VonDieter Dorbyschließen
Immer weiter kommen neue Flüchtlinge in den Landkreis. Am Donnerstag sind erneut 50 Personen eingetroffen. Die nächsten werden wie immer in 14 Tagen erwartet.
Landkreis – Zumindest ein bisschen Platz wurde in den drei Turnhallen in Miesbach und Tegernsee geschaffen. 46 anerkannte Asylbewerber – sogenannte Fehlbeleger – haben die Einrichtungen des Landkreises zur Erstaufnahme verlassen. Sie wurden auf vier Gemeinden verteilt, die bislang nur in unterdurchschnittlichem Umfang Asylbewerber aufgenommen haben (wir berichteten).
Die Verteilung sieht so aus: Die Gemeinde Bad Wiessee hat 14 Personen übernommen, Gmund vier, Irschenberg 15 und Rottach-Egern 13. Dabei lobt das Landratsamt die Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den Helferinnen und Helfern sowie den Wohlfahrtsverbänden – alles habe hervorragend und reibungslos geklappt. „Die Unterstützung der Gemeinden war wirklich großartig“, lobt Sprecherin Sophie Stadler, „sowohl in der gemeinsamen Vorbereitung als auch dann bei der tatsächlichen Umverteilung.“ Die Mitarbeiter in den Rathäusern hätten tatkräftig unterstützt.
Irschenberg setzt auf Container
Viel Lob für viele Mühen, denn freier Platz ist rar. In Irschenberg wurde ein Teil der Menschen privat untergebracht, die übrigen belegen nun eine Wohnung der Gemeinde sowie zwei Container, die aufgestellt wurden. Damit sind die Kapazitäten der Gemeinde erschöpft.
„Jetzt ist Schluss“, sagt deshalb auch Bürgermeister Klaus Meixner, der mit der Lösung nicht glücklich ist. „Die Leute sind zwei bis drei Kilometer von der nächsten Bushaltestelle entfernt. Bei uns haben sie keine Anbindung.“ Schwierige Voraussetzungen, um einer Arbeit nachgehen zu können. Und im Winter werde es bei Schnee nicht leichter.
Gmund will Kapazitäten schaffen
Auch in Gmund war es nicht einfach, auf die Schnelle Platz zu finden. Gerade mal vier Personen wurden aufgenommen, aber die Gemeinde arbeitet laut Geschäftsleiter Florian Ruml daran, weitere Kapazitäten zu finden. Aktuell laufen Verhandlungen über privaten Wohnraum. Zudem könnte ein Wohnhaus der Gemeinde, das eigentlich abgerissen und neu gebaut werden soll, für eine vorübergehende Unterbringung ertüchtigt werden. Dort wäre dann Platz für acht Personen.
Die vier anerkannten Asylbewerber wurden bis auf Weiteres in der Obdachlosenunterkunft der Gemeinde untergebracht. Damit ist diese Option nun verbraucht.
Bad Wiessee schichtet um
In Bad Wiessee wurden die 14 Neuankömmlinge schwerpunktmäßig im ehemaligen Bayerischen Hof untergebracht. Hier noch Platz zu finden war nicht gerade einfach, berichtet Karen Lange, die im Sozialamt der Gemeinde für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig ist: „Wir schichten um. Es ist eng, aber für die Leute ist es in Ordnung.“
Schwierig ist es dabei, den vorhandenen Platz so anzupassen, dass er für die Ankommenden passt. Das Problem dabei ist auch der kurze Vorlauf. „Wir erfahren erst zwei oder drei Tage vorher, welche Personen und Familien wir unterbringen müssen“, sagt Lange. „Dann erst können wir alles entsprechend arrangieren.“
Landkreis muss Familien trennen
Ein Problem, mit dem der Landkreis ebenfalls zu kämpfen hat. „Wir haben auch schon darum gebeten, vorrangig Einzelpersonen zu bekommen, weil wir diese besser unterbringen können“, berichtet Landrat Olaf von Löwis mit Blick auf die vollen Turnhallen. In den kleinen Lücken ganze Familien unterzubringen sei „ein großes Problem“. Fünf- bis achtköpfige Familien müssten daher sogar getrennt werden. Und mit dem Bus, der am Donnerstag kam, seien wieder Familien gekommen.
„Das Problem wird nicht gelöst“
Die Unterbringung der 46 Fehlbeleger in den vier Gemeinden ist eine Entlastung, die etwas Druck aus dem Kessel nimmt. „Aber das Problem wird so nicht gelöst“, betont Meixner. „Es müsste sofort ein Riegel vorgeschoben werden. So kann man ja auch mit diesen Menschen nicht umgehen. Wo sollen die denn hin?“ Die Unterbringungskapazitäten seien aufgebraucht, aber der Zustrom nehme kein Ende. „Die allgemeine Stimmung ist angefressen.“
