VonSascha Karowskischließen
Eine wichtige Rolltreppe am Hauptbahnhof in München ist seit Monaten kaputt. Die Reparatur dauert so lange, weil ein Ersatzteil zunächst angefertigt werden muss. In China.
München - Die Grolltreppe am Hauptbahnhof sorgt weiter für Ärger – nun auch im Münchner Stadtrat. Dort hatte eine Vertreterin der Deutschen Bahn erklären müssen, warum es dem Mega-Konzern nicht gelingt, die seit Monaten defekte Anlage zwischen S-Bahn-Sperrengeschoss und Abfahrtshalle zu reparieren. Grund ist, dass die Rolltreppe in die Jahre gekommen ist und dadurch Ersatzteile einzeln im Ausland angefertigt werden müssen. „Das dauert sehr lange“, sagte die DB-Bereichsleiterin Süd, Esther Heckmann. Die Ersatzteile für die Sorgen-Stufen am Hauptbahnhof werden demnach in China produziert. „Und kommen denn per Luftfracht.“
Ärger um Rolltreppe am Hauptbahnhof: „ Nicht sinnvoller, so etwas auf Lager zu haben“
OB Dieter Reiter (SPD) konnte da nur mit dem Kopf schütteln. „Handgefertigte Ersatzteile über Jahre aus China zu beziehen, halte ich jetzt nicht für die allerbeste Idee. Da sollte sich die Bahn mal Gedanken machen, ob es nicht sinnvoller wäre, so etwas auf Lager zu haben.“ Heckmann entgegnete, das dies nun auch geplant sei. „Die Bahn hat sich entschieden, ihr Lagerhaltungskonzept zu ändern.“ Von dem nun benötigten Ersatzteil habe man gleich zwei geordert. „Und wir werden noch weitere bestellen.“
Der Stadtrat hatte nicht nur Heckmann eingeladen, auch der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Ingo Wortmann, musste zum Rolltreppen-Rapport. „Es gibt kaum ein Thema, zu dem wir so viele Beschwerden bekommen“, sagte CSU-Chef Manuel Pretzl. Tatsächlich mögen sich die Zahlen aber ganz gut anhören: Im Bereich der MVG herrschte 2024 bei den 178 Aufzügen eine Verfügbarkeit von knapp 98 Prozent und bei den 772 Rolltreppen von 95 Prozent. „Das sind keine 99 Prozent, aber die werden aus unserer Sicht auch schwer erreichbar sein“, sagte Wortmann. Die MVG befinde sich seit Jahren in einem kontinuierlichen Erneuerungsprozess. „2024 haben wir 28 Fahrtreppen und sieben Aufzügen ausgetauscht.“
Ärger um Rolltreppe am Hauptbahnhof München: SPD-Stadtrat fühlt sich an Chaos am Flughafen erinnert
Die 49 Aufzüge und 83 Rolltreppen der Bahn waren 2024 zu 96,3 Prozent verfügbar. „Es gehört schon auch zur Wahrheit dazu, dass der Wert seit 2020 leicht abgenommen hat“, räumte Heckmann ein.
Die Zahlen seien das eine, das Gefühl aber ein anderes, sagte Linken-Chef Stefan Jagel. „Faktisch ist es so, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, Menschen mit Kinderwagen oder mit zwei Koffern auf einmal vor einem Aufzug oder einer Rolltreppe stehen, die nicht in Betrieb sind“, ergänzte CSU-Chef Pretzl. Christian Vorländer (SPD) fühlte sich gar an das Chaos am Flughafen München erinnert. „Da ging auch alles daneben, und die Manager sitzen hier und sagen: Alles ist gut, ein bisschen Luft nach oben gibt es.“
Barrierefreiheit an Bahnhöfen in München und Bayern: Grünen-Stadtrat mahnt zum Handeln
Paul Bickelbacher (Grüne) mahnte, dass gerade die Bahn in puncto Barrierefreiheit mehr tun müsse, da einige Bahnhöfe nach wie vor eben nicht für mobilitätseingeschränkte Menschen zu erreichen seien. „Es war das Ziel, dass Bayern 2023 barrierefrei ist“, sagte Bickelbacher. „Da sind wir ein bisschen drüber.“ Heckmann räumte ein, die Bahn sei noch nicht dort, wo sie hin wolle, versprach aber: „Wir arbeiten daran.“
