im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates. Entschieden ist freilich noch nichts, wie Bürgermeister Markus Loth (BfW) betonte. Es handle sich um die „erste Lesung“ und gebe „noch einige Dinge zu klären“. Folglich gab es auch keine Abstimmung in dem Gremium. In den nächsten Wochen sollen die Fraktionen erst mal intern diskutieren, ehe der Stadtrat entscheidet.

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Einige Sympathie für das Vorhaben wurde im Ausschuss aber schon mal deutlich. Wenn man es ernst meine mit regenerativen Energien, müsse man „im großen Stil einsteigen“, sagte etwa Klaus Gast (CSU). Er halte es für „ökonomisch und ökologisch sinnvoll, solche Flächen zu konzentrieren“ und so auch mit einer einzelnen Erschließung auszukommen. Wobei es natürlich Flächen sein sollten, „die der Landwirtschaft möglichst wenig weh tun“. Bei dieser Gelegenheit fügte Gast einen Seitenhieb auf Weilheims Stadtspitze an: Diese gehe das Thema nicht aktiv genug an und habe bis dato „immer nur auf Anträge reagiert“, monierte der CSU-Vertreter. Dabei müsse die Stadt überlegen, auch eigene Flächen für Solarfelder zur Verfügung zu stellen.

„Kleines Umspannwerk“ am Weg nach Raisting

Volllast hatte in den vergangenen beiden Jahren bereits für mehrere Flächen in und um die Lichtenau Solarfeld-Anfragen gestellt. Diese würden laut Stadtbauamt mit den neuen Plänen großteils entfallen. Problematisch war bisher vor allem, einen Netzanschlusspunkt zu finden. Für das neue Projekt sei dafür eine Lösung in Form eines „kleinen Umspannwerks am Weg nach Raisting“ in Sicht, sagte Manfred Stork, der Leiter der städtischen Bauverwaltung. Die Größe dieses Solarparks sei „schon eine Hausnummer für Weilheim“, so Stork: „Da wollen wir letztlich hin.“

Vertreter der Weilheimer Agenda 21 spricht von „Idealfall“

Die Volllast-Vertreter erklärten, dass die Hälfte der avisierten Fläche aktuell für eine Biogasanlage genutzt werde und „hoch verdichtet“ sei. Freiflächen-Photovoltaik bedeute dort eine „Aufwertung bezüglich Biodiversität“, den betroffenen Landwirten wolle man entsprechende Ersatzflächen anbieten. Ottmar Back, Sprecher des AK „Energie“ der Weilheimer Agenda 21, nannte es „den Idealfall, solche Flächen für Photovoltaik zu nutzen“ – denn die bringe gegenüber Biogas „den 40-fachen Ertrag“.

Bürger sollen sich an dem Solarpark beteiligen können

Weil es auf den betroffenen Flächen durchweg Drainagen gebe, sei eine intensive Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Bodenverband Lichtenau nötig, hieß es im Bauausschuss. Man gewährleiste, dass „die Entwässerung der Flächen immer möglich ist“, versicherte Volllast dazu: „Wir gehen davon aus, dass wir einen gleichwertigen Zustand erhalten können“, so Projektentwickler Jörg Kranzfelder.

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Am „Solarpark Lichtenau“ sollen sich auch Bürger beteiligen können, sagten die Firmensprecher auf Nachfrage, etwa in Form einer „Schwarm-Finanzierung“. „Das sind nur Hochrisikodarlehen“, meinte Klaus Gast dazu kritisch, „wichtig wäre eine Genossenschaft“. Für Letzteres sei man offen, brauche aber einen „regionalen Partner“, so die Antwort von Volllast, und „mehr Offenheit des Energieversorgers vor Ort“. Alfred Honisch (Grüne) – der sich von dem Projekt an sich beeindruckt zeigte – bekam an dieser Stelle „den Eindruck, da könnte sich ein Konkurrenzunternehmen zu unseren Stadtwerken entwickeln: Da tut sich eine ganz neue Dimension auf, da muss man auf alle Fälle drüber reden“.

BfW-Vertreter fordert weniger Ausgleichsfläche

Eine so genannte Agri-PV-Anlage – wie von Gerd Ratter (ÖDP) gefordert – ist dem Unternehmen zufolge „unter aktuellen Bedingungen nicht finanzierbar“, damit wäre nur Strom für 1100 statt 11.000 Haushalte zu gewinnen. Dass „im größeren Stil projektiert wird“, befand auch Ratter grundsätzlich für gut. Er lobte zudem, dass an Biotopverbindungsstreifen gedacht sei. Rupert Pentenrieder (BfW), Stadtratsreferent für Landwirtschaft, forderte indes, die Ausgleichsfläche zu minimieren, „um dafür nicht auch noch landwirtschaftlichen Boden zu entziehen“. Für die vorgesehene Schafbeweidung der PV-Flächen empfahl er, mit dem Schafzüchter vor Ort zu kooperieren, dann würden dessen bislang beweidete Areale für andere Agrarnutzung frei. Insgesamt sah Pentenrieder „noch einige Ungereimtheiten“ in der vorgelegten Planung. Grundsätzliche Vorbehalte äußerte aber auch er nicht.

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